Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1924)
- Date
- 1924-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652623--15668-3180834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 20S TUEDISCME RUNDSCHAU Nr. 28 Der Keiiililtl zwischen Zionisten und Liberale« Im Vorstände der Berliner Jüdische» Gemeinde Ans <U1־n Kreise der zionistischen Vertreter in den Körperschaften der Berliner Gemeinde erhalten wir foljiemic Information: Die im Beginne dieses Jahres vorgenommene Neuwahl jri <1011 Gemeindevorstaml trug ein ganz ,־»ußei'gewöhnliehcs Gepräge. Der wachsende Einfluß der zionistischen Vertreter während der letzten Jahre war den Liberalen recht unangenehm geworden. Sic führten diesen Einfluß hauptsächlich auf die Schwäche der liberal gesinnten Vorstnmlsiuitgiicdcr zurück. Die Vertretung der liberalen Interessen im Gemeindevorstaml sollte partcifcstercn Liberalen anvcrlraut werden, zumal eine Vermehrung der Sitze für die übenden im Cemeimlevorstaml auf Gruml der Abmaclmnpeil bei den letzten Repräsentanteiiwahicn ausgeschlossen war. .So mußten die Herren Geheimrat Dr. Stern und Leopold Badt als Opfer fallen, beide mehr als 20 Jahre m der Gemeindeverwaltung tätig, beide nach Ansicht der Liberalen, obwohl persönlich 11m die Gemeinde sehr verdient, zu schwach, um dem ״Ansturm'* der Zionisten standzuhalten, denen sic schon so unverzeihliche Konzessionen, wie die Unterzeichnung des Keren 1 lajcssod-Aufrufs, gemacht hatten. Die Zionisten waren, parlamentarischer Gepflogenheit entsprechend, nicht in der Lage, den Liberalen bezüglich der neuen liberalen Kandidaten Vorschriften zu machen, sie bedauerten aber die Ausschaltung der beiden genannten Herren, insbesondere des Herrn lhdt, der eine wahre Zierde der Gemeinde gewesen und mit unvergleichlicher Hingebung gearbeitet hatte,!aufs lebhafteste. Schließlich wurden zwei entschiedene und extreme Vertreter des Liberalismus in den Vorstand gesandt. Die Wahl unseres Gesinnungsgenossen Dr. K o 11 c n 5 C 11 c r und das eigentümliche Verhalten der Konservativen bei׳ dieser!Wahl interessieren in diesem Zusammenhang nicht. Die Lihcralcn des neuen Vorstands schlossen sich nun fest gegen die Zionisten zusammen. Auch die nicht ausgcschicdencn liberalen Vertreter, welche während der Waiden aufs eifrigste für die Herren Stern und Badt agitiert und aufs bestimmteste erklärt hatten, daß sie sieli keiner liberalen Diktatur fügen, sondern als Gemeindevorsteher ihre unabhängige Meinung ׳ vertreten würden, beugten sich dem neuen Geiste und bildeten mit den neu cingctrctcncn Liberalen eine geschlossene krönt gegen die Zionisten. Sie sind entschlossen, jeden zionistischen Einfluß im Gemciiidcvorstnnd zu bekämpfen und gewaltsam zu unterdrücken, und sie empfangen •ihre Direktiven hierfür von der liberalen Fraktion, b/.w. von dem ״Liberalen Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde“. Die lihcralcn Vorsteher sind demnach nicht mehr als unabhängige Gemoimlcvertretcr zu betrachten, die aus ihrer Weltanschauung heraus nach eigenem Urteil eine Ucbcrzcugung. vertreten, sondern als Beauftragte einer außerhalb der Gcmcindcvcrwaltung stellenden Körperschaft, der sic sich zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet haben. Die Absicht der Herren geht nun nicht nur dahin, von ihrer knappen Majorität Gebrauch zu machen, indem sie etwa zionistische Anträge nblclmcn. llirc Absichten gehen viel weiter, wie sicii jetzt bei Konsütuierung des Gemeindcvorstaiuies gezeigt hat. Ais cs sich nämlich um die Vergehung der Dezernate handelte, wurde den zionistischen Vertretern im Gemeinde- Vorstände rund heraus erklärt, daß die Zionisten eigentlich nichts in der Gemeindeverwaltung zu tun hätten. —■ eine Auffassung, die der jetzige Vorsitzende, Kammergerichtsrat iWoiff, schon seit Jahren vertreten hat —, weil die Gemeinde eine religiöse Institution sei, die Zionisten aber eine Volksgemeinde erstrebten, uml weil die Gefahr bestünde, daß die Zionisten, wenn man iiinen allzu freie Hand lasse, ihren Einfluß zum Schaden der Gemeinde mißbrauchen könnten. Aus dieser Anschauung hat man die weitere Konsequenz gezogen, daß man gewisse Gcsiiinungsdezernate feststellte, die unter keinen Umständen Zionisten anvertraut werden dürften, .wie das Schnldczeriiat oder das gcincindepoiiiische Dezernat. Der Gcmcimlcvorstaiid soll in Zukunft .nach Vorstellung der liberalen Herren nicht mehr eine kollegiale Körperschaft sein, in welcher, wie dies bisher üblich war, Dezernate nach Wunsch, Neigung und Fälligkeiten der einzelnen Mitglieder vergehen werden, sondern cs soll einfach von den Liberalen dekretiert werden, was einem Zionisten anvertraut werden dürfe und was nicht. Die Minoritäten aber haben sich zu fügen. Die Zionisten müssen zwar im Gemeindevorstaml geduldet werden, dürfen auch gewisse Arbeiten verrichten, sollen aber im übrigen, obwohl ihre Partei zurzeit in der Gemeindeverwaltung die zweitstärkste ist, als Mitglieder zweiten Grades betrachtet werden, die auf gewisse Dezernate keinen Anspruch zu erheben hätten. Schon bei der Frage der Besetzung des Präsidiums kam diese Anschauung zur Geltung. Die Zionisten hatten den Posten des ersten stellvertretenden Vorsitzenden für sicii in Anspruch genommen. Konzedieren wollte mau ihnen dies nur, wenn sicii der dafür in Aussicht genommene Herr Kareskl verpflichten würde, bei Stimmengleichheit niemals den Ausschlag zu geben, sofern er in die Lage käme, den Vorsitz zu führen; der liberale erste Vorsitzende sollte dagegen das Recht, den Ausschlag zu geben, behalten. Das freundliche Angebot wurde natürlich nbgelehnt. Das Sehukiczcrnat wurde mit der oben angedeutcteii Begründung verweigert. Während also einem konservativen Zionisten das Schulwesen nicht anvertraut werden konnte (— die ״Religion“ mußte gegen diesen Natiofialjuden in ״Schutz.“ genommen werden —), präsentierten anfangs die Liberalen als Beschützer der Religion und Schuldezernenten Herrn Justizrat Makowcr, dessen Propaganda für die Einführung der Weihnachtsfeier selbst in den Reihen der Liberalen unliebsames Aufsehen erregt hatte. In bezug auf das gemcindcpolitischc Dezernat verfuhr man in der Weise, daß man im wesentlichen alle Agenden, die in dieses Dezernat fallen, Herrn Dr. Kol!enschcr übertragen wollte, da man ihm die entsprechenden Qualitäten nicht absprechen konnte, daß man aber das Dezernat selbst dem liberalen Herrn Justizrat Makowcr in Verbindung mit Herrn Dr. Freund übergab. Mit anderen Worten: Herr Dr. Kollenscher sollte die Arbeiten verrichten, nufsichtsführcndcr Dezernent mußte aber ein Liberaler sein. Ein liberaler ״Vcrmittlimgsvorsclilag“ }:big dahin, Herr Dr. Kollenscher solle sicii eine neue Firma für die ihm übertragenen Agenden selbst aussuchen, ein ungeheuerliches Ansinnen, das natürlich nbgelehnt wurde. Den Herren Karcski und Dr. Sandler liatle man mit ,gewissen Einsrliränkimgcn ihre bisherigen Dezernate belassen. Was den Zionisten sonst neu übertragen wurde, sind, abgesehen von den in das gemcindcpolitischc Dezernat fallenden Arbeiten, für den zionistischen Standpunkt verhältnismäßig Jiclanglose Dinge. Mit Rücksicht auf die vorübergehende Abwesenheit verschicdencr Mitglieder des Gcmcindevorstandes wurde die definiiive Erledigung dieser Angelegenheit bis zur vorigen Woche 'nufgcscliobcn. Inzwischen haben die Zionisten keine Dezcrnalsnrbeiten versehen und in einem Falle durch ihr Fernbleiben den Gemeindevorstand beschlußunfähig gemacht. In der Vorstandssitzung vom 1. April d. J״ in welcher die endgültige Entscheidung fiel, haben die Herren Liberalen genau die gleiche Taktik wie bisher befolgt. Sic haben alle Versuche zur gütlichen Beilegung des Konfliktes; auch die VeriniUlungsversuche von konservativer Seite, abgelciint. Sic haben weder das gcmcindcpoiilische noch das Scb11ide7crn.it noch eine weitere — freilich im Augenblick nicht zu verwirkliebende — Forderung der Zionisten zugestanden. Das einzige, was sie konzedieren wollten, war die Uebertragimg des ersten Vizepräsidiums an Herrn Karcski, auf das dieser unter den obwaltenden Umständen dankend verzichtete. Die Zionisten gaben infolge dieser intransigenten Haltung der Liberalen die schon vor der Entscheidung in Aussicht gestellte Erklärung ab, daß sie keine Dezcrnatsarbeltcn versehen, daß sie sich zwar an den Sitzungen beteiligen werden, aber die Mehrheit des Vorstands und den Vorsitzenden aufs schärfste bekämpfen werden, daß sie sich mit dem Gesamt- Vorstand nicht mehr solidarisch fühlen, die Geschlossenheit des Kollegiums nicht mehr anerkennen und In den Fragen, in denen r.le alnveidicmlcr Meinung sind, ihr Minoritiitsvotmn in der Repr.iseiitantenversnnimlimg vertreten werden, daß sic ...... .■—... ..-I— Alt-Herrin-Bund ״ICadlmah“ Im IC. J. V Vortragszyklus ״Dar arabische! Kulturkrels“ Mittwoch, don 0. April, nlmmli 8 Uhr 15 Min. pünktlich Dr. SCHÄDER, Droolaut I ,,Wlrtschafisfhaorl® u. Wlrtschnftcpraxta Im Islam'* Der Vortrar fl ׳״Dt ln der IIoeh«chnl« für <110 Wissenschaft den Judentum*, Artillerie»«•. 14, •tatt. Elntrlttskarion 2 M., für Angohörlgo der Jugendorganisationen 1 M., an der Kasan erhttltllch. sich ferner Vorbehalten, die Angelegenheit nunmehr der Ocffentlichkeit zu unterbreiten. Die Liberalen übertrugen sofort einem ihrer extremsten Vertreter das Schuklezernaf. Das Kuriose dabei ist, daß dieser Herr nicht weniger als drei der wichtigsten Dezernate, nämlich die Personalien, die Finanzen und jetzt ,noch das Schuldczcrnnt übernimmt und sich im übrigen zur Ucbernnhmc weiterer, Jetzt frei gewordener Dezernate bestens empfohlen hält. So sichen die Dinge im Augenblick. Unsere Oeslnnungsgenossen sehen der Entwicklung mit größter Ruhe entgegen. Aus der jQdlschcn Welt Dcutnthtand Der am {>. April stattgefundene erste Parteitag der Republlkanisclien Partei Deutschlands faßte zur Frage des Antisemitismus folgende Entschließung: Die Rcpuhlikauisrhc Partei Deutschlands lohnt es ab, Unterschiede zwischen den Staatsbürgern nach ihrem Glauben oder ihrer nissemuäßigcn Abkunft zu machen. Demgemäß lehnt die R. P. D. den Antisemitismus ab und bekämpft ihn, Sie erblickt in dem von der Reaktion gepredigten Judenhaß einen Appell an die Gedankenlosigkeit der politisch und wirtsdiaftlich ungebildeten Teile des Volkes und den Versuch, das deutsche Volk von der Nachforschung nach den wahren Ur- Sachen seines Unglücks ahzulenkcii, Ke Frage der ostjüdischen Einwanderung ist nur ein aus agitatorischen Gründen abgclöstcr Teil der Ein wänderungsfrage. Diese muß nach rein sachlichen Gcsic 11 tspunkten gelöst werden und darf nicht den Vorwand bilden zu einem Ausnahmegesetz gegen irgendeine nationale, religiöse und soziale Gruppe. — Diese Ent- Schließung wurde vom Parteitag einstimmig angenommen. Das Vorlesungsverzeichnis der Universität Jena für das Sommcrhalhjahr 192*1 enthält die Ankündigung eines Vorksungszyklus des bekannten Professors Plate über ״Allgemeine Zoologie und Entwicklungslehre, einschließlich der politischen Folger« 11 gen“. Professor Plate (der bekanntlich von Adolf Heilborn auch de! schwersten Undanks gegen seinen Lehrer Ernst Haeckel geziehen worden ist. — Red. ״J.R."), hat seine zoologischen Vorlesungen häufig mit heftigen antisemitischen Ausfällen versehen. Vor einigen Monaten mußte er sich sogar auf eine Klage der jüdischen Studenten hin wegen Beleidigung des jüdischen Volkes vor Gericht verantworten. Das Gericht sprach ihn (wie üblich) frei, was damals großes Aufsehen erregte. 6*«1 -Isr*«t Wie der arabische ,,La-Ahnram“ berichtet, fst Scheich Al Farukki als Präsident der arabischen Nationalpartei zurilckgctrclcn, weil die Mitglieder der Vercluigiuig ohne vorherige Einvernahme mit ihm der Ausrufung König Husseins zum Kalifen beigestimmt haben. Die Konferenz der Acluluth Hanwodah wurde für den 1. Nissan (4. April) cinbcrufcn, Auf der Tagesordnung bc• finden sich unter anderen folgende Punkte: Unsere Fordertmgcn an die Arbcitcrregicrimg (Referent Ben Zwi), die politische Lage, die Araber-Frage und die nationale Autonomic (Referenten Ben Gurion und Kuplansky), Jewlsit Agency (Referent Rubaschow). Der diesjährige Touristenstrom fn Palästina fst ein ungemein reger. Speziell für Pcssach sind Tausende vön jüdischen Besuchern, in Palästina angekündigt. So ist aus Warschau durch Vermittlung des dortigen Palästinaamics am 1. April eine Gruppe von 450 Personen nach Palästina abgercist, 250 Touristen, größtenteils reiche Kapitalisten, die In Palästina geschäftliche Verbindungen anknüpfen wollen, und 200 Emtgrauten, von denen ein Teil von der Zionistischen OrganIs'alion nbgefcrligt wurde, und der andere auf Grund von Affidavits zu Verwandten in Palästina reist. In der vorletzten Marktwoche war das Geschäft ln Jaffa- Orangen auf dem Llvcrpoolcr Markt ruhiger; die Vorräte waren kleiner. 144—152er erster Qualität erzielten zirka 21/G bis 23/— per Kiste. Die Preise stellten sich damit u m 120 ״/n höher als zu B e g 1 n 11 d e r Saison. Wie ver• laufet, dürften die Differenzen zwischen den Obst• mnkI ern in Liverpool und den spanischen Expor• teuren, die dem Absatz der Jnffaoranpeu so s e h r zu gut e gekommen sind, in der nächsten Zelt belgclcgt werden. H«gypttn Am 20. März fand die Beerdigung des Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Kairo, Moise Cat tan i Pascha, statt. König Fand nahm an dem Leichenbegängnis teil. Moise G.iitani Pascha war 41 Jahre lang Präsident der jüdischen Gemeinde in Kairo. Er war Mitglied des Direktorium! verschicdencr großer Bankkonzerne, darunter der Nationalbank von Aegypten und der Crcditanstnlt. Joseph de Picciotto Bcy ist rum Vertreter der Juden im ägyptischen Senat ernannt Worden, Er ist Vizepräsident der Jüdischen Gemeinde in Alexandria. Südafrika Die Keren Hajessod-Kampagne ist unter Leitung von Dr. Alexander Goldstern ln vollem Oange. Auf der am 5. März in J o h a 11 n c s b u r g abgelinltcncn Zlonistl sehen Konf e r 1־ n z. wurde 111 einem Bericht des Exekutiv-Goimcils der Zionistischen Föderation die Tätigkeit des Keren Haiessod seit zwei Jahren in einem separaten Rechenschaftsbericht be- I handelt. Es heißt darin, daß die Keren Hajcssod-Arbcit in Südafrika, die allerdings später .als in anderen Ländern eingesetzt hafte, viele Hindernisse hat durchmachen müssen, daß sie aber dank der Tätigkeit Dr. Schmarjah Lew im’ der im Januar des Jahres 1922 seine Arbeit dort begann, als ziemlich erfolgreich׳ zu bezeichnen sei in Anbetracht der mannigfaliigen Schwierigkeiten, wie des seinerzeitigen Aufstandes von Johannesburg und der wirtschaftlichen Depression dis Landes. ln den beiden Berichtsjahren wurden insgesamt 15 2*17 £ für den Keren Hajcssod aufgebracht (30 511 £ im Jahre 1922 und 14 736 £ im Jahre 1923), Die Ausgaben bctrugen Im Jahre 1922 11 «,0 und im Jahre 1923 1 0 0/0. Unter den Gcsctzesvorachlägen, welche die südafrikanische Regierung den! Parlament in der bevorstehenden Session unterbreiten will, befindet sich ein Vorschlag, der die Ahtrennung von Wohn- und Gcsciiäftsvlertcln für n I c 111 eingeborene!,ertönen gemeinsamer Rasse Vorsicht. Dieser Plan, der von dem Minister des Innern Patrick Duncan unterstützt wird, hat eine scharfe Opposition sowohl auf der Seite der asiatischen (hauptsächlich chincsisciien) Einwanderer, gegen die er gerichtet ist, als auch bei den Juden Südafrikas iiervorgerufcn. In der Bill wird bestimmt, wenn immer eine städtische Bezirksbehörde dem Minister Kenntnis gibt, daß ein Gebiet innerhalb ihres Bezirks ganz oder teilweise ״von einer bestimmten Klasse von Perr.onen" zu Wohn- oder Geschäftszwcckcn eingenommen wird, der Minister berechtigt sein soll, eine Untersuchung*- kommission zu ernennen, die darüber Bericht erstatten soll, ob es wünschenswert erscheint, solch ein Ocbiet abzugrenzen. Unter die Bezeichnung ״Klasse von Personen“ fallen nach der Meinung des Ministers, von den Eingeborenen abgesehen, alle Europäer und andere Personen, die ״gemein samen Rassencharakter habe n“. Gegen diese Definition wird in scharfer Weise Stellung genommen. Man hat die Befürchtung, als wenn diese Biil gegen die Juden niigcwemlet werden könnte. Wenn sie Gesetz wird, könnte irgendein späterer Minister, der den Juden nicht gut gesinnt ist, sic eigenmächtig gegen die Juden anwenden, obgleich die Bill zur Lösung des asiatischen Problems in der Union angeführt werden soll. Der südafrikanische Jcwlsh Board of Deputies befaßt sich eingehend mit der Angeiegenheit. Von der jetzigen Regierung ist kaum zu erwarten, daß sie die Bill gegen die Juden anwenden würde. Aber wenn man sich daran erinnert, wie das Ein wände• rungs-Regulierungs-Gesetz von 1919 gegen dl# luden ausgelegt worden ist, so dürfe nicht* unterlassen werden, um den jetzigen Protest so nachdrücklich wie möglich zu gestalten. Bevor damals das Einwandenings- Regulierungs-Gesetz rechtskräftig war nie, hat der jetzige Minister des Innern sich von der Regierung das feierliche Versprechen geben lassen, daß die Bestimmungen des Gesetzes keinesfalls gegen Europäer angewendet werden dürften. Jetzt jedoch hat Mr. Duncan im Hinblick auf die herrschenden außergewöhnlichen Umstände selber die Verfügungen gegen Europäer, unter denen die Juden die am meisten Be״ «offenen sind, angewendet. Wmerflt* Mit 210 Stimmen gegen 97 Stimmen hat der amerik,mische Kongreß die Resolution Fish zur Bewilligung von 10 Millionen Dollar zum Einkauf von Nährmitteln für notleidende deutsche Frauen und Kinder angenommen. Es ist bemerkenswert, daß der Kongreßmann Fish, der Urheber der Resolution, Jude ist. Er hat seinerzeit auch die Rc* solution für den Zionismus cingebracht. In Verbindung mit der letzt in Amerika vor sich gehenden Keren Hajcssd-Aktiou hat die Radiostation der Amerikanischen Telephon- und Telrgraphen-Kompagnie dieser Tage in ganz New York die Reden einiger zionistischer Führer übermittelt Für das Palästina - Theater Das Streben, das dem Oedanken der jüdischen Wiedergehurt nigrundefiegt: «ich menschlich und kulturell in nationaler Gestalt voll anzulelien — dieses Streben hat schon seit langem das Bedürfnis nach einer möglichst vollkommenen jüdischen Bühne wachsenden uml in Palästina zur Errichtung eines jüdischen Theaters geführt, das dort nicht eine Angelegenheit weniger Intellektueller, sondern ein konkreies Bedürfnis breiter Volksschichten darstellt, die diesem Unternehmen liebevoll gegenüberstelicn und es nach Kräften unterstützen. Allein die natürlichen Schwierigkeiten, mit denen das Land zu kämpfen hat, lind der Mangel an notwendigen kulturellen Mitteln, z. D. an sachverständigen Lehrern, einem gesichteten Repertoire u. dgl., störten die Entwicklung der Arbeit, und so sahen «ich die Beteiligten genötigt, ihr Unternehmen provisorisch in Berlin fortzuführen, einem kulturellen und künstlerischen Zentrum, in dem allein sie alle technischen und pädagogischen Mittel des modernen IMiluienhetrlchs fanden, um sich selbst zu schulen und ihr Unternehmen für das Bestimmungsland gut vorzubereiten. Die Truppe, die hierher aus Palästina kam, organisierte sich hier zum ״Palästinatheater“, nachdem sie durch Aufnahme von Zöglingen verschiedener Bühnen bis auf 20 Mitglieder gewachsen war. An ihrer Spitze steht Herr M. O nessln, einer der Schöpfer und Leiter der Moskauer ״Hab im ah“ Schüler von Stanislawski und Waclitangow. Den Stimmunterricht leitet Prof. Daniel, Plastik- und Tanzunterricht gibt die Künstlerin Jutta Klampt, die mti'lka'ische Abteilung untersteht dem Jüdischen Komponisten J. Engel. Aber das Palästina-Theater erstrebt nicht nur eine künstlerische Vervollkommnung, sondern die bei der Arbeit in -Palästina erworbene Erfahrung wies seine Mitgllcder auch darauf hin, die vernachlässigte Aussprache des Hebräischen zu' vereinheitlichen und zu vollenden, um, wie z. B, In Frankreich, den Landeseinwohnern zum Vorbild zu dienen. Zu diesem Zweck kamen der Truppe jüdische Schriftsteller und Lehrer zu Hilfe, darunter Herr W. Jabotinsky, der sein besonderes Augenmerk der Ausbildung einer reinen hebräischen Aussprache zuwandte. Neben dieser allgemeinen Ausbildung ging das Paiästina-TIieafcr mich au die Vorbereitung der erstmaligen Aufführung des Dramas ״Belsehazar“, das vom Theater nach detn Schauspiel von rlennlc Roche umgearbeitet ist. Joseph Achron übernahm es, dazu die Musik im orientalischen Stile zu schreiben. An den Dekorationsskizzen arbeitet der Maler Min ds ein. Ein besonderes Augenmerk gilt den Originaltänzen, an denen das Schauspiel reich ist. ׳ Die Gemeinschaft der Schrifisteller und Freunde, die »ich um das Palästina-Theater gruppiert, wendet sich an alle, die dem großen erzieherischen Wert eines vervoilkommneten hebräischen Theaters für die Förderung des palästinensischen Jischuw anerkennen, mit der Aufforderung, diesem Unternehmen geistig und materiell zu breiterer Existenzgrundlage zu verhelfen und durch seine Vollendung und seinen Geist unseren Willen zum Leben im Lande der Väter zu versinnbildlichen. 1 Ch. N. Blalik, Dr. S. Bernfeld, S. Gronemann, W, Jabotinsky, Dr. M. Solowcitschlk, J. Fich* man, Dr. J. Klatzkln, Prof. S. Dubnow, Prof* M. Sobernheim, Prof. O. Wa 1־burg, Dr. A. Ho• liticher, Dr. R. Kayser, Prof. A. Einstein Dr. Sch. Lewin, S. Tsch ernichowsky, Dr. Sch. PejD man, L. Jeßner, Regisseur am Staats-Theater, Kurt Piumenfeid, Arch, Erich Mcndeisohn. f