Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 97)
- Language
- German
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Der Judische Jugendring Leipzig Von Hans Oesterreicher und Dr. Fritz Grübet Der Hauptnenner, auf den eine Vereinigung verschieden orientierter Bünde und Vereine gebracht werden kann, ist für uns leicht gegeben: Judentum und Jugend. Eine derartige Dachorganisation hat unbedingte Objektivität gegenüber den divergierenden Ideologien, die in ihr vertreten sind, zu wahren. Der Jüdische Jugendring Leipzig stellt einen solchen Oberverband der jüdischen Jugendvereinigungen fast sämtlicher Parteien dar. Es bietet sich nun für ihn die Frage, in welcher Richtung sich seine Arbeit bewegen kann und soll. Entwicklung. Als im Februar 1928 Philipp Hojda vom Hechaluz Leipzig die Führer der Leipziger jüdischen Jugendbünde zu einer Besprechung einlud, erforderte eine rein praktische Angelegenheit die Zusammenarbeit aller Vereinigungen. Die Ausstellung „Das junge Deutschland", die in Berlin zum ersten Mal das ganze Jugendleben im Reich vom sozialen und beruflichen Standpunkte aus durch Statistiken, durch Vorführungen, durch Bilder aus dem Jugendleben darzustellen versucht hatte, kam nach Leipzig. Unter der Devise: „Mehr Freizeit für unsere berufstätige Jugend" schilderte sie das Leben der heutigen jungen Generation aller Schichten. Sie zeigte das phänomenale Werk der Jugendherbergen, ließ die Mitgliederzahlen und die Leistungen der deutschen Sportler aufmarschieren und widmete den größten Teil ihrer Darstellungen der deutschen Jugendbewegung. Was an freien, politischen, konfessionellen und anderen Strömungen in der deutscheu hündischen Jugend bestand, und was sich darüber an Ausstellungswänden und auf Ausstellungstischen darstellen ließ, war aufgebracht worden. Auch die jüdische Jugend hatte in Berlin ein Eckchen bekommen, um von ihrer Arbeit und ihrem Wesen Zeugnis abzulegen. Kopfschüttelnd sahen wir, Leipziger, den kleinen Platz, den die Berliner jüdische Jugend zur Dokumentierung ihres Wesens und ihrer Arbeit gebraucht hatte. Man kann sagen, daß aus diesem Protest heraus in uns der jüdische Jugendring schon gegründet war. Wir empfanden, daß eine so geringe und unansehnliche Darstellung der in der jüdischen Jugendbewegung steckenden Energien und stetigen Arbeitsleistung nur einer garnicht existierenden Konzentration der jüdischen Jugend zu 97