Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 93)
- Language
- German
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gen, bis man sich schließlich. dahin entschloß, daß die Agud. Jisr. nach wie vor ihre Teilnahme von der Festlegung bestimmter Garantien hinsichtlich der religiösen Postulate beim Aufbau Palästinas abhängig inachte. Solange die Voraussetzungen nicht zutrafen, war man gezwungen abseits zu bleiben. Ueber die Kalenderreform berichteten die gelegentlich der Völkerbundstagungen von der Agud. .Iis. entsandten Vertreter Oberrabbiner Fürst-Wien und Rabbiner Dr. Löwenstein- Zürich. Sie hatten in Qenf auf die großen Gefahren hingewiesen, die den religiösen Juden durch die geplante Verschiebung des Sabbaths auf einen anderen Tag der Woche in jedem Jahre drohten, wie hierdurch für uns der rein religiöse Charakter dem siebenten Wochentage genommen würde. Von der Fülle der sonst noch diskutierten Fragen seien erwähnt die der inneren agudistischen Politik — Mitgliedschaft — sowie die Aufstellung eines umfassenden Finanzprogramms, dessen beschleunigte Durchführung leider bisher noch nicht völlig gelungen ist. Die Fortentwicklung der Agudas Jisroel wird letzten Endes von den wirtschaftlichen Zusammenhängen weitgehendst beeinflußt bleiben. Nach dieser historischen Betrachtung sei kurz auf den Ideengehalt der Agudas Jisroel hingewiesen. Er ergibt sich aus dem oben gebrachten Programm und gipfelt in der Tendenz, alle praktischen Arbeiten unter dem Gesichtspunkt der bindenden Verpflichtung des göttlichen Gesetzes in seiner Absolutheit durchzuführen. So wie für den einzelnen jüdischen Menschen auf der Suche nach dem Ausgleich zwischen seinen eigenen und den Kulturelementen der Umwelt die Forderungen der Thora der einzige bestimmende Faktor sein soll, so will die Agudas Jisroel als Organisation die bedingungslose Anerkennung der Gottesherrschaft in den Mittelpunkt ihres Schaffens in den Exilsländern sowie in Palästina gerückt wissen. Und darum der Areopag der Gesetzeslehrer als höchstes Organ an der Spitze. Und das erklärt weiter, warum die Agudas Jisroel bewußt die Anlehnung an andere Organisationen vermeidet und ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben kann, solange nämlich, als dieses Grundprinzip des Judentums dort negiert wird. 93