Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 75)
- Language
- German
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in. Der CV. im Freistaate Sachsen Von Dr. Felix Goldmann, Vorsitjendem des Landesverbandes im Freistaat Sachsen Gemessen an dem antisemitischen Rufe, den das sächsische Ländchen vor dem Kriege genoß, hätte das Wirken des Centrai- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens weitaus stärker sein müssen als im ganzen übrigen Deutschland. Leipzig war das Zentrum des literarischen Judenhasses, denn hier lebte Theodor Fritsch und gab seinen „Hammer" heraus, der ein Sammelbecken für alle Spielarten des Antisemitismus wurde; in Sachsen gab es nie einen jüdischen Lehrer an öffentlichen Anstalten, es gab keinen jüdischen Beamten, keinen jüdischen Abgeordneten, keinen jüdischen Richter, und höchstens bei den Reichsbehörden, die hier ihren Sitz hatten, bei der Post und bei dem Reichsgericht, tauchte einmal ein weißer jüdischer Rabe auf. Freilich kannte man im alten Königreich Sachsen einen Radau- Antisemitismus Stöckerscher oder Ahlwardtscher Färbung, der auf die Straße ging, kaum. Es ist nicht mit Unrecht behauptet worden, daß die Abneigung gegen die Juden alle Parteien, auch die Liberalen und Sozialdemokraten erfüllt habe, so daß der Vorwurf der Begünstigung der Juden, anderwärts ein beliebtes Agitationsmittel, keine Rolle spielen konnte. Dann war die Anzahl der Juden überhaupt klein. Im Jahre 1893, dem Gründungsjahre des CV., gab es in ganz Sachsen etwa 8000 Juden, von denen etwa 40 Prozent deutscher Staatsangehörigkeit waren. So waren es nur sehr wenige, die für die Mitgliedschaft im CV. in Betracht kamen. Es bildeten sich zwar kleine Ortsgruppen in Dresden, Chemnitz und Leipzig, aber ihre Mitgliederzahl war gering — noch im Jahre 1917 betrug sie etwa 400 —, und ihr Einfluß nicht zu spüren. Nur insofern kann dem alten Königreich Sachsen ein gewisses Verdienst um den CV. nicht abgesprochen werden, als es ihm den ersten Generalsekretär, den aus Dresden stammenden Redakteur A 1 p h o n s e Levy, stellte, der auch eine Geschichte der Juden in Sachsen geschrieben hat. Als der Verfasser dieser Zeilen, der dem Hauptvorstand des Centrai-Vereins bereits seit dem Jahre 1910 angehörte, im Herbst des Jahres 1917 von Oberschlesien her als Rabbiner nach Leipzig 75