Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 63)
- Language
- German
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können. Bei uns Juden gähnt aber leider auf! vielen Gebieten eine Kluft zwischen Theorie und Praxis, so auch in der Frage der Kindererziehung. Darum denkt jeder aufrichtige Freund der jüdischen Schulidee in Leipzig mit banger Sorge an die Zukunft der Anstalt, die in dem schönen Gebäude in der Gustav-Adolfstraße untergebracht ist. Optimisten freilich sind der Ueberzeugung, daß die berufene Organisation, deren Aufgabe es ist, alle in religiösem Interesse lebenswichtigen Institutionen zu erhalten, die israelitische Religionsgemeinde nämlich, früher oder später sich mit Einsetzung ihrer ganzen Kraft dieser einzigen jüdischen Erziehungsanstalt am Orte annehmen wird;---mögen sie Recht behalten. Das Leipziger Gemeindeblatt Von Gemeinderabbiner Gustav Cohn Die Tatsache, daß die Ansammlung von Juden in den großen Städten den alten, innigen persönlichen Zusammenhang der einzelnen Gemeindemitglieder untereinander und auch die Beziehungen zur Gemeinde als Körperschaft lockern mußten, hat dazu führen müssen, neue Mittel und Wege zu ersinnen, um das Gemeindeleben innerlich zu kräftigen. In ienen Zeiten, da die Gemeinden sich aus einer kleineren Zahl von Mitgliedern zusammensetzten, spielten sich die Vorgänge des Gemeindelebens gleichsam unter den Augen Aller ab. Man traf sich nicht allein im Gotteshaus zu gemeinsamer Andacht, sondern auch auf den Straßen, in den Zentren der Städte, auf dem Marktplatz. Man begegnete sich fast täglich und stündlich und hatte Gelegenheit, die gemeinsamen Sorgen und Leiden der Gemeinde miteinander zu besprechen. Je größer der Kreis der Gemeindemitglieder wurde, je mehr sich die einzelnen Wohnkreise der Juden in den Städten auseinanderzogen, je stärker auch der tägliche Kampf den Juden und seinen Interessenkreis in die nichtjüdische Umwelt hineinzwang, desto loser auch wurde bei ihm das Gefühl der Verbundenheit mit den Gemeindegenossen, desto geringer wurde seine Anteilnahme an den Vorgängen im Gemeindeleben. Es war natürlich, daß dieser Wandel zuerst und am lebhaftesten in der Berliner jüdischen Gemeinde empfunden wurde, dieser Gemeinde, in der schon, vor 25 Jahren sich ein ganz erheblicher Teil 63