Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German
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ein Handwerker — zu den angesehensten Chassidim zählte, noch dazu als Schwiegersohn des bekannten Reb Rüben Abe, dem in Polen bekannten Thoraschreiber und langjährigen Bal-T'kejo am Höfe des Radomsker Rabbi. Ich heiße eigentlich Abraham Isoschor Hakohen, nach dem Rabbi Abraham Isoschor, dem Verfasser des „Chesed VAbraham", einem Sohn des Tifereth Schlomo, dem Begründer der Radomsker Dynastie. Noch heute sind die Eindrücke, die ich damals als Junge gewonnen habe, so stark, daß sie, trotz der Distanz von Jahren und Anschauungen, nicht verwischt sind. Nur wer wie ich die Inbrunst des Betens, die Tiefe des Glaubens, diese ganze Atmosphäre voller Mystik erlebt und in sich aufgenommen hat, weiß, wie nachhaltig diese Erlebnisse sein können. Für mich waren diese Feiertage mehr als eine angenehme Abwechslung von dem arbeitsschweren Alltag. Als ein M'ßigel (Talent) galt ich damals und malte den Leuten, wo es nur anging, Ornamente, Vögel und Landschaften an Decken und Wände. Obwohl von vielen auf mein Talent aufmerksam gemacht, wollte mein Vater nichts davon wissen. „Er soll nur ein tüchtiger Bai Meluche (Handwerker) werden, das ist wichtiger als etwa studieren und ,Oott behüte' vom jüdischen Olauben abkommen." Allzuviel Bildung war ihm damals gleichbedeutend mit abtrünnig werden. In dieser Zeit hatte Prof. Perez Willenberg in der jüdischen Handwerkerschule Abendkurse im Zeichnen eingerichtet. Neben vielen anderen Handwerkern fanden sich auch einige Maler ein. Auch ich besuchte die Kurse. Bald nahm mich P. W. zu sich als Schüler und dort reifte, besonders auf Drängen des Lehrers, in mir der Entschluß, die Heimat zu verlassen, um mich weiter auszubilden. Als ich zu Hause meinen Entschluß äußerte, begann der Kampf gegen das Zeichnen. Wohl hätte man es gern gesehen, wenn ich mich im Handwerk weitergebildet hätte; aber man wußte doch, daß es nicht dabei bleiben würde. So wurde mir nachts das Licht ausgelöscht, und am Tage war nicht viel Zeit zum Zeichnen. Die Sache endete damit, daß ich heimlich im April 1914 nach Deutschland fuhr. Hier war Dresden meine erste Etappe. Ich besuchte die dortige Akademie bis zum Ausbruch des Krieges. Dresden mußte ich bald verlassen. Durch viele Städte Deutschlands kam ich, bis ich schließlich in Leipzig seit dem Jahre 1920 Fuß zu fassen suchte. Auch hier besuchte ich die Akademie, aber auch nur kurze Zeit; die Extragebühren waren nicht aufzubringen. 48