Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
- Volume
- 1931-1932
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3140913-3140914--046-3140968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ebenso wie der Inhalt hat sich aber auch der Begriff der Kunst gewandelt. Die Architektur war einstens die Mutter aller Künste, Plastik und Malerei ordneten sich ihr ein. Heute ist die Zeitung und damit die Oeffentlichkeit voll von Musik, Schauspielkunst, Plastik und Malerei, man schildert die Handbewegung des Dirigenten, seine Einstellung zum Objekt, man ergründet die Gründe des Regisseurs, man sucht schlimmste Auswüchse gedachter, aber nicht gesehener Bilder und Plastiken zu rechtfertigen, um sie nach einer Zeit wieder zu verwerfen (und vergißt dabei, daß wahre Kunst Ewigkeitswert besitzt), jedes Zusammenhängigkeitsgefühl mit der Baukunst aber ist der Oeffentlichkeit gänzlich verloren gegarigen. Wird über einen neuerstandenen Bau berichtet, so tut man es im Rahmen etwa einer Geschäftseröffnungsbeschreibung, abseits stehend, die innfere Verbundenheit fehlt völlig. Bei den bildlichen Wiedergaben wirklicher Baukunstwerke wird meistens der Name seines Urhebers, niemals aber der des Photographen fehlen. Jedes Bild, jede Plastik, auch die schlechtesten, werden signiert, beim Bau wird es meist als Reklame angesehen. Es muß zugegeben werden, daß beim Architekten, dem heutigen Ausdruckgeber der Baukunst, wirtschaftliche Ueberlegungen mitsprechen. Der ist aber kein Architekt, der solche Erwägungen allein herrschen läßt. Das Künstlerische, wenn es auch nicht betont wird, muß sich — selbst bei einem Zweckbau — von selbst verstehen. Viel mehr natürlich noch bei dem Bau, dessen Aufgabe es ist, zum Menschen zu sprechen. . Und dann darf die Kunst nicht durch die Vernunft, sondern muß über das Gefühl hinweg wirken. Das ist möglich, ob es sich nun um einen Ladenumbau, um ein Grabmal, ob um eine Wiege oder ein Landheim, um ein Warenhaus oder einen Friedhof handelt. Die extremen, kastenartigen Gebilde, die man vielerorts entstehen sieht, brauchen noch nicht — nur weil sie anders sind als die bisherigen Bauten — schön zu sein. Auch die Seele verlangt ihr Recht, das Gefühl. Man kann ebenso gut auf der anderen Seite das Ueberladene, das absolut dem Zeitgeist widerspricht, vermeiden. Soweit das Sachliche. Und das Persönliche? Du lieber Gott, ich soll es eben bringen. 1884 in Gleiwitz geboren, 8 Geschwister, in der Oberlausitz seit 1895 beheimatet, habe ich versucht, meinen Beruf (mit Hilfe von Stipendien durch den Mendelssohnverein in Dresden) von der Pike auf zu erlernen. 1898 Gewerbeschule zu Dresden, 3 Maurerlehrlingssommer am Bau. 1902 als Andenken daran Knieverlust, Bauschule in Zittau, Stellungen in Architektur- 45