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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 44

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 44 (sequence 44)
Language
German
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gegen Stamm, dann wieder befestigte Stadt gegen Stadt, Land gegen Land und Staat gegen Staat. Zuletzt — wenn es auch viele wieder vergessen zu haben scheinen — sahen wir Staatenbund gegen Staatenbund. Im Verfolg dieser stets größer greifenden Entwicklung sehen wir auch Erdteile als Gesamtheit entstehen, wie Nordamerika und Australien. Sie sind in einem späteren Stadium der Geschichte aufgetreten und haben nicht nur die ersten Stufen übersprungen. Der Kunstausdruck hat sich mehr oder weniger an die oben erwähnten, zeitlich gezogenen Grenzen gehalten. Je weniger die fühlbar werden, und das ist der Fall im Zeitalter der Technik und des Verkehrs, desto mehr werden sich auch die Kunstformen ausgleichen. Der Rundfunk nivelliert die Musik. Im Reich der Mode ist der Ausgleich längst geschaffen. Sonderliche Heimattrachten sind ins Museum gewandert. Nicht nur die.Oberlausitzer und die Schwarzwälder, auch die Schotten und Napolitaner hängen sie in den Schrank, Diese Gleichartigkeit im Aeußeren beschränkt sich nicht auf Europa. Die Indianer gehen nur noch in Romanen und auf Schaustellungen im Federschmuck, die Türken schaffen den Fez ab, die Chinesen den Zopf. Beide führen die lateinischen Schriftzeichen ein. Man mag diese Entwicklung bedauern, wenn man z. B. an die wunderbaren asiatischen Bauten denkt, man kann sie nicht aufhalten. In alter Zeit gab es eine ägyptische, eine griechische, eine römische Kunst, schon die mittelalterlichen Kunstformen griffen über die Grenzen, die nationalen Bezeichnungen wurden zu Attributen zeitlicher Ausdrucksweisen. Wir sehen eine italienische und deutsche Renaissance, eine deutsche und französische Gotik. Das Nationale und Traditionelle wird zu einer Komponente, zu einem! Faktor, immer kleiner im Verhältnis zur Resultante, zum Produkt. Wo man es aber ganz ausmerzt, wie in einzelnen Bauten Hollands, Deutschlands und Rußlands, eilt man der Entwicklung zu Unrecht voraus. Es ist ebenso falsch, Traditionen, Umgebung und Individualität zugunsten der Zeit ganz in den Hintergrund zu drücken, wie es falsch war, daß eine Zeitlang alle anderen Faktoren gegen die überlieferten Ausdrucksformen zurücktraten. Kulturelle Besonderheiten müssen stets bleiben, wir haben ja schließlich auch in der Leipziger Gemeinde einen jüdischen Einschlag, er wird mangels Tradition aber noch zu wenig gewürdigt. 44

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