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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 29

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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heblich, wenngleich zerschossen, verrußt und verwanzt, blickte der „Pleißenturm", ein todgeweihter Kämpe, auf das wimmelnde Geschlecht der geschäftsfrohen Leipziger, die, alles Kriegselend vergangener Tage vergessend, unverdrossen an der Qröße ihrer Stadt bauten, die ihnen die wahre Hauptstadt Deutschlands war oder doch werden sollte: niemals wurde hier Berlin die Reichshauptstadt genannt, allenfalls etwas hämisch, besonders in den Zeitungen, „die größte deutsche Stadt". Aus den tiefen Häusern und Höfen am „Brühl" dufteten konservierte Rauchwaren auf die Straße hinaus, indes draußen hie und da unter der internationalen Gesellschaft einzelne Gestalten mit Turban und — Talis auftauchten. Der gewaltige Augustusplatz mit der Harmonie seiner Maße und seinen modernen Prachtgebäuden — Universität, Museum, Hauptpost, Theater — gab schon einen Vorgeschmack von dem modernen Leipzig, das werden wollte. Der stolze Bau des Reichsgerichts betonte Leipzigs zentrale Stellung neben der Berlins sichtbar, und das — neue — Gewandhaus erinnerte an die damals noch immer geglaubte Vormachtstellung Leipzigs auf dem Gebiete der Musik, die trotz aller Bemühungen bereits auf Berlin überzugehen begann, wie die alte Leipziger Universität — trotz Wilhelm Wundt, Karl Lamprecht und Wilhelm Ostwald — von der viel jüngeren Berliner bereits überflügelt war. Als Hauptschlagadern des städtischen Lebens vereinten die Grimmaische Straße und ihre Seitenstraßen aufs köstlichste Geschäft und Geschichte der blühenden Stadt, indes die zahlreichen unzureichenden Kopfbahnhöfe manches weniger Schöne von der leidigen deutschen Kleinstaaterei erzählen konnten. Eine wohlhabende, aber nicht große Judengemeinde, bei rund 430 000 Einwohnern rund 4400 Juden zählend, wohnte in Leipzig, als ich dorthin kam. Ihre verwaltungstechnischen Einrichtungen waren noch ziemlich primitiv. In dem großen Geschäfts- und Bürohaus Ecke Markt und Thomasgasse, im III. Stock, waren drei Büroräume von der Gemeinde gepachtet. Hier arbeitete, rechtschaffen bis ins Mark, mit unermüdlichem Fleiß der Rendant Cäsar Graf, vielleicht der einzige Jude jener Zeit, der auf einem Bürgermeisteramt für den mittleren Verwaltungsdienst vorgebildet war, um die noch etwas altväterlichen Formen der Geineindebürokratie den erprobteren 29

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