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Zion · 1938-09-01 · 6 (9.1938) · p. Seite 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
10 (1938)
Issue
6 (9.1938)
Date
1938-09-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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N Nr. 6 Berlin, September 1938 Tiscfari 5699 10. Jahrgang. f$ze fflS&iegfe&if esm dti& ^tesch Ma&ches.sz€zh 5699 Rabb. Dr. Eli L. Berkovits, Berlin. Die Tage des sich vollendenden Elul bereits waren in früheren Jahren umstrahlt von der Schönheit des Tischri. Die Spannung der Seelen steigerte sich von Tag zu Tag. Langsam und allmählich vollzog sich die immer tiefergreifende Konzentration auf das große Ziel — D'KTU CW, Immer mehr und mehr ballte sich die Kraft des jüdischen Herzens zusammen, um am Tag des Gerichts und der Versöhnung das Wunder der Wandlung und Erneuerung in der naitpn zu vollbringen. In erhabener Anspannung der Kräfte der Seele und des Geistes fegten diese Tage einst die Trägheit aus unserem Innern. Die Umklammerung des Alltags löste sich unmerklich: Fessel um Fessel zerbrach. Und der jüdische Mensch wurde bereit. Er wurde frei. In Freiheit stand er dann an den WÜTtl D,a'* Gott gegenüber, gelöst von allen lähmenden Bindungen an Menschen und Dinge. Die Tage der Ehrfurcht waren Feste höchster menschlicher Freiheit. In diesem Jahr, in dem die Krisenhaftigkeit jüdischer Existenz eine furchtbare Steigerung erfahren hat, ist all dies gefährdet. Heute ist zu befürchten, daß die jüdische Gemeinschaft, ihren tausendfachen Sorgen hingegeben, von den Tagen der Ehrfurcht sich überraschen läßt, sie erleben könnnte ohne die Bereitschaft der Herzen. Denn viele von uns haben eine furchtbare Sklaverei auf sich genommen — sie sind Sklaven geworden ihrer eigenen Not, Sklaven ihrer Sorgen, Hörige des Leids. Rosch Haschana und Jom Kippur sind aber Feste von Freien. Seit Jahrtausende gibt es Galut und in ihr Leid. Aber neben dem Leid gab es — z. B. — ein Bet-Hamidraschä wo in unglaublicher Frische der geistige Elan des Volkes sich konzentrieren konnte. Es gab Feste des Kalenders, Feste des Hauses, die bestimmt waren vom Frohsinn und der Freude glücklicher Menschen. Die jüdische Straße war da und der jüdische Markt mit pulsierendem, energiegeladenem jüdischen Leben. i

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