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Zion · 1938-05-01 · 4 (5.1938) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
10 (1938)
Issue
4 (5.1938)
Date
1938-05-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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die in Negew wohnenden Terachleute. Diesen Feldzug muß er jedoch auf den Befehl Eis abbrechen und sich mit Geschenken begnügen. Gerade dieses Gedicht erinnert an die Patriarchengeschichte. Man muß sich jedoch vor allzu eiligen Schlüssen hüten. Einer Gleichsetzung des Terach vom Ugarittexte mit dem Vater Abrahams steht die Tatsache im Wege, daß der Terach der Bibel eng verbunden ist mit Ur, und daß er auf dem Zuge ins Land Kanaan im mesopotamischen Harran gestorben ist, während der Ras Schamra-Text den Süden Palästinas im Auge hat. Bei der religionsgeschichtlichen Betrachtung der Bibel wird man vor der Befragung ägyptischer und assyrischer Quellen auf die Ugarittexte eingehen müssen. Dabei wird es auch hier weniger auf die Feststellung von Ähnlichkeiten als auf die von Verschiedenheiten und Abweichungen ankommen. Man mag wohl erstaunt sein, wenn man auf einer Ras Schamra-Tafel eine deutliche Parallele zu der aus der Genesis gut bekannten Geschichte der Hagar und ihrer Vertreibung durch Sarah zu lesen bekommt, oder Parallelen zu Stellen aus den Propheten und den Psalmen findet; wichtiger und entscheidender ist es, daß trotz dieser Verwandschaft im Äußeren — in Form und Sprache — auch in den neuen Texten sich nichts zeigen läßt, was der Gedankenwelt der Heiligen Schrift im geringsten Maß ähnlich wäre. Der Gegensatz, in welchem sich Israel in seiner Gottes- und Lebensauffassung zu den Nachbarvölkern befand, und den die Torah und die Propheten dauernd betonen, wird durch die Ugarittexte in ein noch helleres Licht gerückt, weil wir hier auch die andere Seite kennen lernen. Hypothesen über die Entlehnung wichtiger Grundideen der israelitischen Religion von den Religionen der Nachbarvölker, wie sie eine lange Zeit beliebt waren, verlieren immer mehr an Wahrscheinlichkeit, je mehr wir mit der Literatur der in Frage kommenden Völker bekannnt werden. Die Erklärungsversuche des biblischen Monotheismus aus einer längeren „organischen" Entwicklung der religiösen Ideen derjenigen Völker, mit denen das alte Israel in Berührung kam, verdienen jetzt kaum noch ernst genommen zu werden. Die Religion der Ugarittexte ist eine volkommen mythologische, während die Religion der Bibel von Anfang an mit dem Mythos ganz und gar aufgeräumt hat, wenn auch seine Dichter und Schriftsteller ab und zu ihre Gedanken in Reste mythologischer Schalen kleiden. Die hier gebotenen knappen Ausführungen vermitteln bereits einen Begriff von der Bedeutung der Entdeckungen von Ras Schamra, die, wie der um die Erforschung der kananäischen Religion und ihrer Beziehung zur Bibel besonders verdiente Rene Dussaud sagt, „von allen die biblischen Studien angehenden Entdeckungen die wichtigste ist". 10

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