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Zion · 1937-05-01 · 2 (5.1937) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
9 (1937)
Issue
2 (5.1937)
Date
1937-05-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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land herangewachsene Rabbiner beherrschte, so spürte man, daß er sich beim traditionellen „Lernen" zugleich verbunden fühlen wollte mit dem neuen Kulturwillen der Gegenwart. So war ihm Judentum mehr als Lehre und Gebot: es war ihm Lebenshaltung, bejahte Gliedschaft am Körper des Skis" hbs — so gewiß die Seele dieses Körpers das Religiöse war. Solche Gliedschaft sah er in Erez Israel vor sich: daher erfüllten ihn seine Fahrten nach der altneuen Heimat trotz des Schmerzes über so manche religiöse Verfallserscheinungen immer wieder mit neuer Hoffnung; daher war sein Herz bei dem Aufbauwerk und seinen Trägern. Läßt sich solches jüdisches Leben auch in der Gola pflegen? Nur dann, meinte Simonsohn, wenn wir mit der Jugend anfangen und sie nicht nur durch „Religionsunterricht", vielmehr durch jüdisches Gemeinschaftsleben heranzubilden suchen. Diese Uberzeugung aber mußte dazu führen, daß Simonsohn zu der herkömmlichen Art der Jugendbildung eine äußerst kritische Stellung einnahm, ja, pädagogische Fragen unter völlig anderen Gesichtspunkten betrachtete, als die führenden Persönlichkeiten seiner Gemeindeverwaltung, ohne Unterschied der Richtung. Als z. B. die Stadt Breslau jüdische Volksschullehrer anstellte und ihnen natürlich auch den Religionsunterricht der jüdischen Volksschüler zuwies, begrüßten liberale und konservative Vorsteher diesen Fortschritt in der Gleichstellung der Juden: Simonsohn bedauerte aufs tiefste, daß die jüdischen Kinder den von der Gemeinde verwalteten Religionsschulen entzogen und Lehrern überwiesen wurden, deren Auswahl von nichtjüdischer Seite erfolgte, gewiß nicht vorwiegend auf Grund ihrer Einstellung zum Judentum. Und auch die unmittelbar darauf erfolgte Neuordnung des Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten durch die Gemeinde erschien Simonsohn nicht als das geeignete Mittel, der zunehmenden Abbröckelung entgegenzuwirken. 1919 trat er mit seinem eigenen Plan hervor: dem Plan der jüdischen Schule. Seitdem hat er jede freie Stunde der Überwindung der materiellen, organisatorischen, pädagogischen Schwierigkeiten gewidmet, die sich der Erhaltung der Schule entgegenstellten. Wenn auch tapfere Mitkämpfer verzagten, etwa die Umwandlung der höheren Schule in eine Mittelschule befürworteten, Simonsohns Begeisterung riß sie immer wieder hoch. Und wie sich in der Kraft dieses Festhaltens die Zähigkeit urjüdischen Lebenswillens auswirkte, so trat auch in der Durchführung des Planes das Bild des Judentums, das ihm vorschwebte, immer deutlicher vor Augen. Nicht als ob er alle seine Mitarbeiter auf seine besondere Denkweise festgelegt hätte. Im Gegenteil: er hatte nichts dagegen, daß die Leiter der Anstalten (sie hatten deren in der kurzen Zeit ihres Bestehens nich ganz wenige) dem von ihm gewiß nicht geliebten Separatismus nahestanden — und daß andererseits der erste Religioraslehrer der höheren Lehranstalt einer gemäßigten Bibelkritik huldigte. Die Hauptsache war ihm, daß der Sinn des Schulwerkes sich erfolgreich durchsetzte, den er 1919 vor der weiten jüdischen Öffentlichkeit entwickelte: jüdischen Kindern das seelische Heim zu bieten, aus dem sie ins Leben treten sollten als jüdisch geformte Menschen, mit Hingäbe an Klal Jisrael, an Gesetz, Lehre und Schrifttum ihres Volkes. Und gerade daraus, daß er die Schule bewußt jüdisch, aber nicht engherzig führte, ist es erklärlich, daß eine erfreulich große Zahl der ehemaligen Schüler sich im Leben als echte Juden bewährt hat. War Simonsohn Misrachist? Der Organisation des Misrachi hat er nicht angehört. Aber wenn es die Aufgabe des Misrachi ist, das altjüdische Ideal des im Bunde mit Gott geeinten Israel hochzuhalten und es vor einseitiger Politisierung und Konfessionalisierung zu schützen, dann hat es nicht viele Menschen gegeben, die dies Ideal so lebendig erfühlt und mit derartiger Hingabe in ihrem Kreise auf seine Verwirklichung hingearbeitet haben, wie Max Simonsohn. 15

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