Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1-2 (6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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den Amalek; nach dem Midrasch bedeutet ihr Name „die Zurückgewiesene"; weil ihr der Anschluß ans Judentum versagt wurde, ging sie mit Esaus Sippe eine unrühmliche Verbindung ein und vererbte den Haß, den die verschmähte Liebe erzeugte, auf ihren Sohn. Die Geschichtsbetrachtung des Midrasch scheint stärker nationalistisch gefärbt zu sein, als die der Bibel, die die Fehler ihrer Helden rückhaltlos anerkennt. In der Tat fühlten die Rabbinen das Bedürfnis, Männer wie David in Schutz zu nehmen gegen hämische Angriffe, die zumal von gnostischer Seite gegen sie erhoben wurden. Aber vor chauvinistischer Betrachtung schützte die Apologeten der Satz der Bibel, den der Midrasch noch weit folgerichtiger im einzelnen durchführte: daß jedes Leiden auf eine Schuld weist, aus der es erwachsen ist. Nicht ohne Schuld ist daher Vater Isaak erblindet; er hatte seinem Sohne die Heirat mit heidnischen Frauen nicht gewehrt; der Rauch der Götzenopfer trübte sein Augenlicht. Und jene „große, bittere Klage" der Juden in Persien entspricht nicht zufällig der „großen, bitteren Klage", die Esau anstimmte, als er sich um den Segen gebracht sah. Auch die humanitären Motive der Bibel gelangen in der Aggada zu voller Entwicklung. Wohl übersteigert sie die Zahl der Plagen, welche am Schilfmeer die „Hand Gottes" über Aegypten verhängte. Aber bekannt ist der Midrasch, nach welchem die Engel Gott kein Loblied singen durften, nachdem er das „Werk seine Hände" ins Meer versenkt hatte. Und bedenkt man, wie hoch das gesamte Altertum den Wert des Begräbnisses schätzte, so begreift man den Sinn der midraschischen Deutung des Verses: „du strecktest deine Hand aus — die Erde verschlang sie" d. h. nachdem die Aegypter gerichtet waren, gebot Gott der Erde, ihnen ein ehrliches Grab zu bereiten. Der Nationalismus der Aggada als Liebe zu eigenem Volk und Volkstum ist gewiß nicht schwächer als derjenige anderer Völker. Aber er ist weit stärker mit universalen Motiven durchsetzt. Nicht aus dem Sein, also der Substanz, sondern aus dem Sollen schöpft unser Volksbewußtsein sein Recht, seine Kraft und folgerichtig auch seine Schranke. Aus der Bewegung. In zahlreichen Orten wurde der Bildstreifen „Wir vom Bachad" aufgeführt und fand großes Interesse bei den überall zahlreich erschienenen Publikum. In Breslau, Wiesbaden, Braunschweig, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Gladbeck hielt anläßlich der Vorführung dieses 22