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Zion · 1934-10-01 · 9-12 (10.1934) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
9-12 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 103 (sequence 33)
Language
German
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Nr. 9/12 z i 0 N ■Seite 103 Anlaß für den Austritt mancher wertvoller Chavverim! Leider müssen wir sagen, daß auf diese Weise schon vieles mühsam Aufgebaute wieder zerstört worden ist. Wir wollen gewiß dabei nicht einzelne Chawerot anklagen; denn wir wissen ja, daß die Frau,im allgemeinen viel stärker von Gefühlsmomenten in ihrem ganzen Handeln und Tun abhängig ist als der Mann. Wir wissen auch, daß es eine revolutionäre Aufgabe bedeutet, das Familienleben al pi hatora — wie sie es bisher nur durch die bürgerliche orthodoxe Familie der Gola kannte — in einen Kibbuz mit allen Gegebenheiten des palästinensischen Arbeiterlebens hineinzubauen, der sich ganz allein und erstmalig seinen Weg von Tora Waawoda suchen muß. Da aber einmal die Tatsache besteht, daß viele geleistete Arbeit an unserer Sache durch das Versagen der Chawerot wieder zerstört worden ist, so müssen wir die Ursachen hierfür näher untersuchen und darüber hinaus einen Weg finden, es in Zukunft besser zu machen. Mir scheint, daß das Grundübel darin zu suchen ist, daß die Chawerot im allgemeinen nicht stark genug von der ungeheuren Verantwortung erfüllt sind, die wir als die kleine Zahl der Träger des Gedankens von Tora Waawoda haben, der doch einmal auf Grund unserer Lebensarbeit den gesamten Aufbau Erez Jisraels und das ganze jüdische Volk erfüllen soll. Hätten sie die klare Ueberzeugung, daß wir uns in „letzter Stunde" befinden und daß es einzig und allein unseres lebendigen Beispiels bedarf, über uns selbst hinaus auch weitere Kreise des neuen Palästina einmal davon zu uberzeugen, daß das jüdische Volk nur auf diese Weise seiner Aufgabe nahekommt, so könnten sie ihren Platz im religiösen Kibbuz nicht so unbeschwert verlassen. Warum haben sie als obersten Gedanken unserer ganzen Existenzberechtigung aber diese fast erdrückende Verantwortung nicht? Eigentlich haben doch gerade immer die Frauen und Mütter in Jisrael die Treue zur Tora, zu Gott, vorbildlich und mit aller Zähigkeit gehalten. Der erste Weg dazu ist ganz gewiß einmal und immer wieder das Lernen. Wir wissen ja, daß in der Hachschara das Lernen bei den Chawerot leider viel zu wenig zu seinem Recht kommt. Und wir müssen darum mit aller Energie auch wieder durchzusetzen versuchen, ein Mädchenseminar einzurichten. In einer solchen Schule müßten die Chawerot vor allem in alles jüdische Geistesgut eingeführt und möglichst weit mit T'nach, Dinim, der hebräischen Sprache selbst, vertraut werden. Weiter ist es notwendig, jüdische Geschichte und die Grundlagen des Zionismus neben vielem allgemein Wissenwerten sich zu erarbeiten, damit die Chawerot von einer wirklich gut fundierten Einstellung aus die Aufgabe sehen lernen. Vieles wäre noch zu sagen über die Schaffung lebendiger Lebensformen in der Gemeinschaft des Kibbuz, die weitgehend in den Händen der Chawera liegt. So hört man gerade von Chawerot häufig den Einwand, daß im Kibbuz die einzelne Persönlichkeit nicht so ihre Befriedigung finden könne, namentlich hinsichtlich der ästhetischen Formen des täglichen Lebens; aber mir scheint, daß wir in dieser und mancher anderen Hinsicht das Gefühl der Starrheit gegenüber den bereits bestehenden und scheinbar allgemein gültigen Formen des Kibbuz überwinden müssen. An alle diese Fragen wollen wir herangehen mit dem Bewußtsein, daß der Kibbuz von heute nichts Fertiges, Starres ist, sondern wir wollen immer wieder prüfen, ob das bereits Bestehende tastächlich unserer ganzen Geisteshaltung entspricht und unser Ziel fördert; und von hier aus wollen wir uns bemühen, den Kibbuz zu dem zu machen, was er für uns sein soll. Wir müssen vor allem lernen, das große positive Wollen in unserer ganzen Sache und in jedem einzelnen unserer Menschen zu sehen und über alles Persönliche zu stellen, das sich uns Mädchen leicht zu schnell als unüberwindbar in den Vordergrund alles Denkens darstellt, um von hier aus unser Handeln zu bestimmen. Schlußwort. In seinem Schlußwort zog Rudi das Fazit der Pegischa und zeigte deutlich den Unterschied zwsichen dieser Tagung und früheren: Wir sind aus dem Stadium, in dem es galt, die gemeinsam ideologischen Grundlagen zu finden, in das Stadium der Verwirklichung gekommen. Deshalb traten dei Fragen der Hachschara, der Lage des Bundes und unsere soziale Einordnung in Palästina in den Vordergrund. Deshalb war das Bild der Tagung bewegt von den Problemen und Sorgen unseres täglichen Lebens von der Frage der persönlichen Einstellung und von der Frage der generellen jüdischen Lösung. Deshalb fehlte hier die feiertägliche Stimmung und Gehobenheit der früheren Tagungen und trat der Ernst unserer heutigen Situation hervor. Wir müssen uns hüten, unsere Fragen aus dem Gesamtkomplex der Zeitfragen herauszulösen, denn sie. beweisen erst ihre Existenz durch ihre Beziehung zur Verwirklichung und die Möglichkeit ihrer Aktualisierung.: Wir, dürfen uns nicht von

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