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Zion · 1934-10-01 · 9-12 (10.1934) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
9-12 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 99 (sequence 29)
Language
German
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Nr. 9/12 Z I 0 N Seite 99 same Aufgabe Tora Waawoda immer mehr zu erfassen und sich dazu der intensiven Durchführung der Tarbutarbeit ebenso wie der gewissenhaftesten Erledigung der täglichen körperlichen Hachschara zu bedienen. Aber ein wesentlicher Faktor im Leben einer Chewra wurde bisher nicht erwähnt, obwohl er von großer Bedeutung ist. Und das ist die Notwendigkeit, jeden einzelnen Chawer in der betreffenden Gemeinschaft als Persönlichkeit mit den ihr eigenen Wesenszügen zu beachten. Wenn man sich vorstellt, daß sich eigentlich an jedem Menschen der Schöpfungsprozeß neu vollzieht und jeder Mensch mit seinen Anlagen, Vererbungen und den Einflüssen der Umgebung, denen er in seiner Entwicklung ausgesetzt war, eine Welt für sich darstellt, von der aus er sich sein eigenes harmonien und Bitterkeiten im Leben einer Weltbild formt, so kann man wohl manche Disharmonien und Bitterkeiten im Leben einer Chewra von vornherein ausschalten. Von dieser Einstellung her ist es möglich, einen Chawer in dem Augenblick, wo er durch sein Verhalten stört, offen, zu sagen, daß er besser anders so und so tun wi\rde, anstatt sich über den Fehler des Betreffenden verärgert zurückzuziehen. Mit dieser Einstellung ist es auch möglich, vor allem sich selbst kritisch zu beobachten und zu erziehen. Erziehen müssen wir uns im Zusammenleben mit Chawerim vor allem auch dahin, daß wir es lernen, den Andern so zu kennen, daß wir ihm auch mal eine Freude machen können. Und das ist gewiß nicht so schwer, es sind oft nur kleine Dinge, die man sozusagen von den Augen absehen kann und die doch so sehr viel zum persönlichen Wohlbefinden des Einzelnen in der Chewra beitragen und seinen Glauben an die Gemeinschaft stärken können. Dieses Aneinanderinteressenehmen bezieht sich auch auf die Menschen, die vielleicht besuchsweise oder sonst vorübergehend in der Gemeinschaft leben. Man hört oft, daß Besucher einer Chewra das Empfinden einer geschlossenen Front von diesem Menschenkreis gewinnen, der nicht an sich herankommen läßt. Ich glaube, daß es ganz besonders verkehrt ist, etwa im Kibbuz einen besonderen Dienst dafür einem Chawer zu übertragen, daß er sich um die Gäste zu „kümmern" habe. Jeder einzelne Chawer sollte sich verpflichtet fühlen, an die Menschen, die in unseren Gesichtskreis hineinkommen, heranzugehen und sich mit ihnen zu beschäftigen; denn wir wollen ja, daß -unser Gedanke Anhänger gewinnt und allmählich das ganze jüdische Volk erfaßt. Das soll natürlich nicht heißen, daß Chawerim, die aus unserer Bewegung in Deutschland kamen und neu in den Kibbuz Rodges hineingingen und dort vielleicht nicht diesesx Entgegenkommen fanden, gerechtfertigt wären, wenn sie damit diesen religiösen Kibbuz, der doch noch so mit allen Schwierigkeiten des Anfangs zu kämpfen hat, in Grund und Boden verurteilen und ihn sogleich wieder verlassen. Denn wenn es einem mit der Idee ernst ist, dann hat man sie auch durchzusetzen trotz vieler persönlicher Schwierigkeiten. Wir können uns unser Leben in der Gemeinschaft aber bestimmt wesentlich erleichtern und verschönern, wenn wir alle versuchen, in jedem Augenblick den Chawer in seiner besonderen Eigenart zu achten und zu schätzen wie uns selbst; denn dieser Gedanke liegt uns ja nach unserer besondereen Geisteshaltung nahe und ist der oberste Grundsatz zu einem wirklich religiösen Leben. Marduk Schattner, Berlin-Hechaluz. Ich möchte Euch zuerst die Grüße des Merkas des Hechaluz, Deutscher Landesverband, überbringen. Es ist nicht etwa eine formale Pflicht gegenüber einer Bewegung, mit der wir so eng zusammenarbeiten und mit den Menschen aus Erez Jisrael, die hier die Arbeit leiten, sondern es kommt aus einem Gefühl heraus, daß hier Dinge behandelt, werden, die uns zutiefst interessieren und die unsere Fragen sind. Um zu allen Dingen Stellung nehmen zu können, fehlt es mir leider?.n Zeit, deshalb möchte ich nur einiges herausgreifen. Ich glaube, daß es notwendig ist, — ich bitte meine Worte so aufzufassen, als ob einer aus Eurer Mitte sprechen würde —, daß wir unseren Maßstab erhöhen. Wenn wir versuchen, eine gewisse Beurteilung der Alijot durchzuführen, wie sie sich im Lande bewährt haben, werden wir zu einer schlechten Beurteilung der deutschen Alija kommen. Ich will versuchen, in verschiedenen Punkten dies nachzuweisen. Die Hachschara hier ist ganz wesentlich von dem Leben des Poei drüben verschieden. Das Leben auf dem Lande ist sehr schwer, auch für die Menschen, die eine gute Hachschara durchgemacht haben. Ich muß nochmals sagen, was hier bereits gerügt worden *st, daß unsere Chawerim nicht das richtige Verhältnis zur Arbeit mitbringen und nicht die Fähigkeit zur Arbeit, wie man sie mitbringen muß. Ich spreche als Chawer einer Bewegung, die größere Möglichkeiten hat als der Bachad und ich muß Euch auch aus unseren Erfahrungen bestätigen, daß die Dinge tatsächlich so schwer sind, weil wir nicht die guten Hachscharastellen haben, die wir brauchen. Aber man muß diese Tatsache erkennen.

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