Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 94 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 94 Z I 0 N Nr. 9/12 dem Weg über die Zentralstelle für Jüdische Wirtschaftshilfe für die Finanzierung der chaluzischen Berufsumschichtung verwandt Dadurch wurde zum erstenmal die Möglichkeit geschaffen, aus der philantropischen Hilfe ein produktives Werk für die Zukunft zu errichten. Die Hachscharazuschüsse der Zentralstelle und der Gemeinden bildeten zum großen Teil die Basis des Umschichtungswerkes. Inzwischen hat sich die Situation aber katastrophal verändert. Die großen Hilfsfonds sind aufgebraucht, und es ist leider noch nicht abzusehen, in welchem Ausmaß in Zukunft Gelder für die Hachschara zur Verfügung stehen werden. Seit Ende August konnten keine neuen Zuschüsse bewilligt werden. Wir können uns aber keinesfalls mit einer Verkleinerung unserer Hachschara abfinden. Erez Jisrael braucht Arbeiter und täglich laufen neue Hachscharabewerbungen bei uns ein. Wir müssen mit allen Kräften versuchen, über diese schwere Situation hinwegzukommen. Wir werden jetzt gemeinsam mit der Zentralstelle und dem Hechaluz eine Solidaritätsaktion durchführen, die darauf beruht, von jedem in Hachschara befindlichen Chawer einen Mindestbetrag für die Durchführung neuer Hachschara zu fordern. Ueber die Einzelheiten der Durchführung werden wir euch noch genau informieren. Wir wissen, daß dies für viele nicht leicht sein wird, und mit ungeheuren Opfern verbunden ist, daß sich sogar gewisse Härten nicht vermeiden lassen. Wir wissen aber auch, daß uns kein anderer Weg bleibt als die Anspannung aller Kräfte und der Appell an die solidarische Selbsthilfe aller Chawerim. Fragen unserer Hachschara. , Leo Zitronenbaum Wenn. wir hier Fragen der Hachschara besprechen, müssen wir uns von vornherein darüber klar sein, daß es in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich ist, das ganze Gebiet zu behandeln, sondern daß wir nur den Versuch machen können, einige wichtige Probleme der Hachschara herauszugreifen. Es ist notwendig, daß wir uns mit diesen, unseren eigentlichen Aufgaben, mit unserer Erziehungsarbeit und den Schwierigkeiten unseres Zusammenlebens beschäftigen, nachdem wir im letzten Jahre vielleicht leider zuviel jüdisch-politische Fragen behandelt haben, um uns gegen Revisionismus und Histadrut einerseits und Agudas Jisroel, Noar Agudati andererseits, klar abzugrenzen. Als erstes ist es wichtig festzustellen, daß unsere heutige Hachschara nicht schlechter als die sog. „gute alte" Hachschara vor zwei Jahren ist. Mit dem resignierten Hinweis auf diese kann man die Mängel der jetzigen Hachschara nicht entschuldigen. Wohl sind heute viele Voraussetzungen und Bedingungen andere, häufig schwerer, komplizierter, aber doch im großen und ganzen nicht unbedingt schlechtere. Unsere jetzige Ergebnisse sind, auch wenn sie uns nicht befriedigen, objektiv gesehen mindestens genau so positiv zu bewerten wie die der vergangenen Jahre. Wir müssen den Umfang und die Dauer dieser Hachschara und vor allem die geringen Kräfte, die uns zu ihrer Durchführung zur Verfügung stehen, berücksichtigen. Wenn wir jetzt darangehen, Mängel unserer Hachschara aufzuzeigen, so müssen wir in erster Linie den Teil der bündischen Chawerim hierfür verantwortlich machen, der immer noch glaubt, sich von den „Neulingen", den Stam-Chaluzim, distanzieren zu müssen, weil er angeblich eine bessere Kategorie Chaluzim darstellt, der nicht auf Grund eines äußeren Druckes, sondern aus Ueberzeugung zur Hachschara gekommen7 ist. Gewiß sollen und müssen die bündischen Chawerim die Träger der Hachschara sein. Die Chawerim, die erst während eines halben Jahres in ihrem Snif oberflächlich erfaßt worden sind (in einer solchen Zeitspanne kann man einen Menschen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht umformen), können gar nicht so weit sein, unser Milieu zu gestalten. Sie sind sicher erst so weit gefördert, daß sie sich in das Gemeinschaftsleben der Hachschara mühelos einordnen können. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Stam-Chaluzim sehr viel Aufnahmebereitschaft mitbringen. Wenn sie sich dann doch nicht bei uns einleben, wie man das manchmal beobachten kann, so liegt es meistens daran, daß sie keine feste Gemeinschaft vorfinden, die sie innerlich erfassen könnte. Denn die Chawerim, die das Gemeinschaftsleben gestalten sollten, von dem sie so oft in Unterhaltungen reden, beweisen leider häufig in den kleinen Dingen des täglichen Lebens, daß sie weit von diesem Gemeinschaftsgeist entfernt sind. Deshalb brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir von einem Teil unserer Chawerim, und hierunter nicht wenig bündische, nach ihrer Alija enttäuscht werden, indem wir feststellen müssen, daß sie nicht unseren Weg gehen. In diesem Zusammenhang sei auch kurz unser Verhalten zu den Chawerim des Zeire-Misrachi gestreift, die meist aus wirtschaftlichen Gründen