Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 91 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 0/12 ZION Seite 91 den bisherigen Zustand wieder herbeisehnen, so kann man doch hoffen, daß dies bald nur Vereinzelte sein werden. In London wurde fast zu gleicher Zeit ein Abkommen zwischen Revisionisten und Bin-Gurion geschlossen. Wenn beide Abkommen nicht in den Schubfächern verstauben, so besteht Aussicht, daß wir auf dem Wege einer größeren Allgemeinregelung des Arbeitsrechtes sind. Die Situation desBachad. Schmuel Pressler. Veränderung der Lage. Die Situation des deutschen Judentums hat in den letzten zwei Jahren grundlegende Veränderungen erfahren. An Stelle einer wirtschaftlich gefestigten, sozial nicht sehr differenzierten Schicht deutscher Juden stehen wir heute vor einem in Auflösung begriffenen deutschen Judentum. Es entstand plötzlich für die chaluzischen Bünde die Aufgabe, der verzweifelten Jugend einen Weg in die Zukunft zu weisen .Eine ungeheure organisatorische, aber noch viel schwierigere erzieherische Aufgabe. Erweiterung der erziehrischen Aufgabe. Dem Bachad fiel es zu, die religiöse jüdische Jugend Deutschlands zu erfassen und darüber hinaus den Gedanken des Binjan Haarez al pi hatora in immer weitere Kreise hineinzutragen. Bis zum Jahre 1933 kamen fast ausschließlich Menschen zu uns, die in jahrelanger Erziehungsarbeit der Jugendbünde (Zeire Misrachi, Brit Hanoar, teilweise Esra) auf ihre chaluzische Aufgabe vorbereitet waren. Heute hat sich das in zweifacher Hinsicht geändert. 1. Die Aelteren-Schicht der Bünde, die bisher Träger der Arbeit war, ist bereits in Erez Jisrael. Die Zahl derjenigen ,die die oberen Klassen der höheren Schulen besuchen, ist verschwindend klein. Studenten gibt es überhaupt nicht mehr. Die ganze Aelterenschaft des Bundes befindet sich in Hachschara. Wir leiden heute in sämtlichen Orten und in sämtlichen Bünden an Führermangel in einem Ausmaß, wie man es sich früher nicht vorstellen konnte. Insbesondere haben wir durch die Alija von Erich Rosenblüth und Ismar Jeremias führende Kräfte verloren. Wir können und werden aber die Alija nicht einschränken trotz der Schwierigkeiten, die sich für unsere Arbeit daraus ergeben. Denn Erez Jisrael erfordert eine große Alija, zu deren Einordnung gerade die führenden Chawerim unentbehrlich sind. Hinzu kommt, daß die Bünde sich stark vergrößert haben und die Zeit, die die Menschen in den Bünden verbringen, viel geringer geworden ist, da sie in jüngerem Alter zur Hachschara gehen. 2. Der Stamchaluz, der in unseren Kreisen früher kaum eine Rolle spielte, stellt heute ein wesentliches Kontingent in unseren Hachscharazentren. Wir können feststellen, daß dieses neue Element, obwohl früher kaum ein Kontakt zwischen ihm und der Bewegung bestand, sich durchaus nicht negativ ausgewirkt hat. Die mangelhafte Verbindung mit der Bewegung und das mangelhafte Wissen um zionistische Dinge wird häufig ausgeglichen durch den ernsten Willen reifer Menschen, sich umzustellen und einzugliedern. Wir haben uns längst abgewöhnt, einen Menschen geringer zu achten, weil er erst nach 1933 zu uns kommt. Immer ist Judennot und Judenschicksal der Anstoß für einen neuen Abschnitt zionistischer Entwicklung gewesen. Entscheidend ist die Erkenntnis, daß dieses Judenschicksal, das nun plötzlich an uns herangetreten ist, nicht das Schicksal des Einzelnen, sondern des ganzen Volkes ist und nur durch den Aufbau eines normalen Volkslebens behoben werden kann. Alle Energien müssen darauf gerichtet werden, diesen Weg unter Einsatz der ganzen Persönlichkeit, nicht zunächst für sich, sondern für das Volk zu gehen. Wir können rückblickend1 feststellen, daß es gelungen ist, einen Teil der neu hinzugekommenen Menschen in diesem Sinne zu erfassen. Das konnte natürlich im Wesentlichen nur in den Hachscharakibbuzim geschehen, d. h. der Hachschara ist ein neues Aufgabengebiet erwachsen: Menschen ohne bündische Erziehung zu erfassen. Wenn wir bedenken, daß die Chawerim im Kibbuz Hachschara gewöhnlich nur % Jahr zusammen sind, erkennen wir die Schwierigkeiten dieser Aufgabe. Anpassung der Organisation. Um einigermaßen den großen Anforderungen gerecht zu werden, haben wir uns bemüht, neue Wege zu gehen. 1. Snifim. Diese Einrichtung bestand schon in einigen Städten als Zusammnefassung der dort in Einzelhachschara befindlichen Chawerim. Im vergangenen Jahre haben wir sie systematisch ausgebaut und dafür Sorge getragen, daß alle Chawerim, die in Hachschara zu gehen beabsichtigen, mindestens ein halbes Jahr vor Antritt der Hachschara in den Snifim zusammengefaßt und mit den Fragen der Bewegung bekannt gemacht werden. 2. Führerschulung. Um die Masse der neu hinzukommenden Menschen zu erfassen, um die durch die Alija ständig ausscheidenden Führer zu ersetzen und trotz aller Schwierigkeiten eine fruchtbare Arbeit leisten zu können, trat vor uns