Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 6 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 53 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 ZI 0 N Seite 53 über die Bewegung orientieren. Der Schwerpunkt der Erziehung ist deshalb vom Jugendbund auf die Hachschara-Organisation übergegangen. Noch nie waren unsere Aufgaben, so groß, unsere Arbeit so wichtig wie heute, noch nie unsere Mittel so gering und die Kräfte, die uns zur Verfügung standen so wenig. Die „alten" Führer der Jugendbünde sind bereits in Erez Jisrael oder in Hachschara. Der Führernachwuchs reicht nicht aus, um die große Zahl der Neuen zu ersetzen. Man wird Kräfte aus Erez Jisrael holen müssen, d?- mit die Erziehungsarbeit in dem Unfang aufrecht erhalten wird, wie sie erforderlich ist. Rodges wurde früher von vielen Kreisen als ein nur philantropisches Werk angesehen. Das es eine lebenswichtige Institution ist, haben die vergangenen 10 Jahre gezeigt, in denen 350 Menschen ihre Ausbildung bei uns erhalten haben, auf Grund deren sie befähigt sind ein neues jüdisches Leben im Geist von Tora wa Awoda in Erez Jisrael aufzubauen. Kibbuz Rodges. Rudi Herz Der Kibbuz Rodges ist das Ziel zu dem die rlachscharabewegung der religiös - zionistischen Jugend Deutschlands strebt. Seine besondere Note erhält der Kibbuz Rodges durch die innere Einstellung seiner Menschenund durch ihren Willen, eine Gesellschaft zu gründen, deren konstituieren- - des Element die Tradition, die Tora, ist. Auf den ersten Blick mag es vielleicht paradox erscheinen, daß eine solche Gruppe gerade aus Deutschland hervorgehen konnte, aus dem klassischen Land der Assimilation und der Abwendung von der traditionsgebundenen Lebensform. Eher hätte man erwarten sollen, daß ein solcher Kreis aus dem Osten gekommen wäre, aus Ländern, wo auch heute noch ein festgefügtes traditionelles Leben existiert. Und doch kann man es sicher nicht als eine zufällige Erscheinung bezeichnen, daß gerade aus Deutschland die Bewegung des religiösen Zionismus und ihre Verankerung im Leben des Landes und seiner Arbeiterschaft ihre stärksten Impulse empfangen hat. Es steckt eine sichere innere Dynamik in der Bewegung, die vielleicht am besten dadurch charakterisiert wird, daß wir alle gemeinhin von einem noch vorhandenen traditionellen Leben sprechen, das in sich beharrt und das sich durch all die Einflüsse der neuen Zeit und der Umgebung, soweit es sich ihnen nicht verschließen kann, in eine Verteidigungsstellung gedrängt sieht, während wir es hier mit einer zwar noch kleinen, aber entschlossenen Bewegung zu tun haben, die die Assimilation und all den Abbruch, die sie dem religiösen Leben getan hat, überwunden hat, und nun mit revolutionärem Elan zu neuer Lebensgestaltung vorstößt. Der Beginn war nicht einfach. Zum ersten Male ging im Herbst 1929 eine größere Gruppe des Brit Chlauzim Datiim zur Alija, die entschlossen war, ein gemeinsames Leben zu führen. Doch bestand noch keine Klarheit, in welcher Art und Weise dies zu geschehen habe. Das Vorbild der religiösen Kwuza als Lebensgemeinschaft gab es noch nicht. Zunächst wurde eine Kooperative gegründet, deren Aufgabe eigentlich nur in der Verbilligung des Haushaltes und der gegenseitigen Hilfe der Chawerim b.'sfand.Aber alle spürten, daß damit noch nicht die uns gemäße Form des Zusammenlebens gefunden war. Nur ein ganz enges Gemeinschaftsleben, größtmögliche Verantwortung des einen für den andern und aller für die gemeinsame Sache, verbunden mit weitgehendster Entfaltungsmöglichkeit des einzelnen Individuums schafft jene Harmonie zwischen Bindung und Freiheit, die die Voraussetzung für eine neue produktive Gesellschaftsordnung bildet. Das Ergebnis der Auseinandersetzungen des ersten Jahres war die Gründung der Kwuza, des Kibbuz Rodges. Auch der wirtschaftliche Start war nicht leicht. Es war eine Zeit der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitsbedingungen in Petach Tikwa, wo der jüdische Poel am stärksten der arabischen Konkurrenz ausgesetzt war, waren besonders schwer. Jeder einzelne Arbeitsplatz mußte „erobert" und gehalten werden. Nur langsam ging es vorwärt;. Nur tropfenweise kam die Alija. Häufig mußten hohe Schulden zur Bestreitung des Lebensunterhalts gemacht werden, bei einem auf das Minimum herabgedrückten Standard. Während dieser Zeit aber konnte sich der Kibbuz innerlich konsolidieren und zu einer engen Gemeinschaft zusammenwachsen. Das Jahr 1933 brachte mit der einsetzenden Konjunktur der palästinensischen Wirtschaft den Anfang einer rapiden Entwicklung des Kibbuz. Die Arbeitslosigkeit war vergessen. Statt dessen war von jetzt an, trotz ständiger Alija, der Mangel an arbeitenden Händen, die tägliche Sorge. Die Alija des Frühjahres 1933 brachte dem Kibbuz einen großen Zuwachs an Menschen, die dem Kibbuz durch langjährige Erziehung in den Jugendbünden und im Brit Chaluzim Datiim verbunden und. fachlich genügend vorgebildet waren,