Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 6 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 48 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 Z I O N Nr. 6 gend alle bis dahin geltenden Werte fraglich machte, sie nach einem neuen Aufbau streben ließ, fanden sich immer wieder einige Menschen, die den Gedanken der Chaluziut Datit konzipierten und für sich die Konsenquenzen zogen, d. h. den Beruf wechselten und meist unter großen Schwierigkeiten Landwirtschaft erlernten und dann nach Erez Jisrael übersiedelten. Nach und nach finden sich diese Einzelnen, empfinden immer mehr das Unmögliche dieser Isoliertheit. Man strebt nach gemeinschaftlicher Hachschara. Die Gemeischaft erleichtert die Schwierigkeiten des Ueberganges vom freien zum manuellen Beruf, von der bürgerlichen Umgebung zum Arbeiterleben. Nur die Gemeinschaft kann all die auftauchenden Fragen der neuen Lebensgestaltung herausarbeiten und womöglich lösen. Sie schaffen sich einige kleine Hachschara-Zentren, die aber meist mit der Alija der Chawerim ein Ende finden. Die Nachfolgenden müssen wieder von vorne beginnen. Es zeigt sich, daß alle Mühe umsonst ist, wenn es nicht gelingt, die nach ihnen kommenden mit der Arbeit zu verknüpfen. Es entsteht der Gedanke des Lehrgutes, des zen tralen Punktes für die Ausbildung der gesetzestreuen Jugend für ihre Aufgaben in Palästina. Nur so kann es gelingen, die vorhergehende Generation zur Führerin der folgenden zu machen, nur so kann es gelingen, der technischen Schwierigkeiten — Stellenbeschaffung — Schabbathalten — koscher essen usw., Herr zu werden und schließlich eine gründliche Berufsausbildung zu gewährleisten, der Gemeinschaft die nötige Stabilität und Kontinuität zu geben. Diese Ueberlegungen fanden verständnisvolle Bereitschaft und Förderung bei den Männern des deutschen Misrachi und mit seiner Hilfe konnte im Jahre 1924 das jüdische Lehrgut gegründet werden. Und dank seiner ständigen Mitarbeit und Mitsorge war es möglich, das Werk oft nur unter großen Schwierigkeiten aufrecht zu erhalten. Wachsen. In Bezenrod, einem kleinen Dorf in der Röhn wurde ein kleines Bauerngut von 60 Morgen erworben, auf dem jährlich zehn Jungens und Mädels ihre Ausbildung erhielten. Während es anfangs noch schwer war, diese zehn Plätze zu besetzen, zeigte sich bereits nach kurzer Zeit, daß das Lehrgut der Nachfrage nicht mehr gewachsen war. Der Ort ist abgelegen, die äußeren Bedingungen schlecht. Es besteht keine Möglichkeit zur Ausdehnung und Entwicklung der Wirtschaft und so entschließt man sich im Jahre 1927, das Gut zu verkaufen. An dessen Stelle wird ein größeres Gut (150 Morgen) in der Nähe von Fulda in „Rodges" gepachtet. Dort ist bereits Platz für 25 Eleven. Ein großer Gemüsegarten wird angegliedert, die Viehzucht und Milchwirtschaft ausgebaut und somit die fachliche Ausbildung verbessert und erweitert. — Aber aucn dieses Gut genügt bald den wachsenden Anforderungen nicht mehr. Inzwischen sind Jugendbünde entstanden, die die Beziehung zur religiösen' Chaluziut zum Hauptpukt (Zeire Misrachi, Brit Hanoar) oder zum wesentlichen Teil (Esra) ihres Programmes erhoben haben. Man geht wieder dazu über, nebe s dem Lehrgut Hachschara-Zentren zu schaffen. Im Jahre 1929 entstehen drei solcher Zentren in der Nähe Fuldas, die in ständigem Zusammenhang mit dem Lehrgut arbeiten. Während bisher die persönliche und gesellschaftliche Bindung ausreichte, um die Menschen zu erfassen, wird jetzt eine Organisation erforderlich. Der Brit Chaluzim Datiim wird gegründet. Aber auch sonst wird dieses Jahr entseneidend für die Bewegung. Zürn ersten Mal geht eine geschlossene Gruppe zur Alija und bildet den Grudstock für den KibbuzRodges, und wird somit innerhalb der Bewegung des religiösen Arbeiters Palästinas, Hapoel Hamisrachi, ein neues und entscheidendes Moment. Der Name „Rodges" wird nun auch in Erez Jisrael, wie schon vorher innerhalb der religiösen Jugend Deutschlands, zum Begriff für den Willen, ein lebendiges religiöses Leben auf Grundlage der Gemeinschaft zu errichten. Im Jahre 1929 läuft der Pachtvertrag ab und kann nicht erneuert werden. Zum zweiten Mal müssen wir umziehen. Es gelingt, mit Hypotheken der Kageso und der Berliner Gemeinde ein eigenes Gut von 180 Morgen, den Gehringsho'. ebenfalls in der Nähe Fuldas, zu erwerben. Hier auf eigenem Grund und Boden kann mannun daran gehen, den Betrieb allen Bedürfnissen eines Lehrguttes anzupassen. Durch ständigen Konnex mit den Chawerim in Erez Jisrael erfahren wir stits, in wie weit sich unsere Ausbildung bewährt hat und was zu verbessern ist. Dementsprechend wird auch hier eine große Gärtnerei angelegt und mit Beregungsanlage versehen, Obstbau und Baumschule werden gepflegt. Die Produkte werden zum Teil frisch verkauft, zum Teil konserviert Die Geflügelzucht wird zu einem eigenen Betriebszweig nach modernen Gesichtspunkten ausgebildet. Die Viehzucht wird abermals vergrößert. Die Verarbeitung der Milch erfolgt in einer eigenen Molkerei und Käserei. Als neuer Betriebszweig wird Fischzucht angegliedert. — Auf dem neuen Gut können jährlich ca. 30 Menschen ausgebildet werden.