Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 6 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 47 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 ZION Seite 47 These Samson Raphael Hirschs ausgesprochen haben, nämlich daß es sich wieder einmal um eine der flüchtigen und unreifen Synthesen handelt, in denen die Religion ihr Bündnis mit dem jeweiligen Zeitgeiste eingeht, um sich „up to da te" zu halten. Aber in Wahrheit ist es doch nicht so. Eine unmittelbare Gewißheit sagt uns ebenso deutlich wie das Studium unserer Ueberlieferungsquellen. daß zwischenmenschliche Verhältnisse vor Gott nicht gleichgültig, sondern im Gegenteil von höchster Wichtigkeit sind. Sind wir doch das Volk, dem Moses' göttliche Botschaft dadurch versperrt werden sollte, daß Pharao uns die Arbeit mehrte. Wir wissen, nicht nur theoretisch, sondern aus unserem uralten und getreuen Volksgedächtni> her, daß Sklavenarbeit für Gottes Ruf taub machen kann. „Wegen des Fehlens des Geistes und wegen der schweren Arbeit" haben wir schon einmal nicht hören können: und wieviele unserer Menschenbrüder, Juden und Nichtjuden, könne«; um eben desselben, Jahrtausende lang lastendem Fluches immer noch nicht hören. Ja auch die anderen, deren Herz verhaftet ist und die also ds* halb dem Rufe taub sind, weil sie zu sorglos in ihrer Behaglichkeit sitzen: auch die gilt es für den Ruf zu wecken, wenn das auch gegen s\: selbst geschehen muß. , Sind wir uns hierin einig, so ergibt sich eine neue große Aufgabe für die „Rodgeser Bewegung", besonders für den palästinensischen Kern, ein Zentrum zu werden für alle diejenigen, Traditionelle und Untraditionelle, denen die soziale Menschentat göttliches Gebot ist. Die oft geplante, in den verschiedensten Kreisen des Landes warm begrüßte und im Programm schon feststehende Tagung für den Gedanken des religiösen Sozialismus in Palästina muß in diesem Jahre im Kibbuz Rodges Wirklichkeit werden. Und siedarf nur der erste Schritt auf einem neue i Wege sein. III. Unser Nationalismus. Ich habe einmal die Feststellung gemacht, daß meine persönliche traditionelle Haltung bisher nur auf einen kleinen Kreis solcher Schüler ein wenir; abfärbte, die — zum Revisionismus neigten. Hier ist offenbar eine oberflächliche Amalgamierung zwischen gefühlsmäßigen Betonungen der jüdischen Tradition und einem naiven Nationalismus eingetreten, ohne daß die tieferen, jüdischen und menschlichen Herztöne des traditionellen Lebens schon hörbar werden konnten. Dieses persönliche Mißverständnis ist lehrreich, denn es ist das Selbstmißverständnis, in dem sich der Misrachi (mit Ausnahme des deutschen) im allgemeinen befindet. Vor einen normalen Nationalismus weniger behütet als manche Kreise der Aguda, denen das Primat des Religiösen über das Nationale schützend zur Seite steht, und als die Linke, die zum Teil die lebendige Erfahruna der Afbeitskameradschaft mit andersnationalen Proletariern gemacht hat, kann der Mu>rachi in der Tat sich leichter auf einer Linie finden, wo er sich mit dem aus nationalen Gründen romantischen konservativen Revisionismus und einem pseudorevisionistischen allgemeinen Zionismus vereinigt. Dem gegenüber müssen wir den kritischen, ja: Krisen nicht vermeiden den oder gar schaffenden Wertmaßstab der prophetischen Religion an unsc. eigenes nationalen Tun legen. Unsere praktische Erprobung ist uns in der Araberfrage gestellt, im ernsthaften Versuch zu ihrer wirklich menschlichen Lösung. Theoretisch aber sieht es so aus: Wir rufen, als Menschen nationalen Bekenntnisses, die Kräfte der Tiefe in unseren Dienst. Wir wissen, von unserer religiösen Erfahrung her, daß eben in jenen Tiefen die bauenden Trieb, dicht neben den zerstörenden liegen: die Heiligkeit und Dämonie der menschlichen Sexualität ist dessen Zeichen. Wir rufen die Kräfte zum Bau, nicht zur Zerstörung. Ihrer Dämonie Herr zu werden, helfe uns Glaube und Gesetz. Zehn Jahre jüdisches Lehrgut. Von A. b. N. Werden. Das jüdische Lehrgut, auf dessen 10 jähriges Bestehen wir in diesem Jahre zurückblicken, hat sich im Laufe dieser Zeit aus kleinsten Anfängen organisch zu seinem heutigen Umfang und zu seiner gegenwärtigen Bedeutung entwickelt. Auch bei seiner Gründung war es keine willkürliche Schöpfung irgendwelcher Instanzen. Von Anfang an bis auf den heutigen Tag war es unauflöslich mit der Bewegung der Chaluziut Datit verknüpft. Man würde bei einer rückschauenden Betrachtung dem Wert der hier geleisteten Arbeit nicht gerecht werden, wollte man diesen Zusammenhang übersehen und nur mit Zahlen und Statistiken den äußeren Ablauf des Wachsens markieren. In der bewegten Nachkriegszeit, die der Ju-