Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 2-3 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ZION MONATS BLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND Herausgegeben vom Zentralbüro der Unabhängigen Misrachi Landesorganisation Deutschlands BEZUGSPREIS RM. 1,50 PRO QUARTAL. ZU BEZIEHEN DURCH DEN HERAUSGEBER ODER DURCH DIE POST Nr. 2-3 Berlin, Februar / März 1934. Adar / Nissan 5694 VI. Jahrgang Juden am Schilfmeer.. Beim Anblick der verfolgenden Aegypter am Schilfmeer bildete sich, wie der Talmud Jeruschalmi bemerkt, im jüdischen Volke vier Parteien. Die erste sagte: Wir wollen uns ins Meer werfen, die zweite: wir wollen zurück nach Aegypten, die dritte Partei wollte mit den Aegyptern in Verhandlungen eintreten und die vierte endlich vertraute auf ihren Retter und ließ sich nicht von ihrem Ziel abbringen. I. Die erste Gruppe rief: Wir wollen uns ins Meer stürzen. Sie sahen hinter sich die Aegypter, ausgerüstet mit den gefürchtetsten Waffen der damaligen Zeit. Sie wußten, daß sie nicht auf Erbarmen zu hoffen hatten. Keiner würde dem furchtbaren Geschick entrinnen. Sie sahen den Tod unabwendbar, sodaß jeder Entschluß, ihm entgegenzutreten, vollständig sinnlos schien. Uebcr vierhundert Jahre hatten sie in Knechtschaft gelebt, ihre Kinder wurden ertränkt, ihre Ehe zerrissen, ihre Nacken gebeugt, ihr Wille geknechtet, ihre Gedanken gefesselt — und nun, kaum fingen, sie an in Freiheit zu atmen —, da wurden sie schon wieder aufs äußerste bedroht. Was war ihnen das Leben? — Vergessen war, daß an ihrer Spitze ein Mann stand, der sie zu einer Einheit zusammengeschmiedet und ihnen, troU aller Schwierigkeit, den Weg zum heiligen Lande ebnete. Vergessen waren alle Zeichen und Wunde;, die einzigartige Schönheit der ersten Sedernachr. Verzweiflung erfaßte ihre Herzen. Jede Spur von Gläubigkeit und Tatkraft war gewichen. Freiwilliger Tod schien ihnen der einzige Ausweg. II. Eine andere Gruppe verlor beim Herannahen der Aegypter jedes Gefühl der Selbstachtung und des Stolzes. Eben hatten sie die Freiheit erlangt, eben erfahren, daß sie ein eigenes Land und einen eigenen Boden erringen sollten, auf dem sie ein stolzes und würdevolles Leben führen könnten, eben erst waren sie emporgehoben worden zur Höhe eines einzigartigen Gottesvolks, in de n das Aiitägüehe vom Rhythmus des Ewigen durchklungen wird. — Kaum sehen sie die ersten Schwierigkeiten, wittern sie die ersten Gefahren — da erlahmt ihr Wille: Wir wollen zurück nach Aegypten! Lieber Sklaven sein im fremden Land, den Staub der Erniedrigung schlucken, verachtet werden, die Kinder, die Zukunft opfern, als im Kampf mit dem Feind und dem Geschick sich selbst behaupten, Ein Volk, das Diener Gottes sein sollte, macht sich zum Sklaven von Tyrannen. III. Eine dritte Gruppe glaubt, die ungeheuren Gefahren jener Stunde in einfacher Weise zu lösen: indem sie mit den verfolgenden Aegyptern verhandelt. Sie wollen den anstürmenden Aegyptern entgegengehen, ihnen klarmachen, daß sie doch selbst eigentlich Aegypter seien — der Unterschied zwischen jenen und ihnen sei doch ganz unwesentlich —, sei doch nur eine Angelegenheit des Glaubens und der Konfession. Und dann hat man doch eigentlich auch Verdienste um Aegypten. — Nicht nur, daß man für