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Zion · 1933-12-01 · 11-12 (12.1933) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
11-12 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ZION MONATS BLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND Herausgegeben vom Zentralbüro der Unabhängigen Misrachi Landesorganisation Deutschlands BEZUGSPREIS RM. 1,50 PRO QUARTAL ZU BEZIEHEN DURCH DEN HERAUSGEBER ODER DURCH DIE P€>3T Nr. 11-12 Berlin, Dezember 1933. Teweth 5694 V.Jahrgang Judendämmerung. Dr. Armin Blau, Hamburg. (Bemerkungen zu Joachim Prinz's Buch: Wir Juden.) Es ist ein kühnes Unterfangen, unter dem ersten Eindruck der Umwälzungen, die sich innerhlab der deutschen Judenheit der Jetztzeit vollziehen, an die Deutung der Zukunft heranzugehen und Normen" für ein zukünftiges Verhalten aufzustellen. Die Erschütterungen des Erdbebens sind noch lange nicht überwunden, es fehlt noch die Distanz, die objektive Ruhe. Wir sind noch zu sehr Partei, um leidenschaftslos über die Vorgänge und ihre Ursachen urteilen zu können. Wir können nur berichten, nicht richten. Die Geschehnisse, die rings um uns und an uns lavinenartig sich vollziehen, sind von solch unerhörten Ausmaßen, und wir Juden sind nur einer der Spielbälle des welthistorischen Geschehens, daß es fast wie anmaßendes Literatentum anmutet, heute schon ein Buch über die Ereignisse zu schreiben, Werturteile auszusprechen und Wege in die Zukunft weisen zu wollen. Rabbiner Dr. Joachim Prinz besitzt als erster den Wagemut, aus der jüngsten Vergangenheit die Zukunft des deutschen Judentums zu deuten und seine Urteile in Buchform der Öffentlichkeit zu übergeben. („Wir Juden", Besinnung, Rückblick, Zukunft: Verlag Erich Reiß, 1934.) Er schreibt kein objektives Buch, ist kein abgeklärter Beurteiler, sondern als leidenschaftlicher Kämpfer und Rufer im Streit fegt er sturmbrausartig dahin, schmissig schreibt er seine flammende Artikelreihe, stellt schlagartige Leitsätze auf, iragt nicht nach Feind noch Freund, schwingt dämonisch besessen seine Keule gegen den Erbfeind des Liberalismus und A u f - klärertums bei den Juden des letzten Jahrhunderts, bis er ihn zur Fratze verzerrt nieder«, gestreckt zu seinen Füßen sieht; singt schwärmerische Lobeshymnen auf die Heroen der Bibel (wobei er uwsere Patriarchen mitunter mit stark naturalistischen, rustikalen, fast burschikosen Tönen malt), feiert begeistert die Geistesgrößen der Mischnah (Seite 109), besingt dithyrambisch unsere Väter im Ghetto, deren Lebensform er als eine heroische, aktivistische anspricht, (da sie ihr Judesein stets mit dem Tode zu besiegeln bereit waren), spricht mit ungeteilter Bewunderung von der Geschlossenheit ihrer Kulturen und nationalen Gehalte — um immer wieder berserkerhaft über das liberale Reform- Judentum und seinen Unwert als Urquell alles Bösen herzufallen. Sie grenzt an das menschlich Tragische, diese Geste eines liberalen Rabbiners, der so unversöhnlich, erbarmungslos über das System der jüdischen Reform Gerichtstag hält, in dessen Geist er doch erzogen ist; es mutet fast wie eine in Haß gekehrte Liebe an; nichts bleibt als Verdienst dieser in Deutschland geborenen und über die Welt verbreiteten Bewegung übrig, als das eine negative Verdienst, viele vom letzten Schritt der Taufe zurückgehalten zu haben (?). Der Liberalismus hat auch im Judentum seinen Daseinsgehalt verloren, die sogenannte Reform ist ausgelaugtes Judentum, ein dekorativer Flitter der Großstadtjuden, ein Tarnungsversuch des Assimilantentums, eine Krankheitserscheinung, eine Friedhofsangelegenheit für pietätvolle Seelen, eine Karikatur des echten naturgewachsenen

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