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Zion · 1933-11-01 · 9-10 (11.1933) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
9-10 (11.1933)
Date
1933-11-01
Page
Seite 91 (sequence 25)
Language
German
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Nr. 9-1Ö ZION Seite 91 Die Einführung der neuen Alijah Ein aktuelles Problem. I. Das Problem. Mit der starken Einwanderung, die jetzt aus Deutschland nach Erez Israel erfolgt, erwächst der Zionistischen Organisation insegsamt, dem Misrachi insbesondere ein schweres Problem, eine weltgeschichtliche Aufgabe. Es kommen Leute ins Land, denen das Wort „Erez Israel" bisher Schall und Rauch war, denen Zion und Jerusalem nichts bedeuteten; Leute, denen bisher der Zionismus nicht nur nichts galt, sondern die sich auch um den Aufbau Erez Israels überhaupt nicht kümmerten. Und nicht alle haben wirklich umgelernt. Die Not treibt sie, die Enttäuschung, die Sorge; sie werden mitgerissen vom Strome der Zeit, werden überwältigt von dem Palästinagedanken, der als einziger Ausweg aus d«.r j.rossen Judennot die jüdische Welt beherrscht. Man kann, man darf, man will sie nicht ausschließen und zurückhalten (vgl. Dt. 23, 16/17). Die Zionistische Organisation besorgt auch ihnen Zertifikate, im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten, nach Maßgabe der Bestimmungen und Bedingungen. Erez Israel soll ja ein Nationalheim sein, eine Heimstätte für das jüdische Volk. Aber ein schweres Problem entsteht; wie verwurzelt man diese Neu-Einwanderer im Lande, wie erzieht man sie zu überzeugten Gliedern des nationalen Heims? Wie beugt man der Gefahr vor, daß sie — geistig, seelisch — das Galuth mit nach Erez Israel bringen? Wie verhütet man Separatismus, Partikularismus, das Fremdsein der Brüder gegeneinander, das Getrenntsein des Landes von seinen Bewohnern, die — ein neues Babel! — des Landes Sprache nicht verstehen? Und die besondere Frage für den Misrachi: wie versucht man, die neuen Einwanderer für den religiösen Aufbau des Landes zu gewinnen, aus ihnen neue Kräfte, wirksame Helfer zu erwecken, um Land und Volk und Thorah zu unlöslicher Einheit zu verbinden, damit Erez Israel in der Tat ein jüdisches, ein religiös-nationales Heim werde? Schwer ist das Problem und groß die Aufgabe, aber nicht hoffnungslos und nicht unlösbar. Der Gründer des Misrachi mit seinem starken Glauben an Erez Israel und seine Heiligkeit gibt auch uns die Kraft der Zuversicht. II. Ein Wort von Rabbi Jizchak-Jaakow Reines In seinem Sefer Haarachim (S. 69) schreibt der Gründer des Misrachi: In Asulais „Scheim Hagdolim" heißt es unter dem Stichwort „Ben-Zion": „Ich habe gesehen, daß in dem Manuskript eines Kabbalisten aus dem Talmud Jeruschalmi angeführt wird, daß derjenige, dem Kinder gestorben sind, seinen Sohn, der nachher geboren wird, „Ben-Zion" nennen solle; dann wird er am Leben bleiben." In unserem Talmud Jeruschalmi findet sich dieser Ausspruch aber nicht. Da aber das Zeugnis des großen, heiligen Asulai uns glaubwürdig ist und er den Ausspruch aus dem Manuskript eines Kabbalisten anführt, können wir nicht annehmen, daß er ihn sich selbst ausgedacht hat. Es ist vielmehr sicher, daß er den Ausspruch im jerusalemitischen Talmud zu den uns verlorengegangenen Ordnungen Kodoschim und Taharoth gesehen hat. Immerhin aber bedürfen die Worte selbst der Erklärung. Die Erklärung scheint mir in einem anderen Ausspruche des Talmud Jeruschalmi zu liegen (Chag. III, 6): „Rabbi Jehoschua ben Lewi hat gesagt: „Jerusalem, erbaut wie eine Stadt, in der alles sich zusammenfindet" (Psalm 122, 3) — eine Stadt, die ganz Israel zu Chawerim macht. „Das entspricht den Worten des Midrasch" (Gen. r. I): „Es war Abend" (Gen. 1, 5) — das sind die Taten der Frevler; „und es war Morgen" — das sind die Taten der Frommen; „ein Tag" — der Heilige, gelobt sei er, hat ihnen einen Tag gegeben; und welcher ist es? Der Jörn Kippur. „An allen Tagen des Jahres sind die Frevler aus der Gesamtheit Israels abgesondert und losgetrennt; jedoch der Tag der Sühne hat die heilige Eigenschaft, daß auch die Frevler sich zu ihm hingezogen fühlen und sich mit der Gesamtheit Israels vereinigen; der letzte Rest ihres jüdischen Empfindens fühlt noch die Heiligkeit des Jörn Kippur". Ebenso hat die Stadt Jerusalem die Kraft, auch auf die Abgefallenen einzuwirken, daß sie zu ihrem Volke zurückkehren. Das ist der Sinn der Worte „Wem seine Söhne gestorben sind", d. h. wenn seine Söhne von der Lehre des Ewigen abfallen und von ihrem Volke sich entfernen, was ja das wahre Sterben ist, dann ist das Heilmittel, daß er den Sohn, der ihnen geboren wird, „Ben-Zion" nennt, daß er ihn von seiner Jugend an wenigstens unserem heiligen Lande nahebringt; nach und nach wird er sich dann auch seinem Volke nähern, und nachher auch seiner Lehre. So weit Raw Reines.

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