Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 9-10 (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 70 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 70 z i Ö N ttr. 9*10 Jugendbünden war eine engere, so daß der Bund von einem hinter ihm stehenden Nachwuchs sprechen konnte. Auf dieser Pegischah wurde die Unabhängigkeit des Bundes beschlossen und betont, daß man eine engere Zusammenarbeit mit dem Misrachi erwünsche. Ein eindeutiges Bekennen zum Poel Misrachi und der Zionistischen Organisation kam aber nicht zustande, da man, um den Esra nicht zu verlieren, sich nicht festlegen wollte. Auf dieser Pegischah wurde der Versuch gemacht, aus dem Personenkreis um da^ Lehrgut, einen wirklichen Bund zu machen. Aus diesem Grunde wurde die Leitung des Bundes r.ach Frankfurt a. M. verlegt, wo ein Lernzentrum auf der Jeschiwah bestand. Zunächst blieb dieser Versuch erfolglos. Ein halbes Jahr später fand die 4. Pegischah statt. Auf dieser Pegischah wurden vor allem engere Beziehungen zwischen Erez Israel und dem Bund geknüpft, da Mo Unna anwesend war. Ferner wurden dem Bund Richtlinien in der Tarbuth- Arbeit gegeben. Die 5. Pegischah, Sukkotli 5693, sieht den Bund schon eng verbunden mit dem Kibbuz Rodges. Zwei Mitglieder des Kibbuz Rodges sind schon Mitglieder des Bundes. —-JJer Bund ahnte damals, daß er sich bereitmachen müsse für eine große Erweiterung und vor allem für die Aufnahme von Menschen, die noch nicht durch die Jugendbünde gegangen waren. Diese Pegischah war beherrscht von der Diskussion, ob man die Arbeit auf kleiner Basis mit gut ausgesuchten Kräften machen solle, oder auf breiter Basis unter Aufnahme von Chawerim, welche noch nicht durch die Jugendbünde gegangen waren. Man entschied sich, die Arbeit auf breiter Basis zu gestalten. — Obwohl der Sitz der Leitung auf dem Gehringshof war, hat man schon damals einen großen Teil der Aufgaben in Berlin erledigen lassen. Die Zeit zwischen der 5. und 6. Pegischah war nun die Zeit der nationalen Revolution in Deutschland. Diese Zeit gab dem Brith ein ganz neues Gesicht. Die Aufgaben wuchsen von Tag zu Tag. Mit einem Schlage wurde aus dem ehemaligen Kreis um den Gehringshof eine große Bewegung. Für die Jugendbünde gab es nur ein Ziel: die Hachscharah. Die Zusammenarbeit zwischen dem Brith und den Juge'ndbünden wurde eine engere. Im Mai 1933 erhielt der Bund eine neue Leitung in Berlin. Die jetzige Pegischah hat nun zu entscheiden, wie dem Brith die Umwandlung zu einer Bewegung gelungen ist, und zu beraten, was seine weiteren Aufgaben sind. Die Wirklichkeit Erez Israels und unsere Arbeit Mosche Unna. Wenn wir auf dieser Tagung daran gehen wollen, die Richtlinien unserer Arbeit in der Golah festzulegen, müssen wir uns in erster Linie darüber klar werden, unter welchen Bedingungen wir unsere Arbeit in Erez Israel durchzuführen haben, wie die Situation in Erez Israel selbst ist. Ist dieses erkannt, werden wir die wesentlichen und die unwesentlichen Momente in unserer Arbeit unterscheiden und diese zweckmäßig gestalten können. Bei einer Analyse der Faktoren, die das geistige Bild Erez Israels bestimmen — und dieses wird zunächst maßgebend sein für unser Wirken im Land — müssen wir als eine der grundlegenden Tatsachen begreifen, daß Erez Israel ein Kolonisationsland ist. Diese Tatsache bestimmt entscheidend die Haltung der Menschen in Erez Israel. Ein bekannter spanischer Schriftsteller hat voeiniger Zeit versucht, den Typ des „Kolonisationsmenschen" zu umschreiben. Er hat dabei den Amerikaner dafür als Beispiel gewählt, seine Ausführungen sind aber auch für den Menschen m Erez Israel aufschlußreich, und wir möchten sie in den Grundzügen wiedergeben. Er sagt etwa das Folgende: Menschen, die als Kolonisten auswandern, kommen aus einem Land mit alter Kultur und Zivilisation, in eine Umgebung ohne Bindungen. Ihre bisherige Umgebung hat für sie bedeutet einerseits Einengung ihrer Freiheit durch das Gefüge der Gesellschaft eines solchen Landes, andererseits durch die technischen Errungenschaften der Zivilisation Vervielfachung der Kräfte, die ihnen zur Verfügung stehen. Wenn nun solche Menschen in die Möglichkeiten eines Koloniallandes hineingestellt werden, das dem Einzelnen mehr Freiheit läßt und ihm gleichzeitig die Nutzbarmachung der zivilisatorischen Errungenschaften ermöglicht, die er mit sich bringt, werden Kräfte frei, die bis dahin nicht zur Auswirkung kommen konnten, fühlt sich der Mensch den Dingen und Gegebenheiten in und um ihn überlegen, und alle Bindungen der Vergangenheit beginnen sich zu lockern. Diese Tatsachen bestimmen weitgehend die Art und Weise, wie solche Menschen an alle Aufgaben herangehen, die sich ihnen stellen und vor allem auch ihre Einstellung zu den Werten der Vergangenheit, deren Bedeutung im Dasein des Einzelnen unwillkürlich geringer wird.