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Zion · 1931-04-01 · 4 (4.1931) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
4 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 40 (sequence 10)
Language
German
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Seite 40 Z ION Nr. 4 Auf der Rückreise von Erez-Israel. Von Lazarus Barth, Berlin. Die „Adria" trägt uns wieder von Erez-Israel nach Triest zurück. Vier Tage und fünf Nächte Seefahrt. Die Muße tut gut. Man kann aus der unendlichen Fülle von Eindrücken ein Gesamtbild zusammenwachsen lassen. Seit sieben Jahren wieder ein Monat im Lande. Was hat man gesehen, welches Fazit kann man ziehen? Fortschritte auf allen Gebieten, nicht immer ganz nach vorn getan. Auf manchen Quer- und Seitenlinien einen Weg gesucht. Viel "Neues ist errungen, manches aufgegeben, manches auch eingebüßt, viel Großes orreicht, neben dem noch manches lächerlich Kle'nliche steht . . . Aber allmählich setzt sich das Bild zusammen. Das, was damals vor sieben Jahren in stürmischem Aufbauwillen geschaffen worden ist, steht selbstsicher da, wächst schon aus sich heraus. Die Galutli tritt zurück hinter Erez-Israel, wo der Galuthgeist gestorben ist. Ein besonders erfreuliches, prägnantes, deutliches Zeichen: das Hebräisch. Ein Gedanke war es, verwegen und barock, eine Sprache nach Tausenden von Jahren wieder zum Leben zu erwecken. Im Gestalten von Stoffen aus biblischer Zeit, mit biblischem Vokabelschatz, Wortfolgen aus Jesajah, den Psalmen, und der Thora kunstvoll spielerisch an einanderreihend, so hat es begonnen, und indem man die Worte, mit denen Jesaja die fremden Völker strafte, mit denen Arnos das Recht des Unterdrückten von dem König forderte, mit denen Hoseah die Liebe Gottes zu seinem Volke schilderte find Koheleth seine abgeklärten Weisheitssprüchc gab, entsprechend umstellte und verband, schrieben Tageszeitungen für die Renaissance des Hebräischen Artikel über Tagespolitik und Wahlaufrufe Bis die Sprache des Midrasch und der Mischnah neu entdeckt wurde, bis noch, bevor die Sprache wirklich im Lande gesprochen wurde, das große Lexikon des modernen Hebräisch erschien und bis dann dieses Standardwerk, das andere Völker «ich schaffen, wenn die Kultur ihrer Sprache gereift, und der Reichtum geschützt werden sollte, nicht vor der Verarmung, sondern vor Ueberwucherung, bis dieses Standardwerk beiseile gesetzt wurde dadurch, daß das Hebräisch „auf den Mund der Kinder" gegründet wird. Heute ist aus den Schulen heraus, und zwar durchaus nicht immer aus dem Lehrerzimmer kommend, das moderne Hebräisch gewachsen, eine Sprache, so stark, daß siß unter dem fanatischen Schutze derer, die sie schaffen; alles andere wegdrängt. Der sinnlose Kampf, den der alte Jischuw für das Jiddisch geführt hat, die Versuche der Schulen anderer Organisationen, eine Sprachenpropaganda zu treiben, sind radikal zusammengebrochen. Man kann heute in Gegenden des ältesten Jischuw hebräisch fragen und bekommt eine hebräische Antwort. Und selbst die letzte Rückzugslinie des alten Jischuw, wenigstens gegen die sephardische Aussprache anzukämpfen *(auch das \c'm Glaubensartikel!), ist überrannt. Heute gibt es keine Wissenschaft, die nicht in hebräischer Sprache auch für die fortgeschrittensten Hörer gelehrt wird. An der Universität Naturwissenschaften und die subtilsten Probleme moderner Mathematik.. Es existiert ein Lexikon der medizinischen Wissenschaften, in dem zwei Seiten lang nur Muskeln stehen. Der Waad Halaschon sammelt und sichtet die Vokabularien. Daneben gibt es .,Slangausdrücke" und einen Schülerjargon mit köstlichen Blüten. Dieses Vordringen des Hebräischen ist ein äußeres Zeichen der Bodenständigkeit des modernen Erez- Israel. Das „wir weichen nicht von unserem Ort-' "i:ai^o"3 Tn3 «S/das so oft im vorigen Jahre als Ausruf des Chaluz zitiert worden ist, ist keine Phrase Sie weichen nicht, weil sie festgewurzelt sind. Und ein Zeichen unserer Verwurzelung ist uns, daß der Jischuw wächst, in die Höhe, in die Breite und in die Tiefe. „Wir wissen heute, was wir machen können und was wir nicht machen können'", so hat mir Ruppin zusammenfassend geantwortet. Vor sieben Jahren war fast alles noch tastender Versuch. Ursprünglich einseitig auf den Weinbau gestellt, hatte dann ein Besuch eines Tabakindustriellen, der einen größeren Auftrag gegeben hatte, ausgereicht, um das ganze Land in eine Tabakpsychose zu versetzen — selbst in Blumentöpfen sah man Tabak gepflanzt! Bis dieser schöne Traum vom Tabak, von dem in kurzer Zeit rentabel werdenden Tabak, man kann stilgemäß sagen, in Rauch aufging. Wir hatten vor sieben Jahren die schweren Enttäuschungen b?im Import der teuersten Kühe aus Holland, heute kennt man die Rassenkreuzungen, die sich bewährt ' haben, und Milchwirtschaft, damals noch ganz am Anfang der Entwicklung stehend, gibt gute Durchschnittsleistungen. In allen Siedlungen stehen Brutapparate, und die Eier kosten in der Stadt trotz der Transportschwierigkeiten 5 Pfennige das Stück. Das Gemüse, damals noch zum größten Teil importiert, wächst heute im Lande und Frühgemüse kann sogar exportiert werden. Die Orange hat sich den Weltmarkt erobert und steht in Qualität an erster Stelle. Auch die übrigen Citrusfrüchte werden exportiert. Die Grapefruits, deren vorige Ernte in England noch unter dem Preis der amerikanischen Früchte auf den Markt kam, konnten dieses Jahr schon wesentlich bessere Preise erzielen. Auf dem Wege zu diesen Erfolgen liegen eine ganze Reihe von Mißerfolgen. Vom Tabak war oben die Rede, zum Teil darf man die Oliven auf dieselbe Seite verbuchen.

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