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Zion · 1931-04-01 · 4 (4.1931) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
4 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 38 (sequence 8)
Language
German
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Seite 38 Z I 0 N?Nr;:'4 die aus verstandesmäßigen oder gefühlsmäßigen Gründen ihren Kindern eine; religiöse Erziehung zu erteilen wünschen, nicht zu erfassen? Hieir zeigt sich ganz kraß, welche gewaltigen Erfolgsmöglichkeilen für die Idee und die Arbeit des. Misrachi zerstört werden durch den ungünstigen Eindruck; den-die bestehende Weltorganisation mit ihren derzeitigen Führern, ihrer unwahrhaftigen Haltung, ihren menschlich und politisch abzulehnenden Praktiken und dem Fehlen jedes geistigen Elans und jeder ideologischen Vertiefung auch auf uns weltanschaulich Nahestehende machen muß. In den letzten Jahren ist es üblich geworden, vom „konstruktiven Aufbauprogramm'" des Zionismus ' für Palästina zu sprechen. Im gleichen Sinne ist zu fragen: wo ist das konstruktive, umfassende Kulturprogramm des Misrachi? Es muß festgestellt werden, daß die „Kultur- und Weltanschauurigsparlei" im Zionismus sich viel weniger als alle anderen zionistischen Gruppen mit Kultur- und Weltanschauungsfragen auseinandersetzt. Die Führung des Weltmisrachi; betreibt Politikaslerei und versucht, durch Kongreß- und Exekutivekämpfe flacht und Einfluß auszuüben, ist aber weder fällig noch willens, ihre eigentliche Aufgabe in Angriff zu nehmen, nämlich richtunggebend zu sein für eine geistige Bewegung* die ■schöpferisch wirkt in der Herstellung eines jüdischen Gemeinschaftslebens auf Grundlage der Thora und durch das lebendige Beispiel und die Kraft der geschaffenen Tatsachen für sich und ihre Idee wirbt. Hat die zionistische und gesamtjüdische Umwelt je aus dem ~: Munde der Führer des Weltmisrachi erfahren, wie sie sich die Gestaltung des jüdischen Lebens in Erez-Israel denken, und wie sie zu den entscheidenden geistigen Problemen der Gegenwart Stellung nehmen*, also ein Programm, das in seiner Totalität-'-die Existenz eines gesonderten Erziehungswesens erst rechtfertigen und seinen Erfolg ermöglichen würde? Ich stelle an den Misrachi nicht die-naive Forderung, eine Lösung der gewaltigen weltanschaulichen, reiigionsgesetzlichen. kulturpolitischen und soziologischen Probleme des modernen Judentums zu geben, wohl aber darf man von der Partei des "onn tmo verlangen, daß sie von der Existenz dieser Probleme weiß und der Auseinandersetzung mit ihnen nicht ausweicht. Im Laufe der •letzten1 Jähre haben wir es nur in Gestalt einer einmaligen Episodeerlebt, daß der Misrachi in die geistige" Kampfarena gestiegen ist und versucht 'hat, in den ..Kulturkampf' (hier im besten und höchsten Sinne des Wortes) einzugreifen, und auch ' dieser Einmalige Vorstoß wurde nicht' von den' offiziellen Führern und tatsächlichen Machthabern des Weltmisrachi, sondern von einem Mann 'äätfs;'den'" Reiheii-'-der--Ojipbsilaön^gefühH;': '-ach -denke ah das Referat Wolfsbergs in der Kulturdebatte des XVI. Kongresses, dessen Wirkung gezeigt hat, welche Möglichkeiten sich einer richtig geführten Propaganda unsererseits bieten. Demgegenüber kann man nur mit Schaudern an die Kampagne zurückdenken, die der Merkas Olami vor drei Jahren im.„Hator'" im vermeintlichen Interesse des Misrachischidwerkes und der religiösen Erziehung geführt hat und deren Methoden und Argumentation sich in nichts von dem entsprechenden Vorgehen reaktionärer, engstirniger klerikaler Gruppen anderer Völker und Kulturen unterschied; sie hatte denn auch die entsprechende Wirkung. Endgültig deconvrier sich aber die Misrachierziehung im Verhalten der Machthaber des Misrachischuhverkes zur Jugendbewegung, das ich in meinem Artikel im „Kölner Jüd. Wochenblatt'" berührt hatte. Dr. Grünberg äußert Bedenken gegenüber einer „freien'* Jugendbewegung. Auch ich weiß sehr wohl, daß „Religion" „Bindung4" bedeutet und daß die Anerkennung der Thora und das Bekenntnis zu ihr die Unterordnung der Persönlichkeit unter die jüdische Lehre und das jüdische Gesetz involviert. Ein diesbezüglicher Vorwurf kann aber der vom Merkas unterdrückten misrnchistischen Jugendbewegung in Erez-Israel gar nicht gemacht werden. Sie ist bekämpft und unterdrückt worden, weil ihm jede Bewegung, besonders aber eine Jugendbewegung, gefährlich erscheinen muß: wenn sie auch nur kulturelle und erzieherische Aufgaben proklamiert, so könnte sie doch leicht auch auf das Politische und Soziale übergreifen und die Selbstherrlichkeit der gegenwärtigen Machthaber gefährden. Dabei ist noch - zu bedenken, daß der Merkas seinerseits sich überhaupt nicht um die Organisierung und Erfassung der Jugend außerhalb der Schulmauern kümmert und daß — wie unbestritten ist — die Mehrzahl der den Misrachischulen Entwachsenden, die keine Misrachi-Organisation und kein Misrachimilieu vorfinden, uns verlorengehen und ins Lager des1 B r i t h T r u m p e 1 d o r oder des N o a r hao \v e d abschwenken. Der herrschende Kurs im Misrachi kann in der Kultur- und Erziehungsarbeit ebensowenig Erfolg haben wie in der politischen und wirtschaftlichen, seine Schulen können .vielleicht' : Unterrichts-, aber nie Erziehungsanstalten seih. Die heute bestehende Misrachi-Wellorganisation ist nicht die Vorkämpfgrin der Misrachiidee, sondern muß als direkter Schädling an ihr angesehen werden. Jeder Tag. und jede Stunde des Verbleibens in dieser .Weltorganisation macht uns daran mitschuldig, daß die Sache des fhoratreuen Zionismus auch weiterhin identifiziert wird mit den h Menschen - und Methoden,. die ihnheute i vertreten;

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