Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ZION MONATS BLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND Herausgegeben vom Zentralbüro der Unabhängigen Misrachi Landesorganisation Deutschlands BEZUGSPREIS RM. 1.50 PRO QUARTAL ZU RF7.IKIIKN DURCH 1) K N i r RfMi r>iE po^t Nr. 4/5 Berlin, April/Mai 1932. Nißan 5692 IV. Jahrgang Aufruf! von Oskar Wolfsberg. Die Flut steigt. Wir Juden sind zu sehr von der Not erfaßt und allzusehr erschüttert, als daß wir den großen Sturz ermessen könnten, den wir getan haben. Die Objektivität des Blickes ist dem nicht gegeben, der mitten in einer entscheidenden Entwicklung — die eine rückläufige ist — steht. Es ist nicht die Absicht dieser kurzen Sätze — auch die Kürze und die Kahlheit des Stils ist ein Zeichen der Not und entspricht dem hastenden Schritt der Sorge — zu entmutigen und eine trübe Epoche noch düsterer zu gestalten. Wir hoffen zuversichtlich, daß, wenn auch auf bescheidenem Niveau, uns allen eine Existenzmöglichkeit verbleibt oder wieder zuteil wird. Die Leiden des Individuums sind hart genug und wecken in uns allen tiefes Weh und Mitgefühl. Aber das jüdische Problem in Deutschland und in manchem anderen Lande geht doch noch tiefer. Der Irrweg eines ganzen Jahrhunderts ist offenbar geworden, der vulkanische Bodeiij der scheinbar zür Ruhe gekommen war, ist erneut in Tätigkeit. Mehr als die Erschütterung unserer wirtschaftlichen Positionen beweist das Wanken unserer sozialen und politischen Stellung, wie unsicher der Boden ist, auf dem viele sich so fest verankert fühlten. Das Staunen über den plötzlichen Ausbruch des Vulkans ist naiv: so wenig gefestigt war unsere Basis, daß nur das relative Gleichmaß des Lebens uns Ruhe verbürgte. Die Zuckungen der letzten Jahre haben fester gefügte Bauten geschädigt. Wir müssen den Mut haben, zu erkennen, was ist. Die Emanzipation und ihre Folgen sind vielleicht geschichtlich notwendig und haben der jüdischen Geschichte eine Note verliehen, die bedeutsam ist. Aber der Zionismus hat seit seiner Geburtsstunde erkannt, welche Gefahren sie für Substanz des Judentums bedeutet, und nun hat die Geschichte von außen her ein Machtwort gesprochen und dieser Aera gewaltsam Halt geboten. Vielleicht nicht für immer. Doch hat es keinen Sinn, die Augen vor den schweren Schikkungen zu verschließen. So viel Irrationales bietet sich dem spähenden Blick dar in dem, was #egenwärtig um Gestaltung ringt, daß auch unser eigenes Sciiicksal nicht mit den gewohnten Kategorien begriffen werden kann. Kosmopolitismus, Fortschritt sind Ideale und Hoffnungen, die wir nicht begraben. Aber sie sind heute nicht am Werke, andere haben sie außer Kurs gesetzt, und auch unser Los ist so ernst, wie nur das irgend einer Gemeinschaft auf der Welt, und wir sind gewiß verpflichtet, unsere letzte Kraft daran zu geben, um es zu meistern. Bei allen Leiden ist uns doch eine große Gnade zuteil geworden. Erez Israel blüht Es ist so beglückend und aufrichtend, von allen Heimkehrern die zuversichtlichen Berichte zu hören von unserem Werk in unserem nationalen Heim, das voran geht, von der Gestaltungskraft der Juden, die die Galuth von so langer Dauer nicht lähmen konnte, vom Aufstieg im objektiven und subjektiven Sinn, Siedlungen entstehen, Menschen erneuern sich, das Land erhält eine neue Physiognomie. Das haben die Pioniere — in weitherziger Jnterpretation — in Erez Israel zustande gebracht. Das ist für so schwer um die Existenz ringende Menschen, wie wir Juden es vielfach in der Diaspora heute sind, verleumdet und verfemt von Hassern und im Selbstgefühl unsicher geworden, ein ungeheures Erleb-