Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 Z I 0 N Nr. 1/2 offenbare Ende. Bald kommt dann die Erlösung, daß Israel in sein Land zurückkehrt". Doch die Verwirrung hört noch nicht auf, noch wird nicht Friede sein, und wenn auch nur unter den Weisen der Zeit. Auf den Ausspruch R. Abbas folgt ein anderer Ausspruch von der Erlösung, ein bedrückender und beängstigender. Was heißt das: „Denen, die aus- und einziehen ist kein Friede vor dem Feind?" Raw sagt: auch den Weisen, von denen es Friede heißt, denn es steht: „Steter Friede sei mit denen, die meine Lehre lieben", ist kein Friede vor dem Feind. Groß ist die Verwirrung auch in unserer Zeit. Nur die Worte der Weisen sind tiefer als das Meer und leuchtender denn der Kristall. Esra ließ in Babylon das „feine Mehl" und nahm den „groben Schrot" mit. Weshalb? Raschi lüftet die Enden des Schleiers: „Von den n^.tra fand Esra unter den Heimkehrenden niemand, denn diese saßen in Babylonien in Ruhe und Gesichertheit, die Heimkehrenden in Jerusalem aber waren in Armut und mühseliger Arbeit und in Furcht vor allen, die sie umgaben". Raschi, zunächst nur Erklärer, ist doch auch ein großer Historiker und Erzieher, ist auch Dichter. Er kann das Bild der Heimkehrer in Jerusalem in einer kleinen Zeile zeichnen. „Die waren in Armut und mühseliger Arbeit und in Furcht vor allen, die sie umgaben". Dieses ist die Größe in der Einfachheit, in der Erklärung. Hier ist der Gegensatz zwischen der Gesichertheit Babylons (lies auch Frankfurts, Munkaez' u. dergl.) und zwischen der Armut, der Mühsal und der Furcht in Jerusalem. Dieses ist das Geheimnis. Dieses ist der Grund. Für die Gesichertheit ist das Feinmehl gut. Für Armut, Drangsal, Furcht da braucht man groben Schrot. Esra brachte den groben Schrot. Es waren unter ihnen Massen, die den Sabbath entweihten, n^ro, die fremde Frauen nahmen. Was tat Esra? Rief er dieser Kreise wegen die Hilfe des Feindes an? Nein. Sandte er Proteste an die Diaspora, an das Feinmehl in der Diaspora? Nein. Nicht dieses ist der Weg Esras und der Seinen. Dieses ist der Weg der Zerstörung. Esra und die Seinen wählten den Weg der Volkserziehung, der Arbeit nach innen. Sie wußten, daß dieses ein langer Weg war. „Die Arbeit ist nicht für einen Tag noch für zwei. Denn wir haben sehr gesündigt." Aber es ist der einzige Weg, der nach oben führt. Alle anderen Wege tragen das Verderben in sich. Man mag von mir sagen, was man will. Ich kann aber nicht an die aufbauende Kraft glauben, wenn das nSo für sich allein bleibt. Und ich glaube nicht an die ausbauende Kraft der Trennung, sei sie von rechts oder von links. Und ich glaube nicht an die aufbauende Kraft der Protestschreie, der Beschimpfungen. Ich glaube nicht an die Negation. Wenn diese negierende Seite in all den Jahren es nicht einmal vermocht hat, eine einzige Kolonie im Lande zu bauen, so ist es ein Zeichen dafür, daß ihr die Kraft zum Aufbau fehlt. Ich glaube an den Geist der Bejahungen die Macht des Aufbaus, an die Einheit des jüdischen Volkes. Kommt und schauet! Als Chanani und die Seinen aus Judäa zu Nehemia nach Susan kamen, da erzählte er nicht von der Entweihung des Sabbath und nicht von den fremden Frauen und andere innere Mängel. Er sagte nichts Schlechtes von den Heimkehrern. „Wer verleumdet, der ist Narr". Er erzählte: „Die übrigen ... dort im Lande sind in großer Not... und Schmach ... und die Mauern Jerusalems sind zerbrochen, und ihre Tore in Feuer verbrannt". Er erzählte über die Lage des Aufbaus, und sonst nichts. Der Widerhall dieser Dinge allein bleibt uns zur Erinnerung in unserer heiligen Schrift. Dieses ist der Widerhall von damals. Dieses war damals die Verbindung zwischen Heimat und Diaspora. Abermals erinnere ich mich an R. Elieser: „Wir haben gelernt". Es saß einer vor R. Elieser und las: „Tue kund der Stadt Jerusalem alle ihre Greueltaten!" D. h. er hielt fest an. der Methode der Negierung. Er sprach Uebles von Jerusalem. Dieses Mal aber schwieg R. Elieser nicht, sondern sprach: „Bevor Du die Greuel Jerusalems untersuchst, mache Dich auf und untersuche die Greuel Deiner Mutter". Eine recht scharfe Abfuhr. Ja, die Worte der Weisen sind tiefer als das Meer und leuchtender denn Kristall, leuchtend für ihre Zeit und alle Geschlechter. Im Traktat „Rosch Haschanah" 13 steht: „R. Josi im Namen R. Simons, wie macht er' s? Er sammelt alles auf einen Haufen, so gibt er Maaßer und Truma von Neuem auf das Neue und von Altem auf das Alte." Zunächst will es so aussehen, als würde die Rede hier nur von den Priesterabgaben und Zehnten gehen. Das Licht in den Worten leuchtet aber auch über unsere Frage. Auch in unserer Frage müssen wir das Ganze in eine gemeinsame Scheuer einsammeln, eine Scheuer sei für Altes und Neues. Keine Trennung. Das ist der eigentliche Sinn der „Versammlung". "D<yttni n^is'a trpm« : m — -nax Nicht Feinmehl allein, nicht Grobschrot allein, nicht neuer Jischuw für sich, nicht alter jischuw für sich. Hier ein Hinweis, ein Stützpunkt auch für unsere Frage und unsere Verwirrung.