Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133276-3139319-3139320--0602-3140041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 1/2 Z I 0 N Seite 5 gern. Es wird keine künstliche Einengung und Selbstbeschränkung des Judentums auf die eigenen Werte wie im Mittelalter bedürfen, sondern das Judentum wird in der Lage sein, frei und freudig in den geistigen Austausch mit den Kulturgütern der fremden Nationen zu treten. Das Judentum kann und soll diese Werte in sich aufnehmen, wie es dazu berufen ist, seine Wertungen und seine Maßstäbe, die Schöpfungen seines Geistes in den Strom der allgemeinen Kultur fließen zu lassen. Als Am olam, das Volk der Ewigkeit, wird es zugleich ein Am olam werden, das der ganzen Welt seinen geistigen Stempel aufdrückt. Der Anwendung der Halacha auf die Fragen der Gegenwart hat Nobel folgerichtig seine besondere Aufmerksamkeit zugewendet und bekanntlich in der Frage des Frauenwahlrechtes und vielen anderen von den sonstigen Meinungen einen abweichenden Standpunkt eingenommen. Es kam ihm darauf an, zu beweisen, daß die Halacha dazu berufen ist, nicht nur das Leben des Einzelnen zu regeln, oder als Richtschnur konventikelhafter Separatgemeinden zu dienen. Die jüdische Gemeinde ist nur dann eine Volksgemeinde, wenn sie die Halacha zum Ausgangspunkt des Gemeinschaftsgedankens nimmt. Nur aus den Wurzeln der Halacha kann im Rahmen der Gemeinschaft die Stellungnahme zur sozialen Frage gewonnen werden. Religiöse Gemeinschaft auf dem Boden des jüdischen Religionsgesetzes stehend ist die soziale Gemeinschaft schlecht weg. Das Judentum hat als erste Gemeinschaft die Gleichberechtigung jedes Volksgenossen, Fremdenliebe statt Fremdenrecht verlangt, hat das Recht des Arbeiters, nicht dem des Arbeitgebers gegenübergestellt, sondern beiden ihren Anteil am Recht G'ttes gegeben, Nin d^nS tsEtran >r. Der Erforschung jüdischen Rechtes haben daher, besonders (Nobels wissenschaftliche Arbeite;n [gegolten. Die jWiederherstellung des jüdischen Rechtes als Faktor der jüdischen Gegenwart ist von Nobel als erstem im Rahmen des zionistischen Programms gefordert worden. Jüdische Arbeits- und eng damit verbunden, jüdisches Bodenrecht muß eine der Grundlagen des wiederaufzubauenden Palästina werden; da beide integrierende Bestandteile der Halacha sind, und lediglich unter dem Einfluß der Diaspora bis zu dem jetzigen Grade verkümmern konnten. Die Anwendungen der Halacha auf alle Gebiete des öffentlichen Lebens wird dem Zionismus allein die sichere Grundlage für seine Entscheidung in allen praktischen Fragen geben, wird allein imstande sein, die Gegensätze zwischen einzelnen jüdischen Gruppen zum Verschwinden zu bringen, und die moralische Grundlage für seine Forderungen gegenüber anderen Nationen zu legen, frei von Haß und Selbstverherrlichung! Der deutsche. Misrachi hat es aus organisatorischen Gründen für nötig gehalten, aus dem Weltmisrachi auszuscheiden. Mit dieser größeren Selbständigkeit ist der deutsche Misrachi vor die Aufgabe gestellt, gegenüber anderen zionistischen Gruppen in Deutschland sein eigenes Programm zu verkünden. Verkünden wir es nicht nur im Sinne Nobels, sondern versuchen wir es in die Tat umzusetzen, und wir werden, dessen sind wir sicher, die Führung des deutschen Zionismus erlangen. Besonders die Jugend rufen wir auf, nicht bloß die misrachistische, sondern die ganze zionistische Jugend, sich mit unserem Programm auseinanderzusetzen. Wir sind überzeugt, daß. wie sie sich zu Lebzeiten Nobels nicht dem Zauber seiner Persönlichkeit entziehen konnte, sie auch nach seinem Tode sein Programm zu dem ihrigem machen wird. Der jüdischen Jugend Deutschlands, der seine restlose Liebe galt, rufen wir zu: Kommt und folgt uns auf den Spuren des Meisters, daß in und durch uns die Halacha wiederum zu Haiichaus werden, die jüdische Religion zur Bahn unseres Wanderns, Zeit ist's. Von R. Benjamin, Jerusalem. (Uebersetzt mit Genehmigung des Verfassers aus dem ,,Hahedu, Heft 1, Tischri 5692, von N. L.) ".rvS rr:riNT xm "'nt xr,i3T — tonn. (.ro n:crn rxi) I. Im Ausland hat Raw Berlin einmal gesagt, ihm sei ein unreligiöser Jude, der in Erez Israel wohnt, lieber als einer in Chuz Laarez. Nur das kann der Sinn dieser Worte sein: so wie ein frommer Jude, der an allen mixa festhält und in Erez Israel wohnt, höher steht als ein Frommer in Chuz Laarez, weil der erstere zu allen rvxa auch die >-x 21s" msa erfüllt, so ist auch ein nichtreligiöser Jude in Erez Israel, der sich um den Aufbau des Landes müht, an Leid und Freud des Landes teilnimmt und von seinem Einflüsse durchtränkt wird, zu mindesten einem ihm gleichen (i. e. nichtreligiösen Juden) in Chuz Laarez vorzuziehen, hält er doch wenigstens an der einen msa, des Lebens in Erez Israel, fest. Der „Israelit" (Nr. 30) erblickt in der obigen Anschauung einen tragischen Irrtum. Alle Großen