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Zion · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
4 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 Z I 0 N Nr. 1/2 dentums zur Weltkultur beteiligt gewesen, mit dem die Aufklärung und die Emanzipation an das Judentum. herantrat. Wlie Napoleon das Synhedrion, so stellte die Emanzipation das gesamte Judentum vor die Frage, ob es in j der bisherigen Isolierung beharren, oder seine Eingliederung in die Weltkultur vornehmen wolle. Die Antwort des gesamten west- und mitteleuropäischen Judentums war die Reform. Ueberblickt man den Kreis der Reformer, so läßt sich unschwer eine kontinuierliche Linie ziehen von Friedländer und Jacobsohn, von Geiger und Holdheim über Grätz und Frankl bis zu Samson Raphael Hirsch und Esriel Hildesheimer. Diese unterscheiden sich nicht prinzipiell, sondern nur etappenweise von den ersteren Reformen. Glaubte die Reform den Baum des Judentums radikal abhauen zu dürfen, in der Erwartung, daß aus der alten Wurzel auf dem mit so viel Freiheit getränkten Boden ein neuer Stamm erstehen würde, der den Stämmen der übrigen Kulturen völlig gliche, so glaubte Samson Raphael Hirsch das Judentum mit der Weltkultur verpfropfen zu können. Ueberblickt man, bald 50 Jahre nach seinem Tode, inwieweit dieser Versuch geglückt ist, so wird man zugeben müssen, daß es der Losung „Thora im Derech Erez" nicht gelungen ist, die Herrschaft im deutschen Judentum zu erobern. Zwar leben die von Hildesheimer und Hirsch begründeten Institutionen zumeist noch heute, aber der Einfluß der orthodoxen Richtung besteht im Wesentlichen in der Funktion eines Zügels am Pferde der Reform, die ohne diese Zügelung vielleicht gänzlich im Abgrunde versunken wäre. Will man nicht die Zahl der Anhänger sondern den Erfolg als Maßstab gelten lassen, so wiegt es noch schwerer, daß die Losung Thora im Derech Erez sich als geistig unproduktiv erwiesen hat. Sieht man von den Werken Samson Raphael Hirschs ab, sowie von den Werken einiger Schüler Hildesheimers, so vermißt man, jede geistige Leistung, die der von Hirsch und Hildesheimer inaugurierten Richtung eine bleibende Position innerhalb der jüdischen Geschichte sicherte. Mit dem ausklingenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert erteilte das Judentum unter dem Einfluß der Pogrome im Osten und des Antisemitismus im Westen eine neue Antwort auf die Frage nach seiner kulturellen Eingliederung. Das Judentum kann sich nur als Kollektivum eingliedern unter die Kollektiva der übrigen Völker. Das Judentum ist, sagt Theodor Herzl, eine durch die gemeinsame Geschichte und durch den gemeinsamen. Feind zusammengehaltene Gruppe. Die Eingliederung kann demgemäß nur durch die Verleihung der nationalen Rechte an dieses Kollektivum erfolgen. Daraus ergibt sich die Forderung des Judenstaates und der nur ungern erfolgten Einschränkung auf das Kompromiß „der öffentlichen, rechtlichen gesicherten Heimstätte in Palästina". Die Wiederherstellung der jüd. Kultur, u n das Judentum als Kulturgemeinschaft den übrigen Kulturgemeinschafte:i gleichberechtigt einzugliedern, ist die Forderung Achad Haams; National-kulturelle Autonomie in den Ländern jüdischer Massensiedlung ist für Dubnow die Folgerung aus dem Gange durch die jüdische Geschichte. Die hier genannten, in ihren Einzelheiten als bekannt vorausgesetzten Ideologien bilden den Hintergrund für die von Anton Nehemias Nobel entwickelte Ideologie. Am nächsten schließt er sich Achad Haamm an. Achad Haam unterläßt eine genaue Umschreibung des Begriffes der jüd. Kultur. Jüdische Kutur, das heißt für Nobel die Auswirkungen des jüd. Religionsgesetzes auf die Lebensgestaltungen des Einzelnen und der Gesamtheit. Wenn Bialik ganz kürzlich in seiner Rede die Herstellung eines neuen Schulchan Aruch für das Judentum forderte, so kommt er mit dieser Forderung sehr wesentlich dem nahe, was Nobel unter der Verlebendigung der Halacha verstand, die Diaspora ist nicht nur das Siechtum des nationalen, sondern auch des religiösen Gedankens, wie ja der Begriff der jüd. Nation eine Funktion des religiösen Begriffes ist. Erst die Wiederherstellung des religiösen Eigenlebens würde es dem Judentum ermöglichen, seinen Platz in der Gemeinschaft anderer Gemeinschaften einzunehmen, von denen es sich durch die Verhaftung des religiösen Gedankens an einen nationalen Organismus unterscheidet. Erneuerung der hebr. Sprache, die Nobel ebenso meisterte wie die deutsche, kann daher nur eine unter vielen Forderungen sein, die die Erneuerung des Judentums gebieterisch erheischt. Die Erneuerung des religiösen Eigenlebens ist nicht im Galuth möglich. Es bedarf — wie sich Nobel in seiner herrlichen Sabbathrede ausdrückt -.- des mütterlichen Bodens des heiligen Landes, um die Zäune des Gesetzes wieder zu lebendigen Hecken werden zu lassen. Erst in Palästina kann die Halacha wieder zur Richtschnur des Lebens werden, erst dort wieder ihre volle schöpferische Kraft zur Entfaltung bringen; nicht die Halacha ist tot, sondern das Judentum ist in der Diaspora erstarrt und bedarf der Erweckung durch den warmen Hauch, der sich in Palästina erneuernden Halacha. Aus der religiösen Verlebendigung wird von selbst die nationale Aufnahmefähigkeit sich stei-

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