Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 12 (12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 119 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Z I 0 N Seite 119 Delegiertentag des Zaire Mlsrachi. Am 25., 26. und 27. Dezember fand in Frankfurt a. M. der Delegiertentag des deutschen Zeire Misrachi statt. Es hatten sich 35 Delegierte aus den Gruppen Berlin. Breslau, Chemnitz, Dortmund, Dresden, Essen, Frankfurt, Gehringshof, Hamburg. Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Magdeburg, Plauen eingefunden. Der Delegiertentag hatte sich im wesentlichen mit 2 Problemen zu beschäftigen, mit der Richtung seiner künftigen Arbeit und seinem Verhältnis zur Brith Olamith schel Zeire Hechaluz we Hapoel Hamisrachi. Zum 1. Punkt wurde ein einleitendes Referat von Chavver Julius Rosenbaum, Frankfurt, gehalten, in welchem er die Ansicht vertrat, daß eine entschiedene Umstellung des Zeire Misrachi erfolgen müsse. Die aktiven Chawerim des Zeire Misrachi sollten mit der Führerschaft des Brith Hanoar und dem Brith Hanoar zusammen den eigentlichen Bund ausmachen und diejenigen Chawerim, denen aus irgendwelchen Gründen eine aktive Arbeit nicht möglich ist, sollten innerhalb der Unabhängigen Misrachi Landesorgansat'on Deutschlands tätig sein. Demgegenüber wurde von Erich Michaelis die Ansicht vertreten, daß zwar die Kritik Rosenbaums, die ihn zu seiner Ansicht geführt hat, in einigen Punkten zutreffen 'möge, daß aber der von ihm vorgeschlagene Weg aus praktischen Gründen scheitern müsse. In Bezug auf das Verhältnis zur Brith Olamith wurden gleichfalls 2 Thesen vertreten. Während Benno Offenburg für einen sofortigen Austritt aus der Brith Olamith eintrat, verlangte Eugen Michaelis, daß zum letzten Mal ultimative Forderungen an die Brith Olamith gestellt werden sollten, für deren Durchsetzung wir auf der nächsten Weltkonferenz zu kämpfen hätten. Erst bei deren Ablehnung durch die Konferenz hätten wir"*'das Recht, einen Austritt zu vollziehen. Der Bundestage verlangte in Anerkennung der Rosenbaumschen Kritik eine entschiedene Belonung der Erziehungsarbeit gegenüber der Beschäftigung mit poetischen Fragen. Das kam auch in einer Resolution zum Ausdruck, die vom Delegiertentag einstimmig angenommen wurde. — Die Abstimmung über die zweite Frage des Bundestages entschied mit 19" zu 8 Stimmen bei 8 Stimmenenthaltungen für ein sofortiges Verlassen der Brith Olamith. Unser Verhältnis zum Hapoel Hamisrachi soll, trotz seiner Zugehörigkeit zur Brith Olamith, weiter erhalten bleiben. Wir wollen weiterhin uns als Nachwuchsbewegunw des Hapoel Hamisrachi betrachten und 'sein Werk durch unsere Arbeit unterstützen. Der Bundestag wählte eine neue Leitung bestehend aus den Chawerim Benno Offenburg (Brith Hanoar Arbeit). Herbert Stein (Bundesblätte'- und Kulturarbeit). Isi Eisner (Organisat'on), Ernst David (Finanzen), Heinz van Cleef (Keren Thora wa Awoda). Sch. J. Agnon. Von Dr. E. M. Lipschitz. (Schluß). Wenn er über die Jugend unserer Zeit spotten will, zeigt er ihr Spiegelbild in der Sprache des vergangenen Geschlechtes, . und ihre ganze Leere enthüllt sich. Auch in Erzählungen aus früherer Zeit spielt manchmal heilerer Scherz hinein, selbst wenn sie in ihrer Schwere fast unerträglich lasten, und der Scherz stört nicht. Immerhin wirken Schärfe und Zuspitzung der Wortbilder immer erheiternd. Agnons Stil hat seine bestimmte Umgebung in jeder seiner Schöpfungen, er hat nicht immer den gleichen Ausdruck, und so hat sein Stil seine Epochen, seine Geschichte. Nachdem Agnon sich einen Stil der Vergangenheit geschaffen hatte, kam die Stunde, da dieser Stil ihm nicht mehr zusagte, da er den Widerhall seiner eigenen Stimme nur noch schwach aus ihm heraushörte, weil andere seine Redewendungen abnutzten. So entledigte er sich seines ersten Stils, und weil er das tat, bevor er alt wurde, gelang es ihm noch; seine Stimme klingt jetzt wie aus der Zeit der Agadah, er prägt Sätze, die im Midrasch geschrieben stehen könnten. Da erscheinen Worte und Sprachwerte, die auch dem Geschlecht seines Großvaters neu gewesen wären. Und schon früher hatte er mit großer Kunst Gleichnisse verwertet: „Es gleicht dem Meister, der für den König eine Krone herstellt; schmückt er sie nicht mit Edelsteinen und Perlen?" (Gleichnisse in R. Raffael, der Thoraschreiber" und in „der Verstoßene") Die Anwendung der Gleichnisse in seinen Erzählungen scheint eine Kunst für sich zu sein. An entscheidenden Stellen seiner großen Erzählungen, wenn die Handlung auf ihrem Höhepunkt angelangt ist, unterbricht er sich durch eine Geschichte oder durch einen Scherz. („Und das Krumme wird gerade": die Geschichte von dem frommen Dukatendieb und der Scherz vom Bettler am Tische R. Aensels von Stryj.) Dieser Stil verlangt das Gleichnis. Die Sprachelemente sind aus Beraitoth geholt, aus Midraschim, Mussarbüchern und anderen Büchern der Frommen, er weiß es, neue Wortschätze zu entdecken, neue Formen, der Reichtum seiner Persönlichkeit formt diesen Stil. Und jetzt zuletzt ist ihm in den Sagen eine Epoche der Einfachheit, beschert, sein Stil geht Hand in Hand mit der Einfachheit des Inhaltes. Er entfernt sich von jeder sprachlichen Gebärde, flieht vor Weichlichkeit und vor Sprachgewohnheiten. Jetzt spricht er Sätze aus, die geprägt sind, als ob sie aus alter Zeit stammen. Seinem Stil charakteristisch ist Rhythmus und Gleichmaß, und jeder Abschnitt seines Schaffens hat seinen eigenen Rhythmus. Da gibt es das gehobene Gleichmaß der pathetischen Sprache, den schleudernden Schritt der Volkssprache, die Zuspitzung ineinander geschachtelter Sätze, Sprachwendungen, die immer mit dem Ende anfangen, alltäglich einfache Redeformen. Er weiß die Wortelemente zu jedem neuen Werk zu wählen. Eins seiner Stilmittel ist das Responsion, wie jederzeit im Volksstil; er kennt das Geheimnis des Responsion, des gleichmäßigen und des abwechselnden. Sicherlich unabsichtlich ist er manchmal zu biblischem Vermaß gekommen, zur biblischen Skandierung (gleiche Zahl betonter Silben im Vers), manchmal bedient er sich des deutlich fühlbaren Metrum, manchmal des Parallelismus. Er entzieht sich mitunter auch nicht dem Prosareim (der dem Volksstil ja eigen i-^t) Manchmal stört er absichtlich die Harmonie des Versmaßes, damit es dem Leser nicht zum Bewußtsein komme, und damit es nicht gezwungen