Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 1-2 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133276-3139326-3139327--0452-3139946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 20 Z I 0 N Nr. t/2 und religiösen Gesichtspunkten erwogen. Die zahlreichen Vorschläge wurden genau geprüft. Zum Schluß überzeugten sich die Delegierten, daß in jedem Falle die Schwierigkeiten und Schäden viel größer wären als der Nutzen. So kam es, daß der Beschluß ein negativer war. Bereits früher hatte sich auf Einladung des Ministers der nationalen Erziehung in der königlichen Akademie eine Kommission gebildet, welche ebenfalls die geplante Reform einstimmig zurückgewiesen hat. vor allem die Einführung der Blankotage. In anderen Staaten haben sich analoge Kommissionen aus gleichen Gründen gegen die Reform erklärt. Wenn es auch schwer ist, die Zukunft vorauszusehen, so läßt doch alles darauf schließen, daß die Reform des Kalenders bald definitiv zu Grabe getragen sein wird." Dazu bemerkt der We lt verband für S a bbath schütz „Srhomre Schabbos'-: Wir sind nicht der Meinung, daß die Judenheit sich dem gleichen Optimismus hingeben darf, für sie steht zu viel auf dem Spiel. Die letzte Entwicklung deutet jedoch, darauf hin. daß der Kampf gegen den Blankotag keineswegs aussichtslos ist. Bucherbesprechung. Zur hebräischen Ausgabe der „Jüdischen Familienpapiere.*) Das 19. Jahrhundert erscheint der gegenwärtigen Generation als das Jahrhundert der Assimilation schlechthin. Man begreift, daß Menschen, vor deren Augen Jahrhunderte alte Mauern einstürzten, die ihnen den Weg zur übrigen Menschheitskultur versperrt hatten, kein höheres Ziel' kannten, als sich mit voller Seele dem neuen Leben hinzugeben, das in seinem Reichtum sich vor ihnen auftat. Man glaubt, daß im Ueberschwang des Glücksgefühls über die neugewonnene Freiheit der Jude kritiklos die Güter der Kultur der Völker übernahm und mit einer gewissen inneren Notwendigkeit zur Ueberschätzung der fremden und Unterschätzung der eigenen Werte kommen mußte. Daß dies keineswegs immer der Fall gewesen ist, lehrt in eindringlichster Weise das 1868 erschienene Hauptwerk des Dichters Dr. Wilhelm H e r z b e r g, die ..Jüdischen Familienpapiere"', die vor wenigen Monaten von der von ihm gegründeten Jeruscholajim- Loge in Gemeinschaft mit der palästinensischen Großloge in hebräischer Sprache herausgegeben worden sind. In diesem Werke wirft Herzberg der europäischen Kultur den Fehdehandschuh zu. Er will das Judentum. Thora und Tradition, in seiner Größe darstellen. Dieses Judentum ist bedroht, seit 2000 Jahren verlästert und verdunkelt durch das Christentum. Darum tritt er mit heißer Seele, mit der Schärfe des Geistes und der Fülle seines überlegenen Wissens, in den Kampf gegen das Christentum ein. Nicht alles, was dieser Wahrheitssucher gegen die europäische Kultur vorträgt, steht auf gleicher Höhe, manches, was er zur Verherrlichung des Judentums sagt, bedarf der Ern'OJiina D"iay-nne»o *ana : aiamn dShS'i th (* ^SjrrrotrS rNSinn rirra m h"t dvb S«*n» n'-ay1? nat^i *"N2 Tina «aa* pin mw«S T' isdd nSvun pnn /dSipw .o'tewa "D*hviis~. gänzung — aber wie er seinen Kampf führt und wie er den Gegenstand seiner Liebe und Verehrung darstellt, das zeugt von einer Kraft der Hingebung und von einer Verbundenheit mit der Sache des Judentums, daß niemand ohne innere Bereicherung das mit hohem dichterischen Schwung geschriebene Werk lesen wird. Uebersetzer und Herausgeber haben sich ein nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst damit erworben, daß sie das Original, dessen Gedanken in Inhalt und Form ihren prophetischen Vorbildern nahekommen, in der heiligen Sprache in getreuer, verständnisvoller Anlehnung an den deutschen Text der jüdischen Wdt von heute zum Geschenk gemacht haben. Die palästinensische Großloge und die Jeruscholajim-Loge haben sich selbst geehrt, indem sie dieses Monument der Pietät und Dankbarkeit errichteten. Herzberg ist durch sein Werk einer der Führer des Judentums im 19. Jahrhundert geworden. Von David Kaufmann der jüdischen Ocffentlichkeit nahegebracht, hat das Werk eine ganze Generation erzogen. Die Aufgabe, der Herzberg seine Kraft gewidmet hat, ist jedoch nicht abgeschlossen. Die Auseinandersetzung zwischen Judentum und europäischer Kultur ist auch heute ein ernstes Problem, am ernstesten vielleicht in Erez-Israel, dem Herzberg vierzehn Jahre lang unvergessene Pionierdienste geleistet und dessen Wiederaufbau in unserer Epoche er prophetischen Geistes geahnt hat. Möge die Hebräisch lernende Jugend, möge vor allem die Jugend von Erez-Israel an der reinen Quelle, die in den ..Jüdischen Familienpapieren" fließt und in emsiger, mühseliger Arbeit von neuem ausgegraben worden ist. ihren Durst nach Erkenntnis des Judentums stillen und sich an der Glut des Enthusiasmus entzünden, die in diesem aus jüdischer Seele geschriebenen Werke lodert. Dr. Adolf Ja>-obus. Aufruf. Am 30. Januar 1927 beging die jüdische Welt den 100. Geburtstag Dr. Wilhelm Herzbergs. Aus Anlaß dieses Gedenktages veranstaltete die Jeruscholajim-Loge. deren Gründer Dr. Herzberg war, in Verbindung mit dem 1. palästinensischen Distrikt der Großloge U. O. B. B. eine Uebcrsetzung seiner ,,Jüdischen Familiehpapierc" in die heilige Sprache. Das Werk des toten Dichters ist vor wenigen Monaten in seinem neuen Gewände erschienen. In Brüssel aber lebt, von schweren wirtschaftlichen Sorgen bedrückt, seine Witwe deren Lob als jüdische Frau und Mutter einst Prof. David Kaufmann gesungen hat. Am 28. Februar dieses Jahres vollendet Frau Dr. Herzberg ihr 80. Lebensjahr. Das unterzeichnete Komitee b:ttet herzlich, der Wtiwe des Dichters zu gedenken und sich an einer Ehrengabe zu beteiligen, die ihr am 80. Geburtstag überreicht werden soll. Spenden wolle man gütigst auf das „Dr.-Wilhelm-Herzberg-Sammlungskonto", Bankhaus Gebr. Ginsberg. Berlin W 8, Jägerstraße 13, überweisen. Prof. Dr. Freiraann, Frankfurt a. M., Rabb. Dr. Grunwal d, WTien. Rabb. Dr. I. Horovit z, Frankfurt a. M., Prof. Dr. Simonsen, Kopenhagen, Frau Geheimrat Barth, Prof. Dr. E1 - bogen, Frau Rabb. Dr. Eschelbacher, Rabb. Dr. Freimann, Ministerialrat Hans Goslar, Dr. Meier Hildesheimer, Dr. Adolf J a c o b u s. Geheimrat Prof. Dr. Rosin, Rabb. Dr. Weiße. Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Verlag des „ZION": Aluander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. — Druck: Itzkowsld & Co., Berlin N 24, Auguststr. 69.