Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 103 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 ZION Seite 103 Synagoge schon infolge ihrer äußeren Lage im Mittelpunkt der Stadt zum Zentrum des Thoralernens in Tel-Aviv geworden sei. Weiterhin wurde betont, daß die zahlreichen liberaler gerichteten Mitglieder der Gemeinde Tel-Aviv anders als in den Ländern der Diaspora selbstverständlich in Erez- Israel darauf verzichtet haben, etwa gottesdienstliche •Reformen einzuführen oder auch nur zu fordern; der streng orthodoxe Gottesdienst der großen Synagoge ist vielmehr der einzig vorhandene und maßgebende. Auf der anderen Seite herrscht hier, schon durch die hebräische Vortragssprache, eine innige Verbindung mit dem neuen Jischuw, so daß man die hier entstehende Synthese als identisch mit der vom M i s r a c h i erstrebten ansehen könne. Besonders beifällig wurde die Feststellung eines Redners aufgenommen, daß diese Synagoge als Tel- Avivs höchstes Haus eine halachische Bestimmung erfüllt, nach der das Dach des Gotteshauses allei anderen Dächer der Stadt auch schon äußerlich überragen muß. In vielen aktuellen Anspielungen auf die heutige Situation kam die Hoffnung zum Ausdruck, daß auch diese „Große Synagoge" nur ein „kleines Heiligtum" als Vorbereitung des größeren Baues sein werde. Es darf noch nachgetragen werden, daß sich infolge dieser würdigen Festlichkeit das Interesse der Bevölkerung für die Synagoge noch weiter gehoben hat, was sowohl im Besuch des Gottesdienstes wie in dem der Lehrvorträge erfreulich zum Ausdruck kommt. Was ist uns eigentlich Zion? Von Dr. Abrain m S c h 1 e s i n g e r, Buchau a. F. I. Vor einiger Zeit hatte Rabbi B i n j a m i n an seine misrachistischen Gesinnungsfreunde, besonders in Deutschland, unter anderen bemerkenswerten Ausführungen die Gewissensfrage gerichtet: Was bedeutet euch eigentlich Zion? Warum redet ihr von Palästina und bleibt in der Diaspora? Warum kommt ihr nicht jetzt, wo es am nötigsten wäre, nach Erez-Israel. um es im Geiste des überlieferten Judentums aufzubauen? Ist euch das Gallith eine dauernde Einrichtung und Zion „nur ein ferner Traum und ein Spielzeug der Seele"? i) Oskar W o 1 f s b e r g s Erwiderung, daß die Misrachiführer ihre Diaspora-Wohnländer heute noch nicht verlassen dürften, übrigens jedoch die Hachscharah und Alijah der religiös-zionistischen Jugend in Deutschland neuerdings mit größerem Eifer betrieben werde 2), veranlaßte Rabbi Bini)„Hahed", 5. Jahrg., Nr. 5; „Zion", 2. Jahrg., Nr. 2. 2) „Zion", 2. Jahrg., Nr. 4, j a m i n zu einer zweiten Veröffentlichung, die darlegt, gerade das Wesentliche seiner Frage sei umgangen worden: „Ihr Deutschen, amerikanischen und sonstigen Mjsrachisten — ist Zion eure Heimat oder nicht? Gibt es für ein Volk, für einen Menschen zwei Heimatländer oder nur eines? Kann man zugleich zwei Heimaten haben? . . Ist die Fremde eine zeitweilige, begrenzte, beschränkte Erscheinung oder eine dauernde und teste?" 1) Obwohl vorzugsweise an den deutschen Misrachi gerichtet, hat die Frage für den Zionismus überhaupt grundsätzliche Bedeutung. Sie geht auf den Kern der ganzen zionistischen Theorie und zeigt mit besonderer Deutlichkeit, wie sehr dieser gegenwärtig eine neue Gesinnung not tut. Wie stehen wir zum Gallith? Was wollen wir in Zion? Was fordert von uns der Zionismus? Nicht einmal mehr darüber sind wir uns klar! Es bleibt keine Wahl, wir müssen wieder von vorn anfangen. II. Wie stehen wir zum Gallith? Konkreter und dringlicher gesprochen: gilt dem Zionisten. dem. Misrachisten. sein Diaspora-Wohnland als Heimat oder als Fremde? Gehen wir von dem hebräischen Wort aus, das auch Rabbi B i n j a m i n gebraucht. M o 1 c - deth (Zeitwort jalod), genauer erez moledeth, bedeutet Geburtsstätte. Geburtsland. Damit ist im Grunde schon das Wesentliche aufgehellt. Ich kann nur ein einziges moledeth haben, nur ein einziges Geburtsland. Bin ich in Deutschland geboren, so ist Deutschland mein erez moledeth, mein Geburtsland, meine Heimat, mein Vaterland oder welche Uebersetzung man sonst wählen mag. Selbst wenn meine Eltern vor meiner Geburt aus der Fremde hierher eingewandert wären, aus fremdem Volk, mit fremder Sprache, fremder Religion, fremder Sitte, bliebe dennoch Deutschland mein Geburts-, mein Heimatland. Das Beispiel zeigt aber deutlich, daß d e r F rage n a c h dem moledeth gar nicht o h n e weiteres die W i c ht i g k e i t zukommt, die ihr gewöhnlich z 11 g e s c hriebe n w i r d. Ihre Beantwortung allein entscheidet durchaus nicht schon dambet, wohin ich meinem ganzen und eigentlichen Wesen nach gehöre. Die Individualität eines Menschen bestimmt sich keineswegs nur durch die Geographie, die Umwelt und ein noch so starkes Einleben in sie, sondern außerdem durch vielerlei andere Faktoren, wie Religion. Abstammung, geschichtliche und Familienüberlieferung, den Inbegriff dessen, 1) „Hahed". Nr. 9. Zur ganzen Fragestellung vergl. übrigens auch Ab r. S c h w adron in „Moznajim", 1. Jahrg., Nr. 49, 50, S. 5 ff.