Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 94 Z I 0 N Nr. ° verächtliche Frohn, gegen dahinschwindende Dinge, vergängliche Freuden, die Leib und Seele zusammen verzehren, die uns dienstbar machen eitlen und unnützen Gedankengängen und Phantasien. Diese gesteigerte seelische Kraft erhebt den sonst sc» getrübten Menschengeist, den Gott der Wahrheit zu erkennen, ein Vollbringer von Wahrheit und Gerechtigkeit zu sein. Versunken sind wir an allen Tagen der Woche in Arbeit und Dienstbarkeit. Wir vergessen das Zeugnis und das Endziel, da ruft die Gottesstimme, die unserem Herzen und unserer Seele vernehmbar wird, aus: „Gedenke des Sabbathtages, ihn zu heilige n". Gedenke seiner, nachdem die Möglichkeit besteht, ihn zu vergessen. Diese Stimme erinnert uns daran, daß das stürmische und brausende Leben mit der Fülle seiner Vergnügungen und Annehmlichkeiten, mit unseren zahlreichen Siegen auf profanem Gebiet in all ihren leuchtenden Farben nicht der Zweck unserer Lebensexistenz sein kann. Doch Mittel können sie sein für den höheren Zweck und das letzte Ziel der Heiligung des Lebens, der Heiligung der Zeit und der Arbeit, des Wortes und der Gedanken. Die ganze irdische Wirklichkeit, die ganze Pracht der Natur und ihre Wunder wurden nur für den Sabbath erschaffen, der den Menschen heiligt, ihn befreit vom Joch des Lebens und seiner Dienstbarkeit, ihn erhebt zu Freiheit und seelischer Gelöstheit und ihn zu seinem Ideal und Ziel gelangen läßt. „Gedenke des Sabbathtages, ihn zu heiligen", das ist die Stimme, die unseren Ohren vernehmlich wird, die an allen Tagen der Arbeit und der Dienstbarkeit unsere Welt durchdringen soll. Alle Tage unseres Lebens werden für den Sabbathtag in seiner Heiligkeit gezählt. Sie alle sind Mittel für den heiligen und gesegneten Sabbathtag, die Vollendung des Schöpfungswerkes, seine Vervollkommnung und sein Zweck. Der Sabbath, dieses kostbare Geschenk, ist kein Tag des Müßiggangs und der Trägheit oder der Zuchtlosigkeit, des Uebermutes und trunkener Gelüste. Er ist vielmehr ein Tag der Heiligkeit und seelischer Wonne, der geehrteste von allen. Tagen, der den Menschen ehrt und heiligt. An diesem Tage versammelt sich Israel in seinen Zelten, gibt es seinen Söhnen sein liebliches Erbe, das ist seine Lehre. An ihm rufL es sich seinen reinen und treuen Glauben an den Gott der Welt in Erinnerung, an i hren Schöpfer und Bildner, ihren Lenker und ihren Führer, der von seinen Geschöpfen verlangt, daß sie rechttun und Liebe üben, Sich zu heiligen mit der Heiligkeit Gottes, der den Sabbath und Israel heiligt, die Zeit zu heiligen mit guten Taten und wertvollen Leistungen zur Vervollkommnung des Menschen in der Erlangung von Wahrheit und Gotteserkenntnis, und alle Zeit das Gute und Rechte zu tun in den Augen Gottes und der Menschen. Diese Erinnerung, die mit uns geht auf allen unseren Wegen, sie ist die Lichtsäule, die vor uns hergeht, das Dunkel des Lebens zu erhellen, die Trunkenheit des Verlangens und die Gelüste des Herzens zu dämpfen und uns ein ewiges Leben zu verleihen. Doch jedes Gedenken, das nicht an eine Tat geknüpft ist, gleicht einer unsteten Seele, die in der Luft schwebt, und im wirkenden und wirklichen Leben, im Leben der Menschheit und des Menschen einen Halt begehrt. Gedenken und Hüten sind in einem Worte gesprochen worden. Die erhabenen Ideale, die im Gedanken erreicht und uns in der Idee erinnerlich sein sollen, sie sind, wie die Flamme an die Kohle geknüpft, müssen getragen werden von wirklichen Taten und Leistungen, die den Körper für die Seele bilden. Und wenn die praktische Wahrung des Sabbaths von der in ihr enthaltenen gedanklichen Erinnerung entfernt ist, dann gleicht sie einem einbalsamierten Körper, der des Geistes und der Seele entraten muß und verlassen ist von Wort und Wirkung. Diese beiden Forderungen: Gedenke und hüte, hat Israel in ihrer Vollkommenheit während der ganzen Zeit seines Exils erfüllt. Alle Tage gedachte Israel des Sabbath und seiner Heiligkeit, und am Sabbath selber hütete es ihn nach Vorschrift, ruhte von seiner Arbeit und feierte von seiner Knechtschaft, rief Lösung und Freiheit für seine Diener, Ausruhen für sein Vieh. Es gab hochgemut Kunde von seinem nationalen Wesen in der Mitte vieler Völker, von seinem Glauben an den Gott der Wahrheit und an die Lehre der WTahrheit. Viele . sind es, die der Seele des Volkes nachstellen wollten, es auf mannigfache Art zu zwingen, seinen Sabbath zu vertauschen, und es dadurch zur Vermischung und Assimilation zu bringen. Aber Israel wußte, daß jeder, der den Sabbath antastet, damit auch seine Seele antastet. Eine Entweihung des Sabbath, der das Abbild des Judentums ist, bedeutet daher Entweihung der geschmückten jüdischen Ausprägung. So kam es denn, daß, je mehr man auf es eindrang, es zur Entweihung seines Sabbath zu zwingen, es desto mehr sich festigte, ihn zu halten, zu ehren und zu feiern. So ward der Sabbath Israels zum Wahrzeichen und zum lebendigen Vorbild für alle Völker, zu unterscheiden zwischen der Ruhe des Müßiggangs, die körperliche Zermürbung und geistige Vernichtung nach sich zieht — und zwischen der durch religiöse Ueberzeugung gewonnenen Ruhe, bei der Heiligkeit und seelische Wonne sich findet, die dem Feiernden ein starkes und inniges Verlangen und unvergleichliche Freude zurückläßt. Eine außer-