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Zion · 1930-05-01 · 5 (5.1930) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
2 (1930)
Issue
5 (5.1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 62 (sequence 8)
Language
German
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Seite 62 Z I 0 N Nr. 5 der mit Erez-Israel zusammenhängt, vernachlässigt, und sogar nicht aus grundsätzlicher Einstellung, sondern aus Ressentiment gegen den Zionismus, also nicht aus sachlichen Gründen. Unsere Auffassung vom Klal Jisrael, seinen Aufgaben und den Verpflichtungen, die er uns auferlegt, ist eine andere, als die der Agudah. Auch in dieser Auffassung steht uns( der nichtreligiöse Zionist nahe, und da wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, daß zwar' nicht die Führer der Agudah, wohl aber viele Zehntausende ihrer Anhängerschaft noch zu den Prinzipien, die uns mit allen Zionisten verbinden, hinübergezogen werden können, deshalb ist unsere Front) stärker nach rechts gerichtet als nach links. Kommfi noch hinzu, daß unser Einfluß nach links proportional mit der Verstärkung, die wir von rechts erhalten, wächst. Also ist heute der Kampf mit der Agudah für uns wichtiger als der mit den nichtmisrachistischen Zionisten. Rosenblüth meint, wir müßten uns in die Welt der nichtzionistischen Orthodoxie hineinstellen, um von dort aus den Weg zu Erez-Israel zu finden. Unmöglich, Herr Rosenblüth! Wir standen in dieser Welt, und als wir den neuen Weg fanden, traten wir ganz von selbst, ohne unser Zutun aus ihr heraus, denn jüdisch-religiöses Denken unter Einschluß des Volks- und Landgedankens ist eben eine andere Welt, als die, in der die Agudah lebt. Hinüberziehen zu dieser Welt kann man ehrliche Menschen, wenn man ihnen zeigt, wie schön und wie vollkommen, wie jüdisch und wie menschlich es in dieser Welt zugeht. Vielleicht haben wir es noch nicht erreicht, unsere Welt: so hinzustellen, daß sie die große Anziehungskraft auf Fernstehende ausübt, dann müssen wir eben an uns und an ihr weiterarbeiten. Dazu kann uns auch diese Auseinandersetzung dienen. Ich hoffe, daß, sich noch recht viele unserer Freunde an ihr beteiligen werden. Alexander Adler. Thoratreuer Zionismus. (Bemerkungen zum Artikel von Erich Rosenblüth.) Von Dr. J. L e i b o w i t z, Köln a. Rh. Die mir von der Redaktion des ..Zion" gebotene Gelegenheit, mich zu den Ausführungen von Erich Rosenblüth zu äußern, ist mir sehr willkommen. Die von Erich Rosenblüth behandelten Fragen bildeten wiederholt den Gegenstand freundschaftlicher Aussprachen zwischen Zeirc-Misrachi- und Esra-Führern, wobei die Notwendigkeit einer klaren Formulierung der Meinungsverschiedenheiten offenbar wurde. Ehe ich in die Diskussion eintrete, müv>en einige im folgenden immer wiederkehrende Bügriffe klar fixiert werden. Die Diskussion über Orthodoxie und Zionismus leidet unter der Neigung unserer orthodoxen Diskussionspartner, die konkrete 'untdi die abstrakte, die physische und die metaphysische Bedeutung eines Wortes zu vertauschen. Man muß aber beispielsweise beim Worte „Jeruschalajim" stets unterscheiden, ob die am Fuße des Oelberges in ca. 700 m Höhe gelegene Stadt oder das außerhalb von Raum und Zeit existierende Jeruschalajim schel maala gemeint ist. Auch Erich Rosenblüth scheint mir in entscheidenden Punkten seiner Ausführungen das Opfer einer solchen Begriffsverschwommenheit zu sein. Daher will ich. um ein Aneinandervorbeireden zu vermeiden, erst klar zu definieren versuchen. : 1. „Thora" kann zweierlei bedeuten: einerseits die transzendente, von unserem Sein nicht berührte! Idee, die — nach einem agadischen Ausspruch — vor Briath Haolain schon bestand; andererseits der Kömpiiex von Ideen, Lehren und Gesetzen, der „nicht im; Himmel" ist, und nur ist, wenn er in der konkreten Wirklichkeit zur Manifestation gebracht wird. Mögen es auch nur zwei Aspekte eines und desselben sein, so muß doch (was Erich Rosenblüth übersehen hat), die Betrachtungsweise sehr verschieden sein, je nach dem man die eine oder die andere Bedeutung von „Thora" im Auge hat. Im folgenden soll „Thora" stets im zweiten Sinne gebraucht werden. 2. „Jüdisches Volkstum" kann etweder eine schemenhafte Idee bedeuten, wie etwa in dem oft gehörten Satz „Israel wird durch seine Thora '/um Volk", oder etwas mit soziologischen Kriterien Erfaßbares, das zu den Forderungen Land- und Sprache führt. Ich will die zweite Bedeutung im Auge haben. 3. „Zionistische Erziehung" ist sowohl Erziehung zum Parteinachwuchs in taktisch-politischem Sinne, als auch Durchtränkung mit einer Betrachtungsweise, die das jüdische Volkstum in den Mittelpunkt stellt. Erst eres wird von jedem fähigen Jugendführer abgelehnt werden, so daß nur das letztere Gegenstand einer prinzipiellen Diskussion! sein kann. Analysiert man die Ausführungen von Erich Rosenblüth, so zeigt sich als erstes Unklarheit in der Benutzung des Begriffes und des Wortes ..Thora". Rosenblüth postuliert als selbstverständliche und nicht näher zu analysierende Gegebenheit eine „in ihren entscheidenden Punkten feststehende jüdische Einstellung": die Thora stellt für ihn „einen nur absolut zu fassenden, ganz beistimmten Gehalt dar, der für jeden in gleicher Weise und unabhängig von den äußeren Bedingungen . . . gilt", „die Thora stellt eine ewig gültige Forderung an jeden einzelnen". Aus der

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