Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 5 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ION MONATS BLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND HERAUSGEGEBEN VOM ZENTRALBÜRO DES DEUTSCHEN M1SBACHI. BERLIN N 24 M ON BIJ 0 ü PLATZ 10 REDAKTION: ALEXANDER ADLER. BERLIN D R. ERNST SIMON, JERUSALEM BEZUGSPREIS RM. 1,50 PRO QUARTAL. ZU BEZIEHEN DURCH DEN HERAUSGEBER ODER DURCH DIE POST Nr. 5. Berlin, Mai 1930. Ijar 5690 II. Jahrgang D le Suspendierung der Alijah Wenn Hermann Cohens vorwurfsvolles Wort: „Die Kerle (sc. die Zionisten) wollen glücklich sein" der Wirklichkeit entspricht, so ist jedenfalls der Weg zum Glück für uns mit ungeheuren Schmerzen und Enttäuschungen gepflastert. Was haben wir seit August gelitten! Wie hat doch die neue, durch Zürich bezeichnete Etappe uns und vor allem den Jischuw aus höchsten Erwartungen in bittere Sorgen gestürzt! Man darf sagen, daß das jüdische Volk die Augustunruhen und die ihnen folgenden Prüfungen wie eine gefestigte, gesunde Nation mit Würde,' ohne Hysterie bestanden hat, man beklagte die Opfer, den Rückschlag, die Entfremdung — aber man verstand, daß das Entscheidende war, ungebrochen den Aufbauwillen zu erhalten, ja zu steigern. In vielen reifte die Erkenntnis, daß Tempo und Intensität der Einwanderung, der Basis unseres Nationalheims, v e r s t Urkt werden müsse, um' unseretwillcn und um keinen Zweifel aii dem Ernst; unseres Wirkens aufkommen zu lassen. Alle Beschlüsse der März-Sitzung des Actions-Comite und des Administrative-Committee gaben diesem Willen und der Entschlossenheit aller Ausdruck. Verstärkte Immigration, neuer Bodenerwerb, war die Losung, die; noch im August v. J. laut geworden war. Im Land1 wurde diese spontan entstandene Forderung, auch im Ernste verantwortungsvoller Prüfung durch die Träger der politischen Arbeit zum Beschluß erhoben und wir standen unmittelbar vor der Verwirklichung! Ruppin war der Urheber eines großzügigen Kolonisationsplanes, und das war gewiß auch Gewähr für die Friedensbereitschaft und die feste Absicht, diesen Plan nicht zum Anlaß neuer Spannungen mit der arabischen Bevölkerung werden zu lassen. Während in London die Regierung mit der arabischen Delegation verhandelte, wurden uns neue 3300 Zertifikate zuerteilt — nach sorgfältiger Prüfung, versteht sich. Die Verhandlungen mit den Arabern zerschlugen sich. Einen Tag später, wurden auf Weisung des C o 1 o n i a 1 Office die Zertifikate zurückgezogen. Die arabischen Forderungen waren nicht bewilligt worden —- aber mit der nach Abbruch ergangenen Suspendierung können sie zufrieden sein. Gegen das Mandat und gegen das Weißbuch ist diese Suspendierung erfolgt. Vergebens fragt man sich, wie der Aufbau des National Home gegenwärtig gefördert wird. Politisch ist die Zurücknahme der Zertifikate motiviert. Und doch sollten nur wirtschaftliche Gesichtspunkte, die Aufnahmefähigkeit des Landes, entscheidend sein. Wir wissen nicht, was folgen wird. Wrir wollen das Günstigste annehmen und glauben, daß eine vorübergehende Maßnahme vorliegt, daß keine neuen Beschränkungen folgen werden. Vermutlich ist nur Englands gegenwärtig schwierige Situation im Orient Anlaß für diesen gegen uns geführten Schlag gewesen, nicht aber Entfremdung von unserer Sache. Selbst bei dieser Beurteilung der Lage ist1 unsere Erbitterung groß und unser Protest voll scharfer Anklage. L'iiser Bau in Palästina ist empfindlich und subtil, er verträgt keine plötzlichen Hungerkuren und keine rücksichtslosen Eingriffe. Er bedarf der Nahrungs- und Blutzufuhr, er verlangt Menschen und Boden, denn das bereits Bestehende schreit nach Ausbau und Ergänzung. Das Vorhandene büßt an Lebenskraft und Bedeutung einT v an es nicht erhöht wird durch neue Stockwerke.