Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ION MONATS BLÄTTER FÜR LEHRE, VOLK, LAND HERAUSGEGEBEN VOM ZENTRALBÜRO DES DEUTSCHEN M1SRACHI. BERLIN N 24 M ON BI I Ol. PLATZ 10 BEL) A K. IIU.\: ALIäXA.NÜEK A D LKU. BtKLlN - DR. EltNS I SIMON, JERUSALEM BEZUGSPREIS RM. 1,50 PRO QUARTAL . ZU BEZIEHEN DURCH DEN HERAUSGEBER ODER DURCH DIE POST Nr. 2. Berlin, Februar 1930. Si hwath 5690 II. Jahrgang Nur eine Frage. Von Rabbi B i n j a m i n. Jerusalem. Im ».Israelit" vom 10. Kislew erschien ein Leitartikel, von Direktor Dr. Marcus Elias über „Gesetzestreues Judentum und profane Bildung". Der Titel des Artikels verspricht mehr, als der Inhalt hält, der sich nur mit der Frage des Schulunterrichtes befaßt. Dies etwa sind die Hauptgedanken des Artikels: Im deutschen gesetzestreuen Judentum ist eine deutliche Reaktion gegen die Prinzipien Samson Raphael Hirschs zu bemerken, der die Notwendigkeit profaner Bildung bekanntlich voll bejaht und der versucht hat, das gesetzestreue Judentum mit der Kultur Europas zu einer Synthese zu bringen. Nun aber sind zahlreiche Zweifel und Bedenken aufgetaucht, ob dieser Weg wirklich der richtige sei. Das geschwächte Vertrauen zu der von Hirsch gemeinten Synthese wird auch durch nicht jüdische Faktoren beeinflußt (so durch die Neuromantik mit ihrer Ablehnung des Intellektualismus, durch die Stimmung des ..untergehenden Abendlandes" usw.), hauptsächlich aber wirkt hier ein tief jüdisches Gefühl für den entscheidenden Gegensatz zwischen dem gottgebundenen Judentum und der erdgebundenen Kultur der europäischen Völker. So erhebt sich also die Frage, ob Hirschs System, das vielleicht damals, zur Zeit der radikalen Assimilation und des offenen Abfalls am Platze gewesen war, auch heute noch zu Recht besteht. Vielleicht haben sich die Bedingungen seines Wirkens verändert. Zweifellos hat die europäische Kultur inzwischen tiefgehende Wandlungen erlebt und ist heute kaum mehr mit dem Status zur Zeit Hirschs vergleichbar. Europa übernimmt in steigendem Maße von Amerika den Kultus des Körpers und die Sportbegeisterung. Auch die Wissenschaft befreit sich von allen Bindungen an Glauben und Religion, die Kunst macht sich von der Ethik frei, die Ethik selbst wird religionslos. Materialismus, Naturalismus und Atheismus herrschen in der ganzen Kulturwelt; alle Grundlagen des Geistes und alle Formen des Lebens erschweren die Schaffung jener Synthese mit den Inhalten des Judentums, zu denen heute selbst Politik und Wirtschaft im Gegensatze stehen. Sogar die Grundlagen der Familie werden immer stärker zerrüttet. Auf was warten wir noch in einer solchen Lage? Ist da nicht der Ruf zur Rückkehr auf festes Land, zur Thora als einzigen Kulturfaktor berechtigt, damit nicht die hochsteigenden W'ellerr uns ganz überschwemmen? Andererseits aber: müssen wir denn die irreführenden Voraussetzungen von Wissenschaft. Kunst und Ethik gleichzeitig mit der profanen Bildung übernehmen? Wir können uns doch die profane Bildung aneignen, ohne uns ihren Voraussetzungen zu unterwerfen, ihren Kern genießen und ihre Schale wegwerfen. Auch wird niemand bestreiten, daß die Bildungswelt gleichfalls viele echte Vorzüge besitzt: ideale Strebungen, reichen Geist, Seelengröße, Liebe zu den LTnterdrückten, hohe Dichtkunst und wunderreiche Musik — und an all dem hat auch Gott seinen Anteil. Außerdem aber hat man gar keine Wahl: man kommt in Deutschland nicht ohne profane Bildung aus: Sie umgibt den Juden von allen Seiten wie die Atemluft. Man trifft auf sie auch in der Berufsarbeit, und ihre Schäden können nur teilweise durch die Organisation aller Gesetzestreuen wettgemacht werden. Auf der anderen Seite hat auch der entgegengesetzte Weg seine Gefahren, der ganz