Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 11 (11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 142 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 142 ZION Nr. 11 und wegen jeder Thoraverlesung Verbote oder Genehmigungen hinnehmen zu müssen, und es ist außerdem politisch im höchsten Grade gefährlich, da die Hetzer unter den arabischen Führern nichts notwendiger brauchen als einen ..religiösen'' Anlaß, um ihre Massen in Bewegung zu bringen. Es wäre eine kluge Politik, ihnen diesen Anlaß durch jenen vorläufigen — natürlich nicht: dauernden — Verzieht aus den Händen zu winden. Alter Jisehuw und Keren üaesra* Bei einer Pressekonferenz der zionistischen Exekutive, die am 7. 11. stattfand, gab der 1/cher des Keren Haesra. das misi achisiische Exckutiv-Mitglied Raw Meir Berlin, weitere interessante Aulklärungen über den Fortgang der Arbeit, deren Giunöprinzipicn wir in der vorigen Monalsiibersicht auseinandergesetzt haben. Wie zu erwarten war. sind diese Prinzipien nicht unangefochten geblieben, und scheinen sogar im Mittelpunkt eines noch nicht ganz geklärten Konfliktes zwi-chen dem Waad Halcunii und der Zionistischen Exekutive zu stehen. Soweit man sehen kann, handelt es sich etwa um folgende Fragenkomplexe : 1. Wie weit soll bei der Verteilung der Gelder die Einstellung der Wohltätigkeit, wie weit die der konstruktiven Hille im Vordergrund stehen? Waad Leumi? 2. Wer ist die letzte kompetente Instanz? Zionistische Exekutive oder Age.iey-Exekuüve oder 3. Kann der besonders schwer Geschädigte alte Jisehuw, soweit er in keiner dieser drei Instanzen vertreten ist. sich mit der Sachlage zufrieden geben, oder muß er eine eigene Vertretung bilden, vielleicht gar einen eigenen Fonds zu gründen suchen? 4. Wie weit ist beim Wiederaufbau historischer Städte ihr traditioneller Rang, wie weit sind demgegenüber vor allem die wirtschaftlichen Möglichkeilen zu berücksichtigen? Diese Probleme bestehen nicht nur für Hebron und Safed, sondern auch für die Jerusalemcr Altstadt, die zwar Gott sei Dank nicht zerstört wurde, aber doch so gefährdet ist, daß viele dort wohnende Familien in die neuen Stadtviertel übersiedeln wollen und dazu die Hilfe des Keren Heasra erbitten. Die Haltung der Exekutive, also die Raw Beilins, in diesen Fragen ist die folgende: Konstruktive Hilfe hat den Vorrang vor der reinen Wohltatigkeitsaktiqn: infolgedessen ist die Hauptinstanz die Exekutive, und zwar die der Jewish Agency, der außerdem in London und New York zwei Sonderkomitees zur Seite stehen, der alte Jisehuw dürfe sich, auch in der Person von Raw7 Beilin, dessen weit älterer, längst verstorbener Stiefbruder, bekanntlich einmal Jerusalemer Oberrabbiner war, durchaus in dieser Instanz mitvertieten fühlen und wird auch mit hohen -Summen unterstützt: aus bestimmten Gründen sollten genaue Zahlen nicht genannt werden, doch wurde mitgeteilt, daß die Hebroner Jeschiwa tausende, verschiedene Jerusalemer Thoralehraustahen hunderte von Pfunden erhalten haben. In der Tat bezieht sich die Mißstimmung einzelner Kreise des alten Jisehuw — durchaus nicht aller! — den auch nicht auf finanzielle Benachteiligung, von der wirklich keine Rede sein kann, sondern darauf, daß seine Instanzen in dem Verteilungskomitee nicht genügend vertreten sind, und darüber, daß die avisgeliehenen Gelder später an die Jewish Agency zu-- rückfallen. Viertens ist der traditionelle Rang von Hebion, Safed und der Jerusalemer Altstadt zu berücksichtigen, d. h.. diese Stätten dürfen keinesfalls ganz verlassen werden, das Ausmaß der dort zu leistenden Aufbauhilfe und damit die Höhe der dort zu investierenden Summen hängt aber von zukünftigen wirtschaftlichen Prognosen ab, über die naturgemäß, vielleicht sogar im Kreise der Exekutive, selber, noch Meinungsverschiedenheiten bestehen. Dem Wunsche; derjenigen Jerusalemcr Altstadtfamilien, die in Außenvierteln wohnen wollen, ist mit Hille des Keren Haesra stattzugeben. Unterziehen wir diese soeben referierte Stellung Raw Berlins einer Bewertung, so darf sie als würdig, klug und sachlich bezeichnet werden. Es mag für einen orthodoxen Juden besonders schwer sein, in dieser Weise die Gefühtsmomentc hinter den rationalen Erwägungen zurücktreten zu lassen, um so anetkenntniswerter, wenn es gelingt. Mit solcher sachlichen zionistischen Arbeit wird zugleich dem Misrachi und dein ganzen traditionellen Judentum ein vielleicht: wertvollerer Dienst erwiesen als durch manche direkte Parteiaktionen. Aber auch für dasorthodoxe Judentum selbst wäre aus der Situation vielleicht noch eine Stärkung seiner innerlichen Geschlossenheit herauszuholen. Die Lage erinnert etwas an die letzten Jahre des Krieges und die ersten nach dem Kriege, in denen gleichfalls die zionistischen Instanzen, wenn auch nicht unter orthodoxer Führung, als die Retter des Jisehuw auftreten konnten. Damals war die Zusammenarbeit: mit der extremen Orthodoxi unvergleichlich besser als in den späteren Jahren, und es gab einen Augenblick, in dem sogar Raw Sonnenfeld sich der nationalen Gesamtoiganisation anzuschließen bereit schien. Wäre es nicht möglich, dem Wunsche des alten Jisehuw nach direkter Vertretung in dem Hilfsausschuß stärker Rechnung zu tragen und dadurch Brücken zu bauen zu künftiger Gemeinschaft? Einige Personalia. Die Rolle, die der aus Jerusalem stammende Raw T e i te 1 bau in , Mitglied der Weltzentrale des Misrachi, von Amerika aus in und nach dem Kriege durch seine Stellung beim Joint für die Rettung des alten Jisehuw spielen konnte, liegt gleichfalls in der Linie der eben angedeuteten Aufgabe. Dies kam auch bei einem Abschiedsmeeting zum Ausdruck, bei dem, unter Vorsitz von Raw K u k, viele Führer des alten Jisehuw mit solchen des Misrachi vereint waren und Raw- Teitelbaum, der nach einigen Monaten palästinensischen Aufenthalts seine Arbeit in Amerika wieder aufnimmt, die besten Wünsche mit auf den Weg gaben. Ein anderes Mitglied der Misrachi-Weltzentrale hat ebenfalls Jerusalem verlassen: Raw Fischmann begab sich nach London, wohl gleichfalls in wesentlich finanzieller Mission. Auch in den leitenden Stellen des «Misrachischulwerks haben einige Veränderungen stattgefunden. Zunächst ist Dr. J. Engel, früher Direktor der Tachkemoni-Schulen in Tel-Aviv und Jerusalem, zuletzt Direktor der großen Misrachistischen Volksschule „Talmud-Thora-Misrachi'", Jerusa'em, und der Vorsitzende des Vorstandes der „Allgemeinen Lehrerorganisation" Palästinas zum Schulinspektor des Misrachi beim Erziehungsdepartement