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Zion · 1929-09-01 · 9 (9.1929) · p. Seite 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
9 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 113 (sequence 7)
Language
German
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Von Rabbiner Dr. J. Hoff mann, Frankfurt a. M. I. Seit einigen Tagen lauten die Nachrichten aus Erea - Israel G. s. D. günstiger. Bis auf vereinzelte, kleinere Zwischenfälle, die man als letzte Reflexbewegungen der das Land aufwühlenden Erschütterungen ansprechen kann, herrscht Ruhe im ganzen Lande. Kämpfe und Plünderungen haben aufgehört, aber nicht aufgehört hat unser brennender Schmerz über die Vernichtung kostbaren jüdischen Lebens, über den Opfertod von o'tfnp und nnina und über die Zerstörung jüdischen Gutes, der Frucht mühseliger und hingebungsvoller Aufbauarbeit. Das Herz blutet uns bei dem Gedanken, dasa solches in unserem Lande geschehen konnte. In dem Lande, in dem wir auf Grund von international garantierten Verträgen unter dem Schutze des Völkerbundes und unter den Augen Grossbritaniens als Mandatarmacht unsere eigene nationale Heimstätte bauen und durch eine Kraftanstrengung ohnegleichen ein Werk des Friedens, edler Gesittung und sozialer Gerechtigkeit schaffen, ein Werk, das von erleuchteten Männern aller Kulturvölker mit Freude begrüsst und als ein Beitrag zur Weltkultur gewertet wird. II. Aber je brennender unser Schmerz und je tiefer unsere Trauer, desto mehr tut uns Ruhe und Besonnenheit not. In diesen für das jüdische Palästina schicksalsschweren Tagen dürfen wir uns weder von unserer leidenschaftlichen Anteilnahme zu unbesonnenen Entschlüssen hinreissenlassen, noch dürfen wir in sti 11 brütender, den Tatwillen und die Tatkraft lähmender Trauer verharren. Wie Aron, der Hohepriester, dem der Tod im Heiligtum Gottes zwei hoffnungsvolle Söhne in blühendem Jünglingsalter von der Seite gerissen, seinen Schmerz überwindet, im Heiligtum verharrt, und dort nach wie vor seinen heiligen Dienst versieht, so müssen auch wir, die wir auf dem heiligen Boden Erez-Israels teure Tote zu beweinen haben, den Dienst in unserem Heiligtum und für unser Heiligtum starken Geistes und standhaften Mutes fortsetzen. Freilich müssen wir vorerst zu den schmerzlichen Ereignissen Stellung nehmen und die notwendigen Lehren aus ihnen ziehen. Zwei Fragen haben wir uns jetzt vorzulegen: was haben wir in dieser Stunde zu fordern, und was haben wir von dieser Stunde an zu tun. III. Ueber unsere Forderungen ist schon verschiedentlich gesprochen worden. Sie sind auch schon in Resolutionen niedergelegt: Darüber herrscht wohl eine Meinung, dass die britische Palästinaverwaltung vollständig versagt hat, sie hat nicht nur die zur Entladung drängende Spannung nicht bemeikt oJer beachtet, sie wurde auch gewarnt und liess sich nicht warnen. Mit einer geradezu unverständlichen Sorglosigkeit liess sie die Ereignisse an sich herankommen. Und auch mitten im Aufruhr liess sie den klaren Blick und die sichere und feste Hand vermissen. Aus dieser Sachlage müssen weitgehende Konsequenzen gezogen werden, soll das erschütterte Vertrauen in die Palästinaverwaltung sich wieder festigen. Von ganz besonderer Wichtigkeit und Dringlichkeit erscheint die Forderung, dass der Völkerbund und insbesondere Grossbritanien als Mandatarmacht noch deutlicher, entschiedener und nachdrücklicher als es bisher geschah, sich hinter die Balfourdeklaratioa und das Palästinamandat stellen. Der Völkerbund ist bisher stets für strikte InnehaltUDg der Friedensverträge eingetreten. Das jüdische Nationalheim in Palästina ist aber auch ein integrierender Bestandteil eines Friedensvertrages. Und es ist noch weit mehr. In der grandiosen Versammlung, die im Jahre 1920 -nach den. Beschlüssen von San Remo in der Alberthall zu London tagte, sagte Balfour u. a. wörtlich: „Dieser Krieg hat unendliches Uebel hervorgerufen, aber wenn wir unter seine Ergebnisse die Wiederherstellung des jüdischen Volkes in seiner

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