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Zion · 1929-08-01 · 8 (8.1929) · p. Seite 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
8 (8.1929)
Date
1929-08-01
Page
Seite 108 (sequence 14)
Language
German
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Seite 108 2 i o M ton Protesten und Prozessen — Prozessen innerhalb des ungarischen Koleis, die sich um mehr als unerfreuliche Gelddinge drehen und dem Ansehen der Thora nicht zur Ehre gereichen. Immerhin kann gemeldet werden, daes an der alljährlichen Tagung des palästinensischen „Schomre-Schabbath Verbandes sich wohl die gesamte Orthodoxie: Oberrabbinat, Misrachi und Aguda, beteiligten und zu gemeinsamen Entschlüssen kamen. Hingegen hat eine Art Gebets. Demonstration an der Kotel Maarawi zu Gunsten „der Thora, die in Israel vergessen wird", nur die Unterschriften und Teilnahme von Agudisten finden können* Dieses parteipolitische Gesicht der Kundgebung kam auch in der Wahl des Redners zu deutlichem Ausdruck: Benzion Jadler, einer der Wortführer des jidischistischen Separatismus, übrigens ein hochbegabter Volksredner, sprach, nach dem ßetea, über den Tiefstand des Thoralebens in der Diaspora, besonders in Russland, sowie in Eres Israel. Russland — dieses Grab des religiösen Und nationalen Judentums erweckt in letzter Zeit immer stärker die Aufmerksamkeit des Jischaw, der sich nun eine eigene Organisation zur politischen und Unterstützungsarbeit für die verfolgten Zionisten gegründet hat. Würde nicht die Aguda durch ihren prinzipiellen Separatismus den Eitfluss der religiösen Kreise in dieser Organisation unnötig geschwächt babeD, fo würde sie zweifellos ihre Tätigkeit nicht nur gegen die Verfolgung des Zionismus und der hebräischen Sprache, sondern auch gegen die Verfolgung der jüdischen Religion seitens der Bolschewiken richten. Was die landwirtschaftliche Tätigkeit der „4gudath Jisrael" anbetrifft, £0 ist ihr einziger Stützpunkt, „Machaneh Jigrael", nun leider vollkommen eingegangen. Die dort arbeitenden Chaluzim, die übrigens fast alle auf den Misiachi-Lebrgütern Betzenrod und Rodges ausgebildet waren, haben, bis auf einen einzigen, die Siedlung verlassen, um sich einem neuen misrachistischen PJane zuzuwenden, über den binnen kurzem Näheres berichtet werden kann. Der Boden in Machaneh gehört zwar noch dem agudistischen Käufer aus Deutschland, der ihn seinerzeit erworben hat, ist aber jüdischen Kolonisten aus Balfouria in Pacht gegeben worden, sodass von einer kolonisatorischen Tätigkeit der Aguda in Palästina nicht mehr gesprochen werden kann. Angesichts dieser negativen Sachlage ist es erfreulich, dass nicht sämtliche Führer der Agudath Jißrael den Hauptsinn ihrer Tätigkeit in der Negation des von anderen Geschaffenen erblicken. Zu diesen sicher nicht weniger frommen, sondern nur ursprünglicher jüdischen und daher nationaleren Elementen, gehört offenbar der Oberrabbiner Bessarabiens, Raw J. L. Zirelsohn, der nicht nur auf eine Bitte des Keren Hajessod-Direktoriums, einen Aufruf für diesen Grandfond der Jewish-Agency zu unterzeichnen, zwar aufschiebend, aber doch voller Hoffnung auf spätere gemeinsame Arbeit geantwortet hat, sondern der auch bereits jetzt, bei einer Volksversammlung in Kischinew, anlässlich der^Absendung von Bücherk/sten für die Nationalbibliothek, eine warme Rede für dieses Knltttrinstitut gehalten hat. Raw Zirelsohn hat den Mut, ton der bequemen Politik der Bannflüche, die seine .lerusalemer Parteigenossen auch gegen die Nationalbibliothek praktizieren, zur positiven Mitarbeit überzu gehen. Hoffentlich wird die „Kenessio Gedauloh" auf seinen Spuren wandeln! Neues von der Pica. In der Kolonisationsarbeit der Pica, die jetzt ja fünfhundert Familien auf einem geschlossenen Land- Btück unweit Benfaminas anzusiedeln sich anschickt, weht ein frischer Wind. Die Zentralieitang hat durch ihre Beauftragten die Frage der jüdischen Arbeit, mit der es bekanntlich in den alten Pica-Kolonien besonders schlecht bestellt ist, neu gestellt und den Kolonisten eine Aenderung ihrer bisherigen Praxis dringend nahe gelegt. Uns darf dabei besonders erfreulich berühren, dasB dies unter Mitwirkung des neuen Leiters der Pica - Kolonisation geschah, des Herrn Dr. G o 111 i e b, eines streng frommen elsässischen Juristen, der eine Zeit lang höherer französisischer Ministerialbeamter war und nun sein Verwaltungatalent für Palästina nutzbar machen will. Da wir leider so häufig iu Palästina das verderbliche Bündnis zwischen (äusserer) gesetzestreuer Haltung und extremer wirtschafilieber Reaktion antreffen, dürfen wir uns auch einmal darüber freuen, dass nun ein prägnant orthodoxer Mann zugleich als Vertreter der sozialen Forderungen des Jiachuw auftritt. Vielleicht aber eröffnen sich durch diesen Personenwechsel auch noch andere jferspektiveu für die Ansiedlang gesetzestreuer Chaluzim und mittelstäudischer Elea eute. Aus der Presse. Es verdient Erwähnung, dass die führende linksbürgerliche Tageszeitung Palästinas „Haarez", aus der Feder ihres Chefredakteurs, des demokratischen Kongressdelegierten Dr. Glücksohn, einen Rückblick auf die Wahlen veröffentlicht hat, in dem mit besonderer Sympathie vom Hapoel H^misrachi gesprochen und hervorgehoben wird, dieser könne, bei weiterer Vertiefung seiaer Arbeit, dem Altmisrachi dazu helfen, eine wirkliche Volkspartei zu werden. Auf der anderen Seite wendet sich derselbe Autor, auch in neueren, dem Erziehungswesen gewidmeten Aufsätzen, gegen jeden kulturellen Separatismus und gegen den Anspruch des Misrachi, sämtliche religiösen Schulen unter seine organisatorische Aufsicht zu bekommen. Er schlägt vielmehr vor, die allgemeinen Schulen selbst stärker mit religiösem Geist zu erfüllen, wozu der Misrachi, dessen selbständiges Schulwerk bestehen bleiben soll, selbstlos helfen müsse. Iu ähnlicher Gedankenbahn bewegt sich ein Aufsatz, den kürzlich Dr. Cbajim Tartakower in dem Londoner Zentralorgan „Haolam" veröffentlicht hat Auch er stellt die „Erneuerang des religiösen Lebens in Erez Israel" mit Befriedigung fest, — „Erneuerung" ist hier nicht etwa als Reform, sondern als Wiederaufleben der Tradition gemeint — fürchtet;.ber aueb, dass diese zugleich natürliche und historische Entwicklung von einer separatistischen Politik des Misrachi, besonders auf dem Gebiete des Schulwesens, gestört werden könnte. Man kann aus allem lernen — auch aus „Stimmen vom anderen Ufer". E. S. Persönliches. Redaktion und Verlag des ZION sprechen Herrn u. Frau Dr. Ernst Simon, Jerusalem ihren herzlichen Glückwunsch zur Geburt ihres Sohnes aus. Möge dieser „SohnZions" zur Freude und zum Stolze seiner Eltern und der gesamten Judenneit heranwachsen! Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz IQ. Verlag des »ZION«: Alexander Adler, Monbijouplatz 10. Druck: Itzkowski & Co., Berlin N 24, AognaUtr. 69.

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