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Zion · 1929-07-01 · 7 (7.1929) · p. Seite 96

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Journal
Zion
Volume
1 (1929)
Issue
7 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 96 (sequence 18)
Language
German
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Seite- 96 Z I 0 N Nr. 7 leitenden Stellen des Misrachi-Schulwerks zum vorläufigen Scheitern gebracht. Während all dieser Schwierigkeiten haben die n i c h t - misrachistischen Lehrer gehandelt und sich in den Schwaoth-Ferien zu einer Vertreter-Versammlung in Pethach-Tikwah vereinigt. Ueber die dort gepflogenen Verhandlungen ist bisher wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen; mit Ausnahme einiger Resolutionen, die sich mit ausgesuchter Schärfe gegen die misrachistischen Angriffe auf das allgemeine Schulwerk wenden und den Vorschlag machen, der Eongress solle ein vielgestaltiges, in einem Zweige auch religiösen Interessen Rechnung tragendes Schulwerk schaffen, das aber, insbesondere in seinem traditionellen Zweig, von jedem Partei Einfluss unabhängig sein solle. Anch derjenige, der den Zusammenbang zwischen Partei und Erziehung als höchst fragwürdig und gefährlich empfindet — von seiner Problematik soll in diesen Blättern noch die Rede sein — wird sich über die Resolution wundern müssen. Es wäre gut gewesen, wenn man sich irgendwie ernsthaft mit den Bedenken auseinandergesetzt hätte, die z. B. Rabbi Binjamin erst kürzlich wieder sehr eindrucksvoll in seinem „Hahed* vorgetragen hat, und die darauf hinauslaufen, dass der Versach engster organisatorischer Zusammenarbeit bisher leider gezeigt habe, wie wenig wirkliche innere Gleichberechtigung, zu der ja auch eine gewisse Entfaltungsmöglichkeit gehört — denn alles Lebendige will wachsen — das religiöse Sclmlwerk ohne den besonderen Schutz seiner Partei zu erwarten hätte Bevor nicht wirklich praktische, mit gewissen verfassungsmässigen Sicherungen versehene Vorschläge derartige Anträge auf Entparteilichung des traditionellen Schulwerkes begleiten, wird man sich kaum ernsthaft mit ihnen auseinandersetzen können. Kongreß - Vorbereitungen: Presse - Konferenz des Keren Hajessod. Während die vorletzte Aussprache beim Keren Hajessod den Fragen der Finanzpolitik unseres Autbaufonds und der zionistischen Executive gewidmet war, stand dieses Mal das Erziehnngswesen zur Debatte, über dessen augenblickliche organisatorische Gestalt und Zukunftsaussichten seine beiden Leiter, Miss S z o 1 d and Dr. B e r k s o n, referierten. Besonders in den Darlegungen des letzten wurde auch die Frage des Misrachi-Schulwerks und seiner Autonomie ererörtert and der Standpunkt herausgearbeitet, dass innere, weltanschauliche Autonomie, die man gern zugestehen würde, nur unter der Voraussetzung eines starken organisatorischen Zentrums möglich sei. Dies aber werde illusorisch gemacht, wenn dem Misrachi besondere Fonds zur Verfügung stehen, die der Kontrolle des Erziehungs-Departements entzogen sind und zur Hinzufügung von Stunden oder Lehrkräften verwandt werden können. Auch die Tatsache, dass die Schulaufsichtsbebörde des Misrachi gleichsam zwei Instanzen, nämlich zugleich dem Erziehungs-Departement und der Misrachi-Partei, verantwortlich sei, könne nicht auf die Dauer bestehen bleiben. Hier müsse irgendein Ausweg gefunden werden. In der Diskussion bemühten sich dem Misrachi nahestehende Journalisten und Redner, die Frage zu klären, wie einerseits das Erziehungs-Departement die Lehrerseminare des Misrachi, freilich ebenso wie die allgemeinen Seminare, abzubauen suche, und andererseits dem Misrachi die Möglichkeit bestreiten wolle, diese, für ihn eben lebensnotwendigen Anstalten, aus eigenen Kräften zu erhalten. Eine rein formale Demokratie, die der Rechten nehme, was sie der Linken nicht gebe, genüge hier nicht, weil es sich eben um eine Lebensfrage handle. Ohne die Gewähr der Ausbildung religiöser Lehrer sei an eine Fortsetzung des religiösen Schulwerks nicht zu denken. In seiner Antwort zeigte sich Dr. Berkson in diesem Punkte recht entgegenkommend und stellte in Aussicht, dass der Kongress mit den besonderen Bedingungen der Misrachi-Mittelschulen rechnen werde, insbesondere auch damit, dass diese Schulen als noch jung und wenig ausgebildet, arm an Lehrmitteln und Büchern etc., vielleicht auch ein absolut höheres Budget brauchen als die entsprechenden Anstalten des „allgemeinen" Schul wer ks. Interessant war auch, dass während der Debatte von nicht misrachistischer Seite aus die Frage gestellt wurde, in wiefern das Zionistische Erziehungs- Departement den nicht misrachistischen Schulen ein „Minimum von Judentum" sicherstellen könne. Auf diese Problemstellung ging Miss Szold in ihrer überaus wirkungsvollen Schlussrede sehr ernsthaft ein und gab offen ihrem schmerzlichen Bedauern darüber Ausdruck, wie erstaunlich weit sich manche Teile des Schulwerks von der Tradition entfernt hätten. Sie meinte, dass eine Aenderung dieses Zustandes allerdings nicht durch die Bemühungen und den Einfluss einzelner Personen, sondern nur durch eine Gesamtwandlung der öffentlichen Meinung Palästinas in diesem Punkte herbeigeführt werden könnte. Den, in einem Zwischenruf gemachten Einwand, gerade die Erziehung thoratreuer Lehrer könne eine solche Wandlung mit herbeiführen, schien sie nicht recht gelten zu lassen. Er scheint uns trotzdem wesentlich, Im ganzen darf man sagen, dass die sehr gut besuchte Versammlung — mit Ausnahme eines hasslichen, hebräisch-chauvinistischen Zwischenfalles — durchaus würdig verlief und insbesondere ein gewisses Verständnis für die lebensnotwendigen Forderungen des misrachistischen Schulwerkes zeigte. Möge sie ein guter Auftakt für den Kongress gewesen sein! Verantwortlich für die Redaktion: Alexander Adler, Berlin N 24, Monbijouplatz 10. Verlag des „ZION": Alexander Adler, Monbijouplatz 10. Druck: Itzkowski & Co., Berlin N 24, Angnststr. 69.

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