Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 61 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Z I 0 N Seite 61 kennung der Verpflichtungskraft des jüdischen Gesetzes, nach der o»ow maSo rfop. Es ist eine Frage, deren Beantwortung geiade vom Erzieher unbedingte Ehrlichkeit erfordert Wir können nicht von der Jugend verlangen, dass sie Dogmen als wahr aner kennt, an die wir selbst nicht glauben. Wir wissen, dass das Judentum reich und weit ist, und dass ein manchmal unumgängliches Heraustreten aus der in den Jahrhunderten der Qaluth zu straff gespannten Kette der Ueberlieferung unsere Zusammengehörigkeit zum gesetzestreuen Judentum nicht löst, wenn wir es als ein — allerdings persönlich notwendiges — Heraustreten empfinden. Wir wissen, dass in allen Jahrhunderten jüdische Decker gelebt haben, die ihren eigenen Weg zur Lösung weltanschaulicher Probleme gingen und trotzdem vom gesetzestreuen Judentum, wenn auch zum Teil erst nachträglich, als die ihren empfunden wurden. Aber wir müssen die Jugend zur Anerkennung der unbedingt verbindlichen Grundlagen des gesetzestreuen Judentums bringen, die da sind: der Duichbruch des Göttlichen in die Welt und seine Manifestation in der Norm des Gesetzes (ich nehme dies als die erste Grundlage, ohne mich im Augenblick auf den Umfang des Begriffes der „Norm" festlegen zu können); und zweitens: die Lebenskraft der Gesetzesnorm, die von Generation zu Generation Neuerscheinungen hineinbezieht und somit das ganze Leben verpflichtend umfasst. In der Diskrepanz, die sich auftut zwischen der Verpflichtungskraft des Gesetzes und der vom Eigenleben geforderten Notwendigkeit gelegentlichen Heraustretens aus der Traditionskette liegt eben die persönliche Aufgabe jedes Einzelnen zu einem inneren Ausgleich und damit die Möglichkeit einer mannigfaltigen Ausprägung der jüdischen Persönlichkeit. Diese persönliche Aufgabe müssen wir auch unsere Mädchen erkennen lassen, wenn sie reif genug dazu sind, Judentum als Aufgabe zu empfinden, und wenn die unbedingt zu fordernden Voraussetzungen an gediegenem jüdischem Wissen gegeben sind. Denn ausser den positiven Lockungen der Kultur, deren Verarbeitung mit jüdischen Elementen bei einem Scheuklappenerziehungssystem nicht gelernt wird, wirken andere wesentlichere Momente bei der Entfremdung der Mädchen vom Judentum mit. Unsere tiefer denkenden Mädchen gingen fort von der Tradition, weil die Ueberspanflüng der Forderung ein Opfer des Intellekts von ihnen verlangte, weil sie manche galuthbestimmte Form wohl pietätvoll bejahen, aber nicht als wdo nvub min anerkennen konnten, und weil sie in der Fülle der Einzelheiten nicht den Wesenszug erkennen konnten. Aber ist einmal der Grundgedanke erfasst und zu eigen geworden, und ist die religiöse Form als sein Ausdruck erlebt worden, so ist zu hoffen, dass die Jugend, die Halbheit verachtet, das eigene Leben von diesen Gedanken durcbformen lassen wird. Unsere Mädchen sind überwiegend Palästinenserinnen. Sie sind, auch die Städterinnen, meist inniger mit Land und Arbeit verknüpft, als wir, die wir aus der Kultur Europas kommen und erst wieder Erdnähe suchen. Für viele Mädchen ist Chaluziuth Ideal und Sozialismus Forderung, wenn auch sehr häufig dieses Ideal und diese Forderung Theorie bleiben, oder gar in der Phrase ersticken Ein haal-bathisches Juden tum, das dem Gedanken der Arbeit und der gerechten Gestaltung der Gesellschaft fremd gegenübersteht, ist jedenfalls für diese Mädchen Kompromiss, mit dem sie sich, ohnmächtig gegenüber dem Galuthgeist der Umgebung, mit dem nagenden Gefühl einer inneren Unwahrheit abfinden. Die Erkenntnis, dass gesetzestreues Judentum und Sozialismus an und für sich keine Gegensätze sind, dass eine Synthese sowohl vom Einzelnen in der persönlichen Gestaltung setnes Lebens als auch in der Gesamtheit vollzogen werden kann, ist für die Mädchen, die ihr soziales Gewissen nicht bei den gegebenen Verhältnissen beruhigen können, ein wichtiger Schritt bei der Auseinandersetzung mit den Forderungen des tradition llen Judentums. Vielleicht wird eine Jugerd, die aus Erlebnis und Erkenntnis die Verpflichtung des Gesetzes auf sich genommen hat und nach Erneuerung der Gesellschaft in eigener Arbeit und im Gesellschaftsleben strebt, der sozialistischen Bewegung in Palästina eine eigene jüdische Note geben. Judentum und Sozialismus ist eines der modernen Lebensprobleme. Es sind so viele Fragen, die die Jugend bedrängen, Jugend überhaupt und jüdische Jugend in Palästina besonders. Es sind die sexuell«, n Nöte und das Sichdurchfinden durch den Wust von gut- oder schlecht-gemeinten Lehren über das Geschlechtsleben, die noch besondere Formen von geschlechtlichen Nöten schallen; &6 ist die Auseinand rsetzung mit der Kunst, die eben im Judentum aus tiefen Gründen ein Stiefkind geblieben ist. Aber diese Probleme alle sind ja, wie ich schon sagte, nicht spezifische Probleme der Mädchenerziehung. Es gibt noch besondere Fragen der Mädchenerziehung, wie die nach der gediegenen jüdischen Bi dung, die notwenn Du am Wahltag Deine Pflicht erfüllt hast!