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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1869-01-01 · Heft 1 · page 195

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1869
Issue
Heft 1
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 195)
Language
German
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197 leistet zu ' haben, den Proceß' machte, wie den in politischer Beziehung gravirten Christen bürgerlichen und adelichen Geschlechts, der hohen und niederen Geistlichkeit. Trotz der Feindseligkeit der Kaiserin gegen die Juden glauben wir ihr doch so viel Rechtsgefühl zutrauen zu sollen, daß es ihr angenehmer gewesen wäre, ein entschieden erwiesenes Unrecht zu bestrafen, als den Schein der Ungerechtigkeit auf sich zu laden. Noch mehr, die Juden waren noch in Prag, als die fremden Mächte zu interveniren begannen, warum hat man nicht gegen einzelne den Proceß begonnen, nachdem das Decret bereits erlassen war? Am 2. Januar 1745 berichtete neuerdings der venetianische Gesandte, daß die Gesandten Englands und Hollands sich zu Gunsten der böhmischen Juden bei der Kaiserin ververwendeten und für die Rücknahme der wider sie ergangenen Edicte baten, professando ehe ciö potrebbe causare qualche sconcerto anche nel loro commercio. Man fürchtete also, daß die Lahmlegung des jüdischen Handels eine schlechte Wirkung auf den Handel im allgemeinen, die man selbst in England und Hollanv fühlen würde, ausüben werde. Auch der dänische Gesandte verwendete sich in gleicher Richtung. M Am 7. Mai 1795 berichtete der österreichische Gesandte in Holland, Baron Reischach, über diesen Gegenstand, dem der Grund der Ausweisung ebenfalls unbekannt war. Aus demselben entnehmen wir, daß die holländische Regierung der Befürchtung Ausdruck gab, die in Oesterreich lebenden Protestan- 1) Abraham Trebitsch berichtet, wie schon angeführt, in dem bereits citirten Werkchen „Koroth haTttim“, daß sich die böhmischen und mährischen Juden an ihre Glaubensbrüder in Holland, England, Rom, in der Türkei und in Polen wendeten mit dem Ersuchen, die Intervention der fremden Mächte herbeizuführen. Wie wir aus obiger Darstellung sehen, haben die Juden in den genannten Ländern allerdings nicht die Hände in den Schos gelegt. Der Papst intervenirte jedoch nicht, wie Adam Wolf meint.

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