Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 167)
- Language
- German
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169 fließet), es müsse dem ungewissen Zustande der Juden ein Ende gemacht werden. Sie leben zusammengepfercht und gedrängt auf dem Lande und seien Seuchen zu befürchten. Hierauf rescribirte die Kaiserin am 31. Aug. 1745 eigenhändig concedirend: „sollen Weiteres auff dem Lande sich ausbreiten dörffen bis weitere Ordre, maria Theresia." In der That wurde auch von feiten der Statthaltern begonnen, mit den Juden wegen der Wiederaufnahme zu unterhandeln. Man verlangte nämlich von denselben 2 Millionen Fl. als Lösegeld. Die Juden Vertreter derselben sind gezeichnet: Abraham Israel Duschenes, Abraham Preßburg, Löbel Abeles, Arje Fanta, Selig Thein, Salomon Koreff, Löbel Foges, Sine Fauvers, Simcha Popper, Sacharin Kassowitz, Anschel Grünhut, Joachim Toderl, David Bylitz, Wolfs Reiach, Moses Tauscht, Fertel Mißlaf, Jakob Ansch, Salman Bondi und Abraham Ahrer wiesen auf die Unmöglichkeit hin, diese Summe aufzubringen. Sie gaben an, sie seien geplündert worden. Sie schulden 160,000 Fl.,) dem Aerar waren sie für rückständige Steuern 219,961 Fl. 45 kr. schuldig); sie mußten 1) Wir haben nur mit schwerer Mühe die Unterschriften entziffert und mögen manche Namen nicht genau angegeben sein. — Bon mancher Seite wird behauptet, es sei dem Salomon Koreff gestattet gewesen, in Prag zu bleiben. Uns ist von einem derartigen Privilegium für ihn nichts bekannt, und dürfte der Fall hier wie bei Max Schlesinger bei der Ausweisung der Juden-aus Wien im Jahre 1670 sein (vergl unsere „Juden in der Leopoldstadt", S. 63, Anmerk.). Von Salomon Koreff wird folgende Anekdote erzählt: Als das Decret der Ausweisung den Präger Judenältesten zugestellt wurde, begab sich eine Deputation zu den Statthaltern, deren Sprecher Salomon Koreff war Dieser, erregten Gemüths, machte seine Gegenvorstellungen in überlauter Weise. Der Statthalter wies ihn deshalb zurecht, und Koreff antwortete: „Aus wir schreien zehntausend Seelen". — Ein Rabbiner war damals nicht in Prag.