Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 165)
- Language
- German
- Belongs to
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167 jener Zeit nicht die Erfahrung gemacht, daß arme Leute reich und reiche Leute arm werden? Doch trotz des Bermittelungsvorschlags beharrte die Kaiserin bei ihrer Ansicht, und Tags darauf, am 18. Dec., erschien das Ausweisungsdecret. Trotzdem man jedoch die Absicht hatte, die Juden so schnell als möglich aus Prag zu vertreiben, so waren die Verhältnisse stärker als die Menschen nnd Ende Januar 1745 wurde der Ausweisungstermin aus einen Monat, bis Ende Februar verlängert, damit die Juden ihre Geschäfte abwickeln können. Ebenso wurde für die Juden, die auf dem Lande in Böhmen wohnten, „von der allgütigsten Landesmutter in Ansehung deren triftigsten Vorstellungen, vornehmlich aber weilen die Juden mit Dero getreuesten Unterthanen im Creditwesen verflochten seind," der Ausweisungstermin verlängert. Als der Monat Februar zu Ende ging, wurde für die Präger Juden wegen der strengen Kälte der Ausweisungstermin neuerdings bis Ende März verlängert. Alle Gesuche und Vorstellungen bei der Kaiserin, sie in Beziehung auf die Juden umzustimmen, waren fruchtlos. Die Hoffnungen der Juden, wie so oft, durch wiederholt erlangte Verlängerungstermine Zeit, und dadurch eben alles zu gewinnen, daß inzwischen andere, für sie bessere Ansichten sich geltend machen würden rc., erwiesen sich als eitel und nichtig. Die Kaiserin rescribirte eigenhändig: „Die Juden müssen alle hinaus und es schon öfters positive gemeldet wie die mittel und wie es zu befolgen." Wirklich zogen die Juden am 31. März 1745 von Prag weg, und wir lassen hier den Bericht der Statthalters vom 1. April an die Kaiserin folgen: „Nachdem die Juden die repartirten 160,000 Fl. gezahlt, welche sodann nicht ohne den größten Herzensleyd und Betrübnus die Schlüssel von denen Synagogen und Judenschulen,