Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 144)
- Language
- German
- Belongs to
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146 dem Lichte überstrahlt werden, das die jüdischen Weisen ausströmten, zur Zeit, als ihr Volk bessere Tage gesehen hat. Und doch hallen wir es für Pflicht, nach besten Kräften zur Aufklärung über vergangene Tage beizutragen. Zunächst geschieht dies im Interesse historischer Wissenschaft, die Selbstzweck ist. Die Wissenschaft kümmert sich nicht darum, inwiefern ihre Forschungen praktische Resultare haben. Es gibt zahllose edle Geister, welche ihr Leben und Streben der Erforschung von Problemen zugewendet haben und zuwenden, über die Dutzendmenschen mit den Einmaleinsgesichtern höhnisch die Nase rümpfen. Wir wollen es jedoch offen bekennen; wir verfolgen auch praktische Zwecke. Wir leben in einer Zeit der Aufklärung; Humanität ist ihr Losungswort. Leugnen wir es jedoch nicht, es bestehen noch in den sogenannten gebildeten und aufgeklärten Kreisen große Vorurtheile gegen die Juden. Wo Religionshaß den Bodensatz zurückgelassen hat oder Geschäftsconcurrenz den Stachel des Neides und der Scheelsucht eingepflanzt u. s. w., da leben die alten Judenfeinde wieder auf. Da ist es Pflicht, darauf hinzuweisen, daß eine Religion, die durch Jahrhunderte so viele Märtyrer zählt, zu den edelsten gehören muß; daß ein Volk, welches trotz allen Anfeindungen einer- und allen Verlockungen andererseits seines Glaubens wegen alle Qual und Marter erträgt und auf alle Vortheile, die es sonst erlangen könnte, verzichtet, seinesgleichen in der Geschichte sucht, aber nicht findet; daß ferner die Juden nicht, wie es ihre Feinde glauben machen wollen, der Fluch, sondern der Segen der Länder waren, in welchen sie lebten, daß sie das Gedeihen und den Wohlstand ihrer nichtjüdischeu Mitbürger förderten. In unfern „Juden in der Leopoldstadt" haben wir den Beweis geführt, wie sehr die wiener Bürger im Jahre 1670 sich täuschten, als sie glaubten, daß nach der Austreibung der Juden ihre Geschäfte glänzender sich gestalten werden und ihr- Wohlstand zunehmen werde, und daß auch die Regierungs-