Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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46 maß nur in der Sprache redete, die ihre Laute und Verbindungen aus dem Organ des Geistes entnahm, jetzt durch den Fall, der sich darbot, die Saiten, des Gemüths zu rühren und ihnen die Stimmen zu entlocken verstand, welche das Herz bewegen und die Hörer in Mitleidenschaft versetzen. Wie sein Geist hell und klar, so ist sein Herz rein und warm, nicht auf Affecte und Erregungen angelegt, aber vom sittlichen Gefühl und Empfinden geweiht, das schwer verwundet ist, sobald ihm das leiseste Mißtrauen an seiner Aufrichtigkeit und Wahrheit begegnet. Diese Färbung einer sittlichen Kränktmg trägt das Plaidoyer Lasker's für die Fraction, der er angehört; aber gleichwohl entbehrt feine Rede nicht der möglichsten Ruhe, die ihn jederzeit auszeichnet, die keines seiner Worte jemals über das richtige Ziel hinaus schießen läßt. Als am 27. November der Abgeordnete Achenbach auf diese Rede exemplisicirte, da im Staatshaushallsetat für 1867 ein Haupt-Extraordinarium von 300,000 Thaler „Unvorhergesehene Ausgaben" von der Regierung gefordert werde: erklärt sich Lasker noch einmal kurz darüber und fügt hinzu: „Ich habe nur gesagt, daß ich bereit bin, alle Bedürfnisse, welche erweislich zu Gunsten der auswärtigen Angelegenheiten erforderlich sind, zu bewilligen und dem Leiter der auswärtigen Angelegenheiten die Disposition darüber zu geben, wenn auch darin der Ausdruck des Vertrauens liegen mag". Zum Regierungsantrage selbst bemerkt er: „Weil ich nun der Meinung des Herrn Abgeordneten Reichenheim bin, daß wir Gelder nur zu solchen Zwecken bewilligen sollen, deren Unzulässigkeit nicht das Haus bereits ausgeschlossen hat, werde ich mit ihm gegen die Bewilligung stimmen müssen. Dagegen würde ich dem Antrage des Abgeordneten von Bockum-Dolffs ohne Weiteres beistimmen, weil wir nicht etwa der Regierung die Disposition über die 300,000 Thaler entziehen, sondern ihr nur das Bewußtsein der Verfassungsmäßigkeit und Verantwortlichkeit auch bei diesen Etatsposten auferlegen wollen". Der Antrag Bockum-Dolffs wurde angenommen.