Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3138070-3138073-3138074--0901-3138991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8 herrschte, gab dennoch der letzte Artikel „über Finanzrecht" der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zur criminal-gerichtlichen Verfolgung. In zwei Instanzen wurde Lasker freigesprochen. Als darauf wegen desselben Artikels die Disciplinaruntersuchung eingeleitet wurde, erkannte der Disciplinarhof des Kammergegerichts wiederum auf Freisprechung, weil der incriminirte Artikel „in mathematisch genauer Wissenschaftlichkeit" gehalten sei nnd nichts Strafbares involvire; das Ober-Tribunal jedoch verurtheilte den Verfasser zur Strafe des „Verweises" und motivirte diese dadurch, daß allerdings objective Wissentschaftlichkeit in der Abhandlung herrsche, allein der Verfasser sollte sich nicht mit derartigen Stoffen befassen, die verfänglich sind. - Lasker war durch diese Vorgänge, ohne je ernst daran gedacht zu haben, eine öffentliche Persönlichkeit geworden, an welcher das Publikum Interesse gewann. Die Stimmung der Zeit wurde vollständig durch den Conflikt zwischen der Staatsregierung und der Landesvertretung beherrscht, und besonders in der Berliner Bevölkerung fand sich ein vollkräftiger Resonanzboden für alle Anklänge dieses Streites. Man lenkte hier den Bick auf Lasker, seine Freunde suchten ihn der eigentlichen politischen Bewegung näher zu führen; allein er blieb zögernd und zurückhaltend, Wert es nie seine Sache war, die Öffentlichkeit zu suchen und um öffentlichen Beifall sich zu bewerben. Andererseits mag er die stark bewegte politische Strömung, die gerade damals am höchsten ging, nicht geeignet gehalten haben für ein ruhiges, gemessenes Wollen, für ein mehr.bedächtiges, als leidenschaftliches Handeln, von dem er sich nicht lossagen konnte. Genug, Lasker blieb der eigentlichen politischen Action fern und trat mit dem Publikum nur durch seine Vorträge in den Vereins- und Bezirks-Versammlungen in Berührung, die über „Erziehung", „häusliche Lecture" und andere wissenschaftliche Themata handelten und in der Folge erst auch politische Fragen besprachen. Durch diesen häufigen und unmittelbaren Verkehr mit der Bevölkerung wurde Lasker immer enger mit