Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 261)
- Language
- German
- Belongs to
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265 fünf Tage in der Wüste von den andern, die am Sambation wohnen, entfernt sein. Die Christen, die aus den Ländern der Johanniter kommen, erzählen, daß die Juden dort, die mit dem Volke des Priesters Johann im Kampfe sind, große Niederlagen erlitten hätten, und wir sind sehr ängstlich, ob diese Nachrichten nicht Gott behüte wirklich, wahr sind. Möge Gott sein Volk und seine Diener immer beschützen. Ich wohne hier in Jerusalem im Hause des Nagid, dieser hat mich zum Verwalter seines Hauses gemacht, undich halte monatlich zweimal in hebräischer Sprache, die die MeiMn hier verstehen, in der Synagoge Vorlesungen; meine Reden klingen in ihren Ohren wie ein lieblicher Gesang, sie loben dieselben sehr und hören sie gern, aber sie handeln nicht darnach. Doch kann ich nicht sagen, daß Jemand mich angegriffen hätte, selbst die Alten thaten mir kein Unrecht, sie haben mich noch mit keiner Steuer, wie sie das gewöhnlich jede Woche hier thun, beläsügt. Sie wollten selbst nicht, daß ich die Kopfsteuer, von der Niemand ohne Unterschied befteit sein kann, im ersten Jahre bezahle; so stehe ich noch durch Wunder fest da, Gott weiß wie es später gehen wird. Der verehrteJmanuel Chai aus Comarino schickte mir 100 venitianische Ducaten, die ich von ihm verlangte, und welche die Erträgniffe des Capitals sind, welches ich bei ihm ließ; er versprach mir, diese Sendung jährlich zu wiederholen; dem Patron des Schiffes, der mir das Geld mitbringt, gebe ich 10 Der geehrte Jmanuel hat noch 25 Ducaten zum Theil für Oel zu den Synagogenlampen und zum Theil an Arme zu vertheilen, beigelegt. — Was mich betrifft, so lebe ich vergnügt in Jerusalem,^ ich habe mit Niemandem was vor; wir versammeln uns Morgens und Abends um Halacha zu studiren; zwei sephardische Schüler nehmen ununterbrochen an meinem Unterricht Theil, wir haben auch hier jetzt zwei aschkenäsische Rabbiner. Es ist leicht möglich, daß das gelobte Land wieder hergestellt und bewohnt wird; denn der König hat einen Befehl zur immerwährenden Gültigkeit erlassen, daß die Juden in Jerusalem bloß die ihnen aufgelegte Kopfsteuer zu entrichten haben.