Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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87 nicht, die Wahrheit zu höhnen. Wohl weiß ich, daß ich deiner Gnade nicht werth bin, allein die Seele, die du nach deinem Ebenbilde schufest, würdige sie jederzeit deines Schirmes und Schutzes. Es verstumme der falsche Laut der frechen Zunge, und wer Verleumdung üben will, möge erfahren, daß mein Glaube eine starke Stütze an dir hat."^) Auf den weiteren Inhalt der Schrift vermögen wir hier zu unserem Bedauern nicht weiter einzugehen, nur eine kurze Stelle aus dem Anfange mag hier noch einen Platz finden, weil sie uns eine Probe ihres gewandten und gebildeten Stils giebt und eine andere, welche uns den Beweis liefert, wie geschickt sie mit den Pfeilen des Spottes und der Ironie ihren Gegner zu treffen vermag. „Der Titel Ihres Buches," so beginnt sie, „hat mir jenen tapferen Römer in's Gedächtniß gerufen, der aus die Einladung: eine Röde zum Lobe des Herkules anzuhören, ausrief: „„Ei, wer denkt denn von Herkules übel zu sprechen?"" So ist es auch mit dem Dogma von der Unsterblichkeit der Seele, das wenigstens in Venedig Niemand anzugreifen wagt .... und dennoch unternehmen Sie nicht nur eine höchliche Vertheidigung deffelben, sondern machen die Einfälle ihrer Eitelkeitzu einer besonderen Sendung, die Ihnen von Gott sei anvertraut worden, dessen Vorsehung Sie aus der Mitte Ihrer Brüder erweckt, vorzugsweise vorfallen Gelehrten und Theologen Ihres Jahrhunderts. Hütte der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele kein anderes Fundament, als die von Ihnen angeführten Gründe, so hätte wahrlich der Materialismus gewonnenes Spiel und die arme Menschheit wäre sehr zu beklagen. Sie werden mir vielleicht einwenden, daß sich Gott oft niedriger und verachteter Werkzeuge bediene, um große Dinge zu wirken, daß darin gerade seine Allmacht am Herrlichsten sich beweise und daß selbst Bileams Esel einmal gesprochen habe ... — Ja, aber in den Fällen waren die Wirkungen davon immer göttlich und dieser Unterschied benimmt Ihnen jedes Recht, sich für einen Propheten auszugeben. Andererseits sagt Ihnen Ihr Gewissen deutlich genug, daß